Machtkampf bei Aldi Nord "Mein Bruder würde sich im Grabe umdrehen"

Der Familienstreit der Albrechts eskaliert: Aldi-Erbe Theo Albrecht junior hat erstmals ein Interview gegeben. Darin erhebt er schwere Vorwürfe gegen seine Schwägerin Babette.

Theo Albrecht junior, Babette Albrecht
manager magazin; dpa

Theo Albrecht junior, Babette Albrecht


Erst meldete sich der Sohn des Firmengründers Theo Albrecht, Theo Albrecht junior, im "Stern" per Erklärung zu Wort, jetzt gibt der öffentlichkeitsscheue Milliardär dem "Handelsblatt" sein erstes Interview. Darin spricht der Aldi-Erbe über den Familienstreit mit seiner Schwägerin Babette, seinen verstorbenen Bruder Berthold und Gefahren für die Firma. Nicht in den Streit involviert ist die Familie von Karl Albrecht und Aldi Süd.

Zuvor hatte der SPIEGEL ausführlich über die Familienfehde berichtet. Hintergrund des Streits ist die Kontrolle in der Jakobus-Stiftung. Sie ist eine der drei Stiftungen, die gemeinsam Kapital, Stimmen und Anteile des Discounters halten. Vor dem Verwaltungsgericht Schleswig erstritten die Erben des 2012 unerwartet verstorbenen Berthold Albrecht zunächst in erster Instanz die Chance auf mehr Einfluss in der Institution - und damit auch in dem Essener Unternehmen.

Das Gericht kippte aus formalen Gründen eine Satzungsänderung aus dem Dezember 2010, die der Kreis Rendsburg-Eckernförde als Aufsichtsbehörde angenommen hatte. Die Änderung hätte der Seite des verbliebenen Gründersohns Theo Albrecht junior mehr Mitsprache bei der Besetzung des Stiftungsvorstands eingeräumt - und somit auch bei den Ausgaben der Stiftung.

Er streite nicht mit seiner Schwägerin, sagt Albrecht junior nun in dem Gespräch mit dem "Handelsblatt", sondern verteidige vielmehr das Testament seines Bruders und die Satzung der Stiftung. "Der Sinn der Stiftung ist es, das Unternehmen vor einem zu großen Einfluss der Familie zu schützen. Dafür kämpfe ich", sagte Albrecht junior.

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Er habe gemeinsam mit seinem Bruder vor dessen Tod die Satzungen auf den neuesten Stand gebracht. Zu dem Urteil des Verwaltungsgerichts sagte Albrecht junior: "Mein Bruder würde sich im Grabe umdrehen, wenn er wüsste, was hier abläuft."

Auf das Verhältnis zu seinem Bruder angesprochen, sagte Albrecht: "Wir haben unsere Büros Tür an Tür gehabt und uns immer bestens verstanden." Behauptungen, dass sie Streit gehabt hätten, wies er als unwahr zurück. "Die falsche Behauptung meiner Schwägerin, es habe Streit zwischen mir und meinem Bruder gegeben, soll nur davon ablenken, dass sie in Wahrheit gegen ihren eigenen Ehemann zu Felde zieht." Die Erben wollten nicht anerkennen, was Berthold in seinem Testament geregelt habe.

An der Lebensführung der Schwägerin gestört

Privat hatte Theo Albrecht nicht mehr viel Kontakt zu seinem Bruder gehabt. Ihn habe die Lebensführung seiner Schwägerin gestört. Das habe auch auf den privaten Kontakt mit seinem Bruder Einfluss gehabt. Er warf Babette Albrecht in dem Interview erneut peinliche Auftritte vor.

Die Auszahlungen aus der Stiftung in Höhe von 25 Millionen Euro netto jährlich, die sich die Familie seiner Schwägerin genehmigen ließ, bezeichnete er als gefährlich. Sie könnten den Ruf des Unternehmens gefährden. "Die zahlreichen von ihr geführten Prozesse sind eine Belastung für unser Unternehmen."

Eine Gefahr bestehe auch darin, dass bei Geltung der alten Satzung "die Kinder von Berthold zusammen mit ihrem Anwalt das Unternehmen am Nasenring durch die Manege führen" könnten. Sie hätten damit ein "unbegrenztes Erpressungspotenzial".

Die insgesamt drei Stiftungen hätten die Funktion, dem Unternehmen Liquidität bereitzustellen. So sei das Unternehmen für die Expansion ins Ausland, Modernisierungen und Investitionen in die Zukunft auf das Kapital angewiesen. Alle drei Stiftungen müssten jeglichen Auszahlungen zustimmen. Keine Stiftung könne allein handeln.

Angesprochen auf die Frage, ob der Streit mit seiner Schwägerin friedlich beigelegt werden könne und nicht vor Gericht, antwortete Albrecht junior: "Sie übersehen, dass meine Schwägerin mit den Kindern die Angreiferin ist." Sollte er vor dem Oberverwaltungsgericht unterliegen, wäre dies eine Entscheidung gegen den letzten Willen seines Bruders, sagte er weiter. "Ich kann mir das nicht vorstellen."

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brt

insgesamt 36 Beiträge
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Seite 1
Boesor 01.06.2016
1.
Erstmal finde ich es ganz schön beeindruckend das es Albrecht junior geschafft hat bis heute kein aktuelles Foto an die Öffentlichkeit dringen zu lassen. Was den Rechtsstreit angeht hoffe ich, dass am Ende im Sinne des Erblassers entschieden wird.
ijf 01.06.2016
2. interessant wäre...
Wie viel Mio/Jahr hat die Berti-Sippe zu seinen Lebzeiten bezogen? Mehr oder weniger als 25 Mio? So, wie es jetzt im Artikel steht, führt es nur zu Neid-Reflexen und Kopfschütteln...
melnibone 01.06.2016
3. Die mir bekannten ...
Reinigungsfachfrauen und Friseurinnen erheben auch schwere Vorwürfe ... gegen die gesetzlich geförderte Armut in diesem Lande. Acht Euro und fünfzig Cent sind einfach eindeutig zuviel an STUNDEN-Lohn, den ein Mensch verdienen sollte. Weihnachtsgeld und Urlaubsgeld sind keine Lohn- und Betriebszugehörigkeits-Zusatzentgelte. Die Familie Albrecht ist kein: Medienspektakel. Der Aufschrei der Medien müsste jeden Tag ... zur sozialen ´Bestandsaufnahme´ erfolgen! Aber der Humus entsteht aus ...
gaxe04 01.06.2016
4. Das es bis heute keine
aktuellen Fotos der Herren Albrecht gibt mag daran liegen das sie 2 mal die Woche eine Anzeige in der BILD schalten. Für Millionen. Beim Lidl-Stasi-Skandal hat die BLÖD ja auch die Schnauze gehalten. Den Herrn Schwarz kenne ich auch nich aus dem Boulevard
schocolongne 01.06.2016
5. den Reinigungsfachfrauen und Friseurinnen
ist nicht verboten, etwa einen kleinen Kiosk, zu einer erfolgreichen Discount-Kette auf zu bauen, selbst ist die Frau! Oder sie machen es wie Babettchen... ;-)
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