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AKW-Stilllegung: Energieverband provoziert Zoff mit Atomkonzernen

Der Streit über den Atomausstieg lässt die sonst so geschlossene Front in der Energiewirtschaft bröckeln: Der wichtige Bundesverband BDEW votierte erstmals offen für ein Stilllegen der AKW. Die Atomkonzerne sind sauer - E.on erwägt sogar, dem Verband den Rücken zu kehren.

Energiewende-Demo vor dem Brandenburger Tor: Schwieriger Atomkonsens Zur Großansicht
DPA

Energiewende-Demo vor dem Brandenburger Tor: Schwieriger Atomkonsens

Berlin - In der deutschen Energiewirtschaft ist ein offener Streit über den Atomausstieg ausgebrochen. Grund ist eine überraschende Kehrtwende des Bundesvorstandes der Deutschen Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Er spricht sich jetzt offen für einen "schnellen und vollständigen Ausstieg aus der Kernenergienutzung" aus - gegen den Willen der Atomkonzerne im Verband.

Möglichst schon 2020, spätestens aber 2023 soll nach dem Willen des Verbandes der letzte deutsche Reaktor vom Netz gehen, beschloss der BDEW-Vorstand auf einer außerordentlichen Sitzung. Doch diese Meinung vertreten nicht alle Verbandsmitglieder.

Deutschlands größter Energieversorger E.on ging in einer ersten Reaktion auf Distanz zum BDEW-Beschluss. Das Unternehmen erklärte, es halte die vom Branchenverband beschlossene Festlegung auf konkrete Jahreszahlen für eine Abschaltung der Kernkraftwerke in Deutschland für "grundsätzlich falsch" und trage sie nicht mit. Erst müsse eine neue Energiestrategie für Deutschland erarbeitet werden, bevor neue Ausstiegsdaten terminiert werden könnten. Ein E.on-Sprecher betonte, der Konzern werde seine Mitgliedschaft im BDEW vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklung prüfen.

Auch der AKW-Betreiber RWE lehnte die Verbandsentscheidung ab: "Wir sprechen uns eindeutig gegen eine Festlegung auf konkrete Jahreszahlen für ein Ende der friedlichen Nutzung der Kernenergie in Deutschland aus", erklärte ein Sprecher. In Kreisen des BDEW-Vorstands hieß es, auch Vattenfall habe gegen den Beschluss gestimmt. Der vierte AKW-Betreiber EnBW habe an der Sitzung nicht teilgenommen.

Hildegard Müller, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, sagte inzwischen: "Wir haben das nach intensiver Debatte gemeinsam beschlossen. Natürlich werden einzelne Unternehmen diesen Beschluss für sich gesondert bewerten. Das ist legitim, stellt aber den Branchenkompromiss insgesamt nicht in Frage."

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Der BDEW erklärte, die Entwicklungen nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima stellten eine Zäsur dar. Nahezu alle gesellschaftlichen Gruppen und Parteien hätten in kürzester Zeit eine Neubewertung der Kernenergie-Risiken vorgenommen. Dem könne sich die Energiewirtschaft nicht entziehen.

Gleichzeitig drängte der Verband auf eine Sicherstellung von Versorgungssicherheit, Klimaschutz und Bezahlbarkeit des Stroms. Dazu müsse das erst kürzlich vorgelegte Energiekonzept der Bundesregierung weiterentwickelt werden. Die fossilen Energieträger Kohle und Erdgas seien noch für lange Zeit unverzichtbar für eine zuverlässige und wirtschaftliche Energieversorgung, hieß es. Diese Rolle sei im bisherigen Energiekonzept weitgehend unberücksichtigt geblieben.

