Nachfolgestreit bei Darboven "Eine rein familiäre Angelegenheit"

Der Hamburger Kaffeebaron Albert Darboven will ausgerechnet einen Erben der Rösterdynastie Jacobs als Nachfolger. Sein leiblicher Sohn rüstet sich für einen öffentlichen Streit.

imago

Von


"Guter Kaffee ist, wenn jeder etwas davon hat." So beschreibt J.J. Darboven auf der Firmenwebsite seine Philosophie. Doch hinter den Kulissen des familiengeführten Kaffeerösters scheint es eher darum zu gehen, dass bestimmte Mitglieder des Clans möglichst wenig abbekommen. Denn der 82-jährige Familienpatriarch Albert Darboven will seinen Sohn Arthur als Nachfolger an der Spitze der Firma verhindern. Darboven seniors Plan: Er will Andreas Jacobs, Erbe der gleichnamigen Bremer Kaffeedynastie, adoptieren und in der Firma installieren.

"Meine Frau und ich wünschen uns, Herrn Dr. Jacobs auch ganz offiziell in unsere Familie aufzunehmen", teilte Albert Darboven mit. Er wünsche sich, dass Jacobs bei J.J. Darboven "eine wichtige Funktion übernehmen wird".

Über die Möglichkeit, seine Nachfolge per Adoption zu regeln, spricht Albert Darboven schon seit Längerem auch öffentlich. So sagte er dem Magazin "Bunte" bereits 2013: "Mein Wunsch ist, dass die Firma in Familienhand bleibt und von einem Familienmitglied weitergeführt wird. Wenn das mit meinem Sohn nicht funktioniert, adoptiere ich eben." Er habe bereits jemanden im Blick, sagte er damals. "Er ist bereits bestens ausgebildet, ein sehr kluger Kopf, zwischen 30 und 35 Jahre alt."

Auf den heute 54-jährigen Andreas Jacobs passt die Beschreibung von damals zumindest altersmäßig nicht. Doch nun ist sich Darboven bei seiner Wahl offenbar recht sicher. Es sei "kein Geheimnis, dass wir Herrn Dr. Jacobs nicht nur privat verbunden sind, sondern ihn auch als einen herausragenden Unternehmer schätzen, der unser volles Vertrauen genießt", schreibt Darboven auch im Namen seiner Frau. "Wir wünschen uns, dass er unser Lebenswerk in allen Bereichen fortsetzt."

SPIEGEL ONLINE

Der Generationswechsel bei Darboven scheint also konkret zu werden. Das dürfte auch der Grund sein, warum der bereits seit Längerem schwelende Familienstreit öffentlich ausgetragen wird. Dafür haben auch Darbovens Sohn Arthur aus erster Ehe und dessen beiden Cousins gesorgt. Sie halten gemeinsam 42,5 Prozent der Anteile an dem Unternehmen und haben sich am Wochenende in einem offenen Brief gegen die Inthronisierung von Andreas Jacobs ausgesprochen. "Es ist für uns überhaupt nicht nachvollziehbar, dass Albert Darboven, unser Vater beziehungsweise Onkel, die Führung des Familienunternehmens an Dr. Andreas Jacobs übertragen will", heißt es in dem Schreiben. Es könne zu einem "Bruch mit den Werten des Unternehmens und der Familie" kommen.

Das Pikante: Ihren Brief haben die jüngeren Darbovens punktgenau zum Deutschen Derby am Wochenende veröffentlicht. Albert Darboven ist Sponsor und Stammgast bei dem Pferderennen in Hamburg. Der dort versammelte Geldadel hatte dank des öffentlichen Familienstreits sein Tratschthema.

"Wir haben uns bewusst dieses Wochenende ausgesucht, weil wir den Vater wachrütteln wollen, seine Pläne nicht mehr an uns vorbei, sondern gemeinsam mit uns zu gestalten", sagte der 54-jährige Arthur Darboven der "Bild"-Zeitung. "Wir werden uns mit allen juristischen Mitteln gegen die Adoption von Herrn Jacobs wehren."

Doch was steckt hinter dem Familienstreit und wieso soll ausgerechnet ein Spross der Jacobs-Dynastie das Sagen bei Darboven bekommen?

Fotostrecke

7  Bilder
Kaffeedynastie Darboven: Streit über die Nachfolge

Der Bruch zwischen Vater und Sohn

Arthur Ernesto Darboven stammt aus Albert Darbovens erster Ehe. Als Darboven senior mit Anfang 20 in Mittelamerika unterwegs war, um das Kaffeegeschäft zu lernen, traf er Ines de Sola. Darboven heiratete die Tochter eines Kaffeebarons aus El Salvador, sie ging mit ihm nach Hamburg. Doch die Ehe zerbrach. Ines verließ mit dem gemeinsamen Sohn Deutschland.

