Aktien-Betrug: FBI hebt Insider-Club an der Wall Street aus

Das FBI hat in einem Schlag gegen Insiderhandel an der Wall Street mehrere Hedgefonds-Manager, Analysten und Börsenhändler festgenommen. Wie das "Wall Street Journal" berichtet, soll der "Club der Kriminellen" mit Insiderinformationen illegal Millionengewinne gemacht haben.

Ex-Hedgefonds-Manager Chiasson: Verdacht auf Insiderhandel Zur Großansicht
REUTERS

Ex-Hedgefonds-Manager Chiasson: Verdacht auf Insiderhandel

New York - Die Szene ist filmreif: FBI-Agenten treffen sich im Morgengrauen in einem Starbucks in Manhattan, um das Appartement des Ex-Hedgefonds-Managers Anthony Chiasson auszukundschaften - eine halbe Stunde später stehen sie in kugelsicheren Westen vor seiner Tür. Der Mann ist nicht zu Hause, stellt sich aber kurze Zeit später. Laut "Wall Street Journal" wird er verdächtigt, zu einem Kreis von Insidern zu gehören, die mit dem illegalen Austausch von Informationen mehr als 60 Millionen Dollar Gewinn gemacht haben sollen.

Insgesamt vier Personen hat das FBI am Morgen festgenommen, gegen drei weitere wird noch ermittelt. Die Staatsanwaltschaft spricht von einem Freundeskreis aus Händlern, Analysten und konkurrierenden Firmen, die einen "Club der Kriminellen" gebildet haben. Zu dem Club sollen außer Chiasson auch der Tech-Analyst Jon Horvath, der Ex-Hedgefonds-Manager Todd Newman und Sandeep Goyal gehören.

Dell-Informationen bringen Hedgefonds mehr als 50 Millionen Dollar

Goyal arbeitete zuletzt als Analyst - hatte aber offenbar noch gute Kontakte zu seinem alten Arbeitgeber, dem Computerhersteller Dell. Von dort soll Goyal Insider-Informationen bekommen und an die anderen Beschuldigten weitergegeben haben. Allein der Hedgefonds Level Global Investors, zu dessen Gründern Anthony Chiasson zählt, soll durch Geschäfte mit der Dell-Aktie dann mehr als 53 Millionen Dollar Gewinn gemacht haben.

Das FBI hat alle vier festgenommen und nur gegen Kautionen in Millionenhöhe vorerst freigelassen. Die Anwälte der Beschuldigten weisen alle Vorwürfe zurück. Dell steht nicht unter Verdacht, von dem Insiderhandel gewusst zu haben, und hat während der Ermittlungen laut "WSJ" mit der Staatsanwaltschaft kooperiert.

Mehr als 50 Insider verurteilt

Die Verhaftungswelle zeigt, wie strikt die New Yorker Staatsanwaltschaft versucht, den Insiderhandel an der Wall Street einzudämmen. In den vergangenen zweieinhalb Jahren gingen der Justiz mehr als 50 ehemalige Börsenhändler, hochrangige Manager und Anwälte ins Netz, die untereinander börsenrelevante Informationen austauschten. Die Beteiligten wussten immer den entscheidenden Moment früher als der restliche Markt über Quartalsberichte oder interessante Fusionspläne von Schwergewichten wie IBM, Google oder Intel Bescheid.

In dem größten Hedgefonds-Skandal an der Wall Street seit 30 Jahren hatte ein New Yorker Bezirksgericht im vergangenen Jahr den Hedgefonds-Manager Raj Rajaratnam wegen Insiderhandels zu elf Jahren Haft verurteilt. Zuvor hatte er es mit den Insiderinformationen zum Milliardär gebracht.

nck/Reuters

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte
RSS
alles zum Thema Insiderhandel
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Zur Startseite