Milliardenschaden Aktionär verklagt IBM wegen Folgen aus NSA-Spähaffäre

Kommt IBM die Zusammenarbeit mit dem US-Geheimdienst NSA teuer zu stehen? Ein Fonds hat den IT-Konzern jetzt verklagt - weil in China nach Bekanntwerden der Spähaktionen die Geschäfte einbrachen. Das Unternehmen habe die Konsequenzen des Skandals angeblich verschwiegen.

IBM-Logo: "Die Vorwürfe sind lächerlich und unverantwortlich"
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IBM-Logo: "Die Vorwürfe sind lächerlich und unverantwortlich"


New York - Zwölf Milliarden Dollar Marktwert soll der IT-Konzern IBM infolge des NSA-Spähskandals eingebüßt haben. Davon ist zumindest ein Aktionär überzeugt - und hat nun in New York Klage gegen das US-Unternehmen eingereicht. Die Verantwortlichen hätten die Konsequenzen des Skandals im Zusammenhang mit dem Geschäft in China verschwiegen, so der Vorwurf des Louisiana Sheriffs' Pensionsfonds.

Hintergrund ist, dass sich IBM im US-Kongress dafür starkgemacht habe, persönliche Daten unter anderem von chinesischen Kunden an die NSA weitergeben zu dürfen. Als der Spähskandal dann durch Enthüllungen des Whistleblowers Edward Snowden öffentlich wurde, habe die Regierung der Volksrepublik ihre Zusammenarbeit mit dem Konzern abrupt gestoppt.

IBM verzeichnete daraufhin ein enttäuschendes drittes Quartal, der Umsatz in China ging fast um ein Viertel zurück. Insgesamt sackten die Erlöse des US-Konzerns um vier Prozent ab.

Der Pensionsfonds beschuldigt explizit Firmenchefin Virginia Rometty und Finanzvorstand Mark Loughridge, der diesen Monat im Alter von 60 Jahren in Rente geht. Sie seien dafür verantwortlich, dass der Konzern die Risiken seiner Lobbyarbeit und die Verbindung zur NSA nicht früher offengelegt habe.

"Die Vorwürfe sind lächerlich und unverantwortlich", sagte hingegen IBM-Sprecher Doug Shelton. Der Konzern werde sich vor Gericht vehement dagegen wehren. Der Fonds verlangt Schadensersatz und strebt eine Sammelklage an.

vks/Reuters



insgesamt 2 Beiträge
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quark@mailinator.com 14.12.2013
1.
Ich finde hier zwei Dinge interessant ... zum einen, daß ein tatsächlicher wirtschaftlicher Schaden für die beteiligten Unternehmen vielleicht der einzige Weg sein könnte, in dieser Welt diesem miesen Treiben etwas das Wasser abzugraben. Zum anderen die Reaktion Chinas ... Der virtuelle Raum ist ein neuer möglicher Angriffsvektor. Fremde Völker in großem Stil abzuhören ist aus meiner (unbedeutenden) Sicht ab einem bestimmten Niveau ein kriegerischer Akt. China reagiert also recht schnell. Ich bin sicher, sowohl passiv als auch aktiv. Man wird eigene Betriebssysteme, soziale Netzwerke etc. pflegen und andererseits in das Zeugs, welches wir von dort geliefert bekommen eigene Spähsoftware einbauen. Damit, daß die USA dies so umfangreich getan haben, haben sie uns alle zum Ziel gemacht und diese Guerillakriegführung im Web quasi legalisiert. Das wird der westlichen Welt noch hart auf die Füße fallen. Aber was ich mich halt frage ist: Warum kein europäisches Betriebssystem (ja, ich kenne Linux, aber das meine ich nicht), europäisches soziales Netzwerk, europäisches Google, Cisco, ... ??? Man kann sich doch seine Infrastruktur nicht vollständig vom Gegner liefern lassen und dann das beste hoffen. Und die USA sind nur ihr eigener Freund, nicht unserer.
kiman 15.12.2013
2.
Zitat: "Warum kein europäisches Betriebssystem (ja, ich kenne Linux, aber das meine ich nicht), europäisches soziales Netzwerk, europäisches Google, Cisco, ... ??? " Das liegt wohl unter anderem daran, das die USA gute IT-Fachleute deutlich besser bezahlen als die Europäer es jemals tun werden. Wenn man gute IT-Fachkräfte zu Dumpinglöhnen entwertet brauch man sich nicht wundern, das diese abwandern!
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