Dennoch sah es zunächst so aus, als ob Arthur als einziger Sohn das Erbe seines Vaters bei Darboven antreten würde. Er machte zunächst eine Ausbildung bei einem Schweizer Kaffeekonzern, 2001 stieg er in den Familienbetrieb ein. Doch 2009 überwarfen sich Vater und Sohn. In Berichten heißt es, Arthur habe den Vater mit der Idee eines Erotikkaffees (Slogan: "Sex des Bohnengetränks") nachhaltig verärgert. Auch die Verwicklung Darbovens in ein Kaffeekartell wird als Auslöser genannt. Der Sohn selbst sagte der "Welt" kürzlich: "Mein Vater und ich hatten unterschiedliche Auffassungen über die Strategie und das Geschäft." Inzwischen handelt Arthur Darboven selbst mit Rohkaffee.

Was steht auf dem Spiel?

Zuletzt kursierten Berichte, wonach das Geschäft bei Darboven nicht mehr so gut läuft. Albert Darboven teilte nun mit, das Unternehmen sei "entgegen anderslautender Meldungen nach wie vor profitabel und die Geschäftsentwicklung ungebrochen positiv". Demnach erwirtschaftete Darboven 2017 einen Konzern-Jahresüberschuss nach Steuern in Höhe von 15,8 Millionen Euro.

Darboven vertreibt Kaffee, Tee und Kakao und hat weltweit mehr als 900 Mitarbeiter. Das Unternehmen hat für den Einzelhandel aber auch für die Gastronomie rund zwei Dutzend Marken im Angebot, darunter Idee Kaffee, Mövenpick und Eilles.

Darboven ist derzeit der kleinste unter den großen deutschen Kaffeeherstellern, doch das Unternehmen hat eine lange Tradition. Es wurde 1866 von Johann Joachim Darboven gegründet und ist seit vier Generationen in Familienhand. Darauf verweisen auch Arthur Darboven und seine Cousins. "Uns Darbovens liegt der Kaffee im Blut, was wir bei Dr. Jacobs bezweifeln müssen", zitiert das "Hamburger Abendblatt" aus ihrem Brief. Darboven müsse mit Weitsicht geführt werden und dürfe "kein Spielball für Profit suchende Investoren sein".

Damit spielen die jüngeren Darbovens wohl darauf an, dass die Jacobs-Dynastie bereits vor beinahe 30 Jahren ihr Kaffeegeschäft Jacobs Suchard an Kraft Foods verkaufte. Das Jacobs-Kaffeeimperium ist inzwischen im Reich des deutschen Milliardärsclans Reimann (Jacobs Douwe Egberts) aufgegangen. Die Reimanns machen immer wieder mit aufsehenerregenden Übernahmen auf sich aufmerksam - und setzen derzeit voll aufs Kaffeegeschäft.

Fotostrecke

9  Bilder
Familienunternehmen wie Darboven: Wenn der Streit über die Nachfolge eskaliert

Der Jacobs-Clan verwaltet und mehrt über zahlreiche Beteiligungen ein Milliardenvermögen. Im Reichsten-Ranking des manager magazin landete die Familie Jacobs mit einem geschätzten Vermögen von 5,8 Milliarden Euro auf Platz 19. Die Darbovens kamen zusammen mit Dutzenden anderen Clans nur auf Platz 615 (0,25 Milliarden Euro).

Warum ausgerechnet Andreas Jacobs und warum eine Adoption?

Andreas Jacobs ist Vater von vier Kindern und gilt als öffentlichkeitsscheu. Ihn und Albert Darboven verbindet der Pferdesport als Hobby. So ist Jacobs Beiratsvorsitzender der Albert und Edda Darboven Stiftung, die neben sozialen Projekten auch die Rennpferdezucht fördert. "Er war und ist ein guter Freund meiner Eltern und Großeltern, und wir sind seit über zwei Jahrzehnten Weggefährten im Galopprennsport, weshalb ich gern bereitstehe, wenn er mich braucht", sagte Andreas Jacobs der "Bunten" über sein Verhältnis zu Albert Darboven. Schon früher hatte dieser angedeutet, dass er eines Tages Teile des Vermögens in eine Stiftung geben könnte. Bislang darf die Führung der Firma Darboven aber nur innerhalb der Familie weitergegeben werden. Darum spielt in dem Streit auch die geplante Adoption von Jacobs eine solch zentrale Rolle.

Andreas Jacobs
imago/Frank Sorge

Andreas Jacobs

Für Albert Darboven dürfte eine Adoption auch deshalb keine abwegige Idee sein, weil er selbst auf diesem Wege in die Dynastie eingestiegen ist. Er kam als Albert Hopusch in Darmstadt zur Welt und wurde im Alter von 17 Jahren von seinem kinderlosen Onkel Arthur Darboven adoptiert. Albert Darboven wurde in den vergangenen Jahrzehnten zum Gesicht des Kaffeerösters und trat sogar in Werbespots im Fernsehen auf, wo er treuen Kundinnen Kaffeepäckchen nach Hause brachte.

In diesen Spots wurde stets eine Heile-Welt-Kulisse mit einem Tässchen Kaffee zelebriert. Die familiäre Wirklichkeit bei Darbovens scheint bereits seit Längerem weniger friedlich zu sein. Zur 150-Jahrfeier von Darboven im Hamburger Rathaus waren Darbovens Sohn Arthur und die Neffen Arndt (55) und Behrendt (52) gar nicht erst erschienen.

Eine klare Botschaft an den leiblichen Sohn

Nun soll Andreas Jacobs - der fast genauso alt ist wie Darbovens leiblicher Sohn - offenbar die Firmengeschicke übernehmen. Die Entscheidungen über die Zukunft des Familienunternehmens und der Stiftung würden unabhängig von der geplanten Adoption "langfristig und mit der gebotenen Umsicht und Ruhe vorbereitet", teilte Darboven mit. Er selbst nehme "seine vielfältigen Aufgaben und Verantwortungen weiterhin mit hoher Tatkraft und Freude wahr".

Albert Darboven ließ wissen, für ihn und seine Frau sei die Adoption von Andreas Jacobs "eine rein familiäre Angelegenheit, die nur uns drei betrifft". Die eigentliche Botschaft ging hier wohl an seinen leiblichen Sohn Arthur: Du bist raus.



insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Braveheart Jr. 09.07.2018
1. Wie wäre es ...
... wenn die Herren Darboven und Jacobs einfach mal zeigen, wer von ihnen das bessere Händchen für Geschäfte hat? Familie ist schön, aber Geld verdienen geht vor. Das ganz große Ding wäre natürlich, wenn erst die Darbovens einen Jacobs adoptieren, und der dann eine(n) Reimann ... aber da motzen dann wohl zu viele.
ulrich-lr. 09.07.2018
2. Neue (Ad-)Option
Also wenn's da immer noch Probleme mit dem Nachfolger gibt, stelle ich mich gern zur Adoption zur Verfügung. Das wäre doch ein hervorragender Kompromiss. Ich komme von außen, bin nicht betriebsblind. Was Kaffee anbelangt, bin ich außerordentlich vielseitig: Trinke beinahe jede Sorte. Hauptsache, da ist genug Koffein drin. Ich verspreche auch hoch und heilig, keinen Erotikkaffe auf den Markt zu bringen.
vish 10.07.2018
3. Bizarr
Da wird der Neue kurzerhand mit 50+ adoptiert, um sich immer noch Familienunternehmen nennen zu können. Einfach nur bizarr. Erinnert mich irgendwie an das Mittelalter. Keine Ahnung, was da zwischen Vater und Sohn läuft, darüber maße ich mir mangels Informationen kein Urteil an, aber was hier so nach außen dringt, ist wirklich Material für einen schlechten Film.
ThorstenRuh 10.07.2018
4. So ein Nachfolgestreit ist immer eine belastende Situation....
....für alle Beteiligten. Jeder glaubt für sich den Königsweg für sich gefunden zu haben. Dabei werden manchmal Dinge von Menschen getan, die angeblich nur das Beste wollten aber wie das so ist im Leben, sind es gerade diese Unternehmungen, die noch alles viel schlimmer machen. Wir hatten auch so einen Fall in unserem Familienunternehmen, nicht so groß wie die von Darboven, eher kleiner Handwerkerbetrieb. Es ging sogar soweit, das wir die www.detektei-schuett.de einsetzen mussten, um festzustellen, dass der eigene Schwiegersohn versuchte uns zu hintertreiben. Wann immer solche Familienzwistigkeiten aufflammen, leidet die Firma, die Angstellten und die Familie. Da bei sollte man nur miteinander mehr Reden.
gumbofroehn 11.07.2018
5. Solche Zwistigkeiten ...
... gehören zu den Gründen, warum Familienunternehmen bei der Ertragskraft hinter börsennotierten Unternehmen in aller Regel zurückbleiben. Erbfolgestreitigkeiten wie diese belasten Unternehmen oft über viele Jahre und im Ergebnis tritt dann doch nur jemand die Nachfolge an, der unter normalen Umständen niemals in die Leitung eines vergleichbaren Unternehmens gelangt wäre. Eben weil er ein Familienmitglied ist. Dass das kein besonders leistungsfähiges Auswahlverfahren sein kann, liegt auf der Hand.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.