mmq/dapd/Reuters

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1.
ohne_sorge 09.04.2011
Also Argument für die Atomkraft fällt immer die Bezahlbarkeit. Jedoch ist die Endlagerung der problematischen Stoffe ja gar nicht eingepreist, weil dies ja dem Steuerzahler aufgedrückt wird. Da u.a. auch Plutonium als Nebenprodukt mit einer Halbwertszeit von 24.000 Jahren entsteht, dürfte die Endlagerung unkalkulierbare Kosten verbergen, vor allem wenn man bedenkt, dass unsere Zeitrechung gerade erst bei 2011 ist. Wenn man überlegt, was allein in diesen 2011 Jahren passiert ist, möchte mir doch bitte keiner erklären können, er würde allein die "Endlagerung" für weitere 2000 Jahre garantieren können. Daher ist aus meiner Sicht auch aus volkswirtschaftlicher Sicht die Kernkraft die absolut teuerste Energiequelle, die es je gegeben hat.
2. Die werden nervös
Emil Peisker 09.04.2011
Zitat von sysopDer Streit über den Atomausstieg lässt die sonst so geschlossene Front in der Energiewirtschaft bröckeln: Der wichtige*Bundesverband BDEW*votierte erstmals offen*für ein Stilllegen der AKW. Die Atomkonzerne sind sauer - E.on erwägt sogar, dem Verband den Rücken zu kehren. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,755974,00.html
Der "Marktführer" in Sachen Atomstrom, gemessen am Anteil an der verkauften Leistung, ist EnBW und Yellow. (47%) Gleich darauf folgt E.ON (ca. 32%) RWE ist schon weniger "infiziert" mit 17%. Mein Stromversorger schickt zur Zeit allen seinen Kunden einen Informationsbrief, in dem er die "Rennliste" von 29 Stromanbietern auflistet, mit dem jeweiligen Anteil von Atomstrom. Er selbst hat schon 2008 seit drei Jahren Atomstrom aus seiner Angebotspalette verbannt. Man sieht, dass diese Entwicklung gut fürs Marketing ist. Und E.ON gerät dabei ins Hintertreffen. p.s. Übrigens, wer Interesse hat, ENTEGA heißt der Anbieter. Gehört der Südhessischen Energie AG.
3. Sehr richtig!
master_cologne 09.04.2011
Zitat von ohne_sorgeAlso Argument für die Atomkraft fällt immer die Bezahlbarkeit. Jedoch ist die Endlagerung der problematischen Stoffe ja gar nicht eingepreist, weil dies ja dem Steuerzahler aufgedrückt wird. Da u.a. auch Plutonium als Nebenprodukt mit einer Halbwertszeit von 24.000 Jahren entsteht, dürfte die Endlagerung unkalkulierbare Kosten verbergen, vor allem wenn man bedenkt, dass unsere Zeitrechung gerade erst bei 2011 ist. Wenn man überlegt, was allein in diesen 2011 Jahren passiert ist, möchte mir doch bitte keiner erklären können, er würde allein die "Endlagerung" für weitere 2000 Jahre garantieren können. Daher ist aus meiner Sicht auch aus volkswirtschaftlicher Sicht die Kernkraft die absolut teuerste Energiequelle, die es je gegeben hat.
Schon in spätestens 200 Jahren werden unsere Nachkommen uns verfluchen, uns und unseren unstillbaren Energiehunger. Dagegen waren Satlin und Hitler Petitessen der Geschichte. Weil unser Handeln die gesammte Zukunft vernichtet.
4. ----------------
Mr Bounz 09.04.2011
Ein Interessenverband vertritt ALLE Mitglieder nicht nur 3 bis 4. Ich Ärgere mich auch schon seit Jahren darüber das die IHK Atomstrom fordert obwohl viele Mitglieder das so nicht unterstützen!! ... vielleicht sehen die es auch noch ein. MrBounz
5. Manager
oranje2win, 09.04.2011
Gerade Manager werfen doch Arbeitslosen gerne zu geringe Flexibilität und Mobilität vor. Von der Atom-Mafia kann man solche Sprüche wohl mal locker als pharisäerhaft bezeichnen. Bei denen ist, wie man deutlich sieht, von Flexibilität auch keine Rede! Die kommen mir langsam wie ein trotziges Kind vor: Ich will, ich will, ich will ... Und das gegen die mehrheitliche Meinung der Gesellschaft. ciao
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Leistung älterer Kernkraftwerke
Leistung älterer deutscher Kernkraftwerke
Kraftwerk Betriebs-
start
Defekte Netto-
leistung
in MW
Brunsbüttel 1977 80 771
Isar 1 1979 44 878
Neckarwestheim 1 1976 47 785
Philippsburg 1 1980 39 890
Biblis A 1974 66 1167
Biblis B 1976 78 1240
Unterweser 1978 49 1345
Gesamt 7076
Quelle: Bundesumweltministerium, Bundesamt für Strahlenschutz, IAEA - Power Reactor Information System, Informationskreis KernEnergie
Umsätze Altreaktoren
Durchschnittliche Jahresstromproduktion und Gesamtumsatz Altreaktoren
Kraftwerk Leistung in MW Produktion in TWh
Biblis A 1167 8,1
Neckarwestheim 1 785 5,4
Biblis B 1240 8,6
Brunsbüttel 771 0,0 (nicht am Netz)
Isar 1 878 6,1
Unterweser 1345 9,3
Philippsburg 1 890 6,1
Gesamt 7076 43,6
Jahresumsatz gesamt in Mio. € 2310
Quelle: Energiekonzerne, Bundesumweltministerium, Bundesamt für Strahlenschutz; Berechnungen: Wolfgang Pfaffenberger. Ausgegangen wird von einer Jahresproduktion von 6900 Volllaststunden und dem Grundlastpreis vom 15.3.11 (53 Millionen Euro pro Terawattstunde).
Reststrommengen der Altmeiler
Reststrommengen der Altmeiler
Kraftwerk Reststrom 1. Januar 2011 Reststrom aktuell*
Biblis A 4305 3332
Biblis B (in Revision) 4961 7490
Neckarwestheim I 188 0
Brunsbüttel (nicht am Netz) 10999 10999
Isar 1 3585 2276
Unterweser 13572 11344
Philippsburg 1 9869 8518
Gesamt 43959
 
Umsatzpotential in Mio. € 2329
Quellen: Bundesamt für Strahlenschutz, VGB. * Eigene Berechnungen (Reststrom 1. Januar 2011 minus [Jahreswert 2010 geteilt durch 12 mal 2,5 Monate]). Die Tabelle gibt die Reststrommengen ohne die im vergangenen Jahr beschlossene Laufzeitverlängerung wieder.
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