Finanzmärkte Die neue Angst vor steigenden Zinsen

An den Finanzmärkten herrscht seit neun Jahren Partystimmung. Vor allem das billige Geld hat die Aktienkurse stetig steigen lassen. Doch nun geht die Sorge vor steigenden Zinsen um - erste Investoren werden nervös.

Händler an der New Yorker Börse
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Händler an der New Yorker Börse

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Wie Angst aussieht, konnte man am Dienstag am New Yorker Aktienmarkt erleben. Gleich zur Börseneröffnung rutschte der Aktienindex Dow Jones dort um 300 Punkte ab - und ließ die Investoren rund um den Globus nervös werden. Der Vix-Index, der diese Nervosität anhand von Kursausschlägen misst, schnellte auf den höchsten Stand seit Ende 2016.

In normalen Zeiten wären ein solcher Sturz noch nicht beunruhigend. Doch die Zeiten sind nicht normal. Seit neun Jahren geht es am Aktienmarkt praktisch nur nach oben. Der Dow Jones hat seit dem März 2009 um rund 260 Prozent zugelegt. Beim Deutschen Aktienindex Dax war es fast ebenso viel. Und bis vor Kurzem sah eigentlich alles danach aus, als könnte die Party an den Märkten noch eine ganze Weile weitergehen. Doch nun macht sich erstmals seit Langem wieder so etwas wie Angst breit.

Der lange Boom am Aktienmarkt wurde bisher vor allem von niedrigen Zinsen getrieben. In der Finanzkrise hatten die Notenbanken ihre Leitzinsen auf null gesenkt - und zusätzlich noch billionenschwere Programme zum Aufkauf von Staatsanleihen gestartet, um auch die langfristigen Zinsen am Markt zu drücken. Mit Erfolg. Die Zinsen blieben niedrig und das billige Geld trieb Wirtschaft und Aktienkurse gleichermaßen an.

Doch so langsam scheint es, als könnte die Zeit der Ultraniedrigzinsen bald zu Ende gehen - vielleicht sogar früher als noch vor Kurzem gedacht. Am Markt für Staatsanleihen ist die Entwicklung schon abzulesen: US-Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit bringen mittlerweile wieder eine Rendite von rund 2,7 Prozent. Zum Vergleich: Mitte 2016 waren es noch weniger als 1,5 Prozent. Und auch deutsche Bundesanleihen werfen mittlerweile zumindest wieder ein bisschen Rendite ab: knapp 0,7 Prozent (siehe Grafik).

Grund für den Aufwärtstrend bei den Marktzinsen ist vor allem die starke Konjunktur - und die damit wieder anziehende Inflation. Sie legt den Schluss nahe, dass auch die Notenbanken bald wieder höhere Zinsen aufrufen könnten.

In den USA läuft die Wirtschaft schon wieder auf Hochtouren. Im vergangenen Jahr stieg das Bruttoinlandsprodukt um 2,3 Prozent, die Arbeitslosigkeit rutschte auf den niedrigsten Stand seit 18 Jahren.

Die geplante Steuerreform von Präsident Donald Trump dürfte die Konjunktur weiter anheizen - schließlich soll sie Bürger und vor allem Unternehmen um insgesamt 1,5 Billionen Dollar entlasten.

Wenn die Wirtschaft so brummt, dürfte das auch die Preise weiter nach oben treiben. Schon jetzt liegt die jährliche Inflationsrate nach US-Rechnung bei mehr als zwei Prozent - und damit über der Marke, die sich die amerikanische Notenbank Fed als Ziel für die Teuerung gesetzt hat.

Der Druck steigt also, das beschäftigt auch die Experten. "Inflation könnte die große negative Überraschung in diesem Jahr werden", warnte Axel Weber, der frühere Bundesbank-Chef und jetzige Verwaltungsratspräsident der Schweizer Bank UBS in der vergangenen Woche beim Weltwirtschaftsforum in Davos.

