Marc Heußinger Chef von Aldi Nord gibt auf

Der Zwist unter den Anteilseignern von Aldi Nord hat ihn zu sehr belastet: Firmenchef Marc Heußinger verlässt das Unternehmen vorzeitig. Sein Nachfolger wird es kaum leichter haben.

Aldi-Filiale (in Herten)
Unternehmensgruppe ALDI Nord

Aldi-Filiale (in Herten)

Von manager-magazin-Redakteurin Ursula Schwarzer


Erst vor knapp einem Jahr wurde der Vertrag von Aldi-Nord-Chef Marc Heußinger (52) um fünf Jahre verlängert, er sollte bis Ende 2021 laufen. Jetzt die überraschende Wende: Der studierte Betriebswirt gibt seinen Chefposten in der Essener Zentrale auf. Aldi Nord bestätigte entsprechende Informationen vom manager magazin. Heußinger habe "darum gebeten, ihn von seiner Funktion und seinen Aufgaben zu entbinden", sagte ein Sprecher des Discounters.

Insider gehen davon aus, dass Torsten Hufnagel (45), bislang Heußingers Stellvertreter im Verwaltungsrat, zum neuen Gesamtverantwortlichen der Discountkette ernannt wird. Die Personalie ist allerdings noch nicht beschlossen. Solche Entscheidungen müssen von allen Gesellschaftern mitgetragen werden, was offenkundig noch nicht der Fall ist. Hufnagel übernimmt bis auf weiteres die Gesamtverantwortung im Verwaltungsrat, teilte Aldi mit.

Heußinger trat 1998, gleich nach seiner Promotion, bei Aldi Nord an. Bereits 13 Jahre später - eine für Aldi ungewöhnlich zügige Karriere - wurde er zum Unternehmenschef ernannt. Aldi Nord beschäftigt rund 60.000 Mitarbeiter.

Streit um Stiftung

Der Lebensmittelkonzern gehört dem Gründerenkel Theo Albrecht (67), dessen Mutter Cilly (91) sowie den Nachkommen von Theos 2012 verstorbenem Bruder Berthold Albrecht. Die milliