Discounter Geheimprotokoll sieht engere Verzahnung von Aldi Süd und Aldi Nord vor

Aldi Süd und Aldi Nord wollen nach Informationen des manager magazins deutlich enger zusammenrücken. Ein Geheimprotokoll schließt sogar die Verschmelzung der Discounter zu einem Konzern nicht aus.

Tüten von Aldi Nord und Aldi Süd
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Tüten von Aldi Nord und Aldi Süd

Von manager-magazin-Autorin Ursula Schwarzer


Aldi Süd und Aldi Nord prüfen eine Zusammenlegung des Einkaufs und mehrerer anderer Bereiche. Im ersten Schritt sollen bestimmte Waren gemeinsam beschafft werden, in Phase zwei könnte dann eine gesellschaftsrechtliche Verflechtung der Einkaufsabteilungen erfolgen. Das geht aus einem siebenseitigen Protokoll einer Sitzung von 16 hochrangigen Aldi-Managern am 23. November 2017 in der Mülheimer Süd-Zentrale hervor, aus dem das manager magazin zitiert.

In dem Protokoll ist festgehalten, dass zunächst alle "Sortimente und Abläufe" harmonisiert und synchronisiert werden. Sämtliche Leistungen im Einkauf und in den "Dienstleistungsabteilungen Qualitätswesen, Corporate Responsibility, Werbung, Logistik usw." sollen nur noch einmal erbracht werden.

Das Projekt "Kooperation Aldi Nord - Aldi Süd" hat das Ziel, den Abstimmungsaufwand sowie strukturelle und personelle Dopplungen zu reduzieren und damit die Effizienz zu steigern.

Selbst eine gesellschaftsrechtliche Verschmelzung der beiden Unternehmen zu einem Konzern wird nicht ausgeschlossen. So heißt es in dem Protokoll: "Perspektivisch sollte dann auch über weitere organisatorische Schritte der Kooperation nachgedacht werden."

Nach der Veröffentlichung der Informationen teilten Aldi Süd und Aldi Nord in einer gemeinsamen Erklärung mit: "Eine Fusion ist weder aus der Kooperation folgend noch aus sonstigen Überlegungen geplant oder beabsichtigt."

Mit der kartellrechtlichen Prüfung auf den internationalen Beschaffungsmärkten sind die Kanzleien Gleiss Lutz sowie Schmidt, von der Osten, Huber beauftragt. Experten gehen davon aus, dass zumindest das deutsche Kartellamt keine Einwände erhebt, denn die Behörde betrachtet Aldi als einen sogenannten Gleichordnungskonzern, weil beide Gruppen derselben Sippe gehören.

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Aldi-Geschichte: Billig, will ich


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ptb29 15.02.2018
1. Und was ist daran so meldungswert?
Dass ein Journalist an ein angebliches Geheimpapier gekommen ist und das jetzt auswalzt? Ich sehe keinen Grund, hier irgendetwas aufzubauschen. Ganz normale Geschäftsvorgänge.
Spr. 15.02.2018
2. Mehr wie Aldi-Süd oder rmehr wie Aldi-Nord?
Aldi-Süd hat bereits stark nachgelassen. Die über Jahre andauernde Preissenkungs-Orgie hat natürlich deutlich spürbare Auswirkungen auf die Qualität vieler Artikel hinterlassen. Auch die neu gestalteten Läden sind zwar schöner, dafür wurde das Sortiment aber spürbar abgespeckt. Der Drogerie-Bereich ist deutlich kleiner geworden, die Drogen-Abteilung dafür gewachsen. Die Aktionsartikel sind ebenfalls kaum noch interessant, oft von sichtbar schlechter Qualität und bestehen fast nur noch aus Sport-Mode. Dafür gibt es erzieherische Inspirationshefte für den vermeintlichen Kunden aus der Unterschicht. Immer mehr Artikel kaufen wir inzwischen lieber bei der Supermarkt- oder Drogeriemarkt-Konkurrenz ein. War das Verhältnis Aldi zu anderen Geschäften mal 50:50, so ist es heute eher 25:75 mit abnehmender Tendenz. Die Artikel sind dort zwar oft teurer, weil wir dort niemals die hauseigenen Discount-Produkte kaufen würden, aber dafür von deutlich besserer Qualität. Aldi hat früher qualitätsmäßig auch mit den gehobenen Eigenmarken wie z.B. "Rewe" konkurriert, also eine spürbar bessere Qualität geboten wie der als Lebensmittel verkaufte Chemie-Abfall der hauseigenen Billigmarken. Heute kann man das von vielen Aldi-Süd-Produkten leider nicht mehr behaupten. Aldi-Nord war dagegen immer schon ein Discounter wie jeder andere mit der entsprechend schlechten Qualität. Sollten die beiden Unternehmen sich auf diesem Level treffen, wird mich auch kein noch so schön gestalteter Laden mehr dazu bringen, dort noch einzukaufen.
catcargerry 15.02.2018
3. Lasst sie doch
Sie operieren bisher in unterschiedlichen Regionen. Wenn die sich zusammenschließen ist das für den Verbraucher eher günstig, jedenfalls nicht so schlimm wie die Fusion benachbarter Sparkassen oder Volksbanken.
hzj 15.02.2018
4. Ich fände das gut!
Bis zum Sommer 2017 habe ich in Mülheim gearbeitet und in Essen gewohnt, bin also täglich über den Aldi Äquator gefahren. Die Angestellten in MH sind besser gelaunt und bemühten sich spürbar stärker, das kann aber mit damit zusammenhängen, dass die Aldi Zentrale und das Schulungszentrum so nahe zu den MH Aldi Märkten in MH liegt. Das Kassenmanagement ist erheblich besser, was zu spürbar kürzen Wartezeiten für die Kunden führte. Die Süd-Filialen sind aufgeräumter. Ich vermute, der Personalschlüssel der Filialen ist bei Aldi Süd besser. Das Bio-Sortiment ist umfangreicher und bei Sonderangeboten war mal Nord und mal Süd früher. Aber zusammen eingekauft haben die mit Sicherheit schon immer, gerade bei Aktionsware. Die Filialen von Süd im Ruhrgebiet wirken gepflegter, die von Nord waren lange eher schäbig und erst seit kurzem gibt es Renovierungen. Lidl, Netto, Penny usw können im Ruhrgebiet aber noch schäbiger, als die schäbigste Aldi Filiale.
wauz 15.02.2018
5. One size doesn't fit all
Aldi Süd setzt ganz stark auf Kunden, die mit dem Auto kommen. Den meisten dieser Kunden ist nicht klar, dass das den Einkauf verteuert. Was Aldi spart, legt der Kunde wieder drauf. Wenn mit einer Zusammenlegung auch verbunden wäre, dass Aldi im Süden mehr Nahversorger wird, wäre das zu begrüßen. Und Aldi sollte sich das auch gut überlegen: die Auto-Ökonomie geht ihrem absehbaren Ende entgegen.
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