Viele Investoren rechnen inzwischen damit, dass die Fed die Leitzinsen schneller anheben könnte, als bisher erwartet. An diesem Mittwoch tagt der Offenmarktausschuss der Notenbank. Vermutlich wird er zwar noch keine weitere Zinserhöhung beschließen. Doch mit Spannung erwartet wird an den Finanzmärkten, welchen Ausblick Fed-Chefin Janet Yellen nach ihrer letzten Zinssitzung geben wird. Ab Februar übernimmt dann ihr Nachfolger Jerome Powell.

Bis zu vier Zinsschritte in 2018

Unter Yellen war die Fed bisher ganz behutsam von der einstigen Nullzinspolitik abgerückt. Ein Zinsschritt 2015, einer 2016 und immerhin drei im Jahr 2017. Noch im Dezember waren die meisten Experten davon ausgegangen, dass in diesem Jahr zwei weitere Schritte nach oben folgen könnten. Doch mittlerweile erwarten viele ein schnelleres Tempo. "Die Märkte passen sich gerade daran an, dass es drei oder vier Zinserhöhungen der Fed geben könnte, statt nur zwei", so UBS-Mann Weber.

In Europa ist man zwar noch längst nicht so weit wie in den USA. Aber auch in der Eurozone könnte der Weg zu höheren Zinsen womöglich schneller gehen, als noch vor Kurzem vermutet. Grund ist auch hier die boomende Konjunktur. So ist die Wirtschaft in der Eurozone im vergangenen Jahr um 2,5 Prozent gewachsen - so schnell wie seit der Finanzkrise nicht mehr, und im Übrigen auch schneller als in den USA.

In den Inflationszahlen spiegelt sich das derzeit zwar noch nicht wider. Im Januar lag die Teuerungsrate in der Eurozone bei 1,3 Prozent - deutlich unter dem Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB), die Preisstabilität bei knapp unter zwei Prozent gewährleistet sieht. Doch im Laufe des Jahres könnten die Preise auch in der Eurozone stärker steigen - wenn der Wirtschaftsaufschwung anhält. Dann wäre auch die EZB zu einer baldigen Zinswende gezwungen.

Noch ist die Geldpolitik in Europa ultralax. Während die Fed schon vor Jahren ihr Anleihekaufprogramm beendet hat, soll das der EZB noch mindestens bis Ende September weiterlaufen. Immerhin wurde es seit Januar halbiert - auf 30 Milliarden Euro pro Monat.

Eine Verlängerung über den September hinaus wird zunehmend unwahrscheinlich. Das Programm müsse "so schnell wie möglich" beendet werden, forderte am Wochenende etwa der niederländische Notenbankchef Klaas Knot. "Wir müssen nicht kommunizieren, dass es nach September beendet sein wird, aber ich meine, dass es darauf hinauslaufen wird."

Sobald die Anleihekäufe gestoppt sind, kann die EZB dann auch mit den ersten Zinserhöhungen beginnen. Möglicherweise sogar noch in diesem Jahr.

Verwerfungen an den Märkten?

Für die Finanzmärkte würde ein solches Szenario turbulente Zeiten bringen. "Das größte Risiko für die Weltbörsen ist, dass die Notenbanken die Zinsen schneller anheben, als man bisher erwartet hat", sagt Tillmann Galler, Kapitalmarktstratege von JP Morgan Asset Management. Ein unerwarteter Anstieg der Zinsen würde sowohl an den Aktien- als auch an den Anleihemärkten sofort Verwerfungen auslösen.

Wie heftig diese Verwerfungen sein werden, hängt nicht nur vom Tempo der Zinserhöhen ab, sondern auch davon, wie hoch die Notenbanken überhaupt gehen werden. Waren noch Mitte der Nullerjahre Leitzinsen von vier bis fünf Prozent üblich, zweifeln einige Experten daran, dass sie jemals wieder in solche Höhe kommen könnten.

Höhere Zinsen seien zumindest in Europa einfach nicht mehr machbar, sagt etwa Bert Flossbach, Mitgründer und Vorstand des Vermögenverwalters Flossbach von Storch. "Stellen Sie sich vor, die EZB würde ihren Leitzins auf zwei bis drei Prozent anheben. Das hätte fatale Folgen für viele Staaten, insbesondere die Euro-Südländer. Sie könnten ihre Schulden nicht mehr finanzieren", sagt Flossbach.

Er geht davon aus, dass hochverschuldete Staaten wie Italien dann unter ihrer Schuldenlast zusammenbrechen und die Immobilienmärkte kollabieren würden. "Das wissen die Notenbanker", sagt Flossbach. "Sie werden das Zinsniveau weiter niedrig halten - weil sie es müssen. Andernfalls wäre der Euro in Gefahr."

Dass die Zinsen noch einmal das Niveau aus der Zeit vor der Finanzkrise erreichen, könne man deshalb "abhaken", meint Flossbach. "Das ist vorbei."

Hat er recht? An den Finanzmärkten jedenfalls würden sich viele wohl freuen, wenn es so wäre. Denn dann könnte die Aktienrallye einfach für immer weitergehen.

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vierzig 31.01.2018
1. Panikmache in den Medien
Seit 02.01.18 ist der der DOW von 24.824 auf heute 26.209 Punkte gestiegen. Volatilität ist ein normaler Vorgang an der Börse, sonst stünde der DOW schon bei ca. 50.000 Punkten. Selbstverständlich spielen die Zinsen eine große Rolle, aber hat die USA ein Interesse den Dollar wieder stark werden zu lassen? Eher doch nicht. Denn die Steuerreform von Trump, ein schwacher Dollar und dazu moderate Zinsen werden die US-Wirtschaft noch über Monate, wenn nicht gar Jahre nach oben treiben. Wenn man sich allein anschaut, welche Summen nach der Steuerreform in die USA zurück geholt wurden und wenn diese wieder zum Teil investiert werden im Land, dann kann sich jeder ausrechnen, dass das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht ist. Langfristig mag die Prognose stimmen, aber vor Ende 18 / Anfang 19 sehe ich hier keinen Handlungsbedarf. Und ob die FED in Zukunft wirklich so unabhängig agieren kann? Dazu würde ich mir auf jeden Fall mal auch die Meinung von Steen Jakobsen anschauen .....
teloudis 31.01.2018
2. Mit billigem Geld,
geliehen, zocken unsere Brüder was das Zeug her gibt. Das bedeutet, alles wird auf Pump finanziert, auch das Zocken. Und wir normal Bürger sind für die Verluste zuständig, verantwortlich, und dürfen bezahlen. Mein Gott, was für eine Welt. Das Wort Finanzindustrie ist eigentlich ein Märchen, sie haben nichts, produzieren nichts, sind aber wie Zecken, die sich an uns angedockt haben, und aussaugen. Ich, als einfacher mensch, kann mich dagegen nicht wehren. Aber eins verstehe ich nicht. Wieso wird diesen Sucht abhängigen von der EZB und anderen Staatsbanken mit billigem Geld versorgt? immer wieder? Rauf mit den Zinsen.
fat_bob_ger 31.01.2018
3. Herr Flossbach wird recht behalten.
Die PIGS würden pleite gehen. Trotzdem ist ein Crash möglich, denn die USA geben den Takt vor. Außerdem könnte der Euro wieder weniger wert werden. Momentan soll die Kaufkraft des Euro bei 1,30 USD je Euro liegen. Wenn aber die Inflation stärker ansteigt als in den USA, dann könnte sich der Euro mittel- bis langfristig wieder in Richtung 1,05 aufmachen. Das wird noch eine Weile dauern.
m-w 31.01.2018
4. Boom mit 2 Prozent?
Erstaunlich, wie aus 2 bis 2,5 Prozent Wachstum ein gefährlicher Boom wird, der zu Inflation und Turbulenzen an den Kapitalmärkten führen muss. Früher war dies ein ganz normales Wachstum. Wie die Zeiten sich ändern bzw. man doch Ängste schüren kann.
dirk1962 31.01.2018
5. Ohne jede Substanz
Den derzeitigen Aktienkursen fehlt inzwischen jede Substanz. Steigen die Zinsen auch nur minimal, werden die Anleger aussteigen und wir bekommen den großen Crash. Der Abstand zwischen der Substanz der Unternehmen und ihrem Börsenwert ist gigantisch, teile schlimmer als vor der letzten Finanzkrise, als Garagenfirmen Milliarden wert waren.
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