Aixtron-Verkauf US-Geheimdienst soll China-Deutschland-Deal gestoppt haben

Der chinesische Investor Liu Zhendong will das deutsche Unternehmen Aixtron kaufen - doch die Bundesregierung hat den Deal vorerst ausgesetzt. Laut einem Zeitungsbericht soll dahinter eine Warnung des US-Geheimdienstes stecken.

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Die geplante Übernahme des angeschlagenen Aachener Chipanlagenbauers Aixtron ist angeblich durch eine Intervention des US-Geheimdienstes gestoppt worden. Die Amerikaner hätten Ermittlungsergebnisse präsentiert, wonach Produkte von Aixtron auch militärisch genutzt werden könnten, berichtet das "Handelsblatt" am Mittwoch unter Berufung auf deutsche Geheimdienstkreise. In Washington werde befürchtet, dass China Chips von Aixtron in seinem Nuklearprogramm einsetzt. Das Bundeswirtschaftsministerium wollte sich dazu nicht äußern.

Der chinesische Investor Fujian Grand Chip Investment (FGC) will für 676 Millionen Euro die defizitäre Firma übernehmen. Nach Ablauf der Annahmefrist haben die Aktionäre bereits rund 65 Prozent der Anteilsscheine zum Kauf angedient.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hatte in den vergangenen Tagen überraschend seine Anfang September erteilte Unbedenklichkeitsbescheinigung für den Deal zurückgezogen. "Die Bundesregierung hat bis dahin nicht bekannte sicherheitsrelevante Informationen erhalten", hatte Gabriels Staatssekretär Matthias Machnig (SPD) der Zeitung "Die Welt" gesagt.

Hinter FGC steckt der Privatinvestor Liu Zhendong, indirekt hält aber der chinesische Staat fast die Hälfte der Anteile. Zhendong hatte in einem Interview mit SPIEGEL ONLINE kürzlich beteuert, die chinesischen Behörden hätten bei dem Übernahmeplan keine Rolle gespielt und er treffe die Entscheidungen allein.

Wie das "Handelsblatt" nun berichtet, haben die amerikanischen Sicherheitsbehörden bei einem Treffen in der US-Botschaft mit Vertretern des Kanzleramts, des Bundeswirtschaftsministeriums, des Innenministeriums und des Verteidigungsministeriums Beweise vorgelegt, diese der deutschen Seite aber nicht übergeben. Die deutsche Seite dringe darauf, die Beweise zu erhalten.

FGC hatte am Dienstag selbst mitgeteilt, dass das Bundeswirtschaftsministerium die Unbedenklichkeitsbescheinigung aus Sorge um sensible Verteidigungstechnologie zurückgezogen habe. In der Mitteilung von FGC hieß es, dass die deutsche Bundesregierung um eine Offenlegung von sicherheitsrelevanten Technologien fürchte, insbesondere für den Verteidigungssektor. FGC hält das Übernahmeangebot dennoch aufrecht.

An der Börse sorgte die Nachricht von der Intervention des Geheimdienstes am Mittwoch für Turbulenzen. Der Kurs der Aixtron-Aktie fiel um mehr als fünf Prozent.

stk/Reuters/dpa



insgesamt 148 Beiträge
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wannbrach 26.10.2016
1.
Gut, mich stört der Ausverkauf der deutschen Industrie schon lange. Es stört mich auch dass die Telekom Router aus China vertreibt, so als wenn es keine deutschen Produkte gäbe.
fatherted98 26.10.2016
2. ähm...
...Warnung oder Drohung? Die USA möchten wohl Technologietransfer nach China mit aller Gewalt unterbinden...in einer globalisierten Welt unmöglich. Solch lächerliche Versuche bringen höchstens Deutschland Schaden.
weinstock111 26.10.2016
3. Münchhausen
Im Irak gab es ja auch jede Menge Massenvernichtungswaffen.
einzigerwolpertinger 26.10.2016
4. Beweise vorgelegt, aber nicht übergeben
Das kommt mir bekannt vor.
raro 26.10.2016
5. jetzt
ist es endlich offiziell, dass die CIA unsere Wirtschaftspolitik bestimmt, und nicht unser Wirtschaftminister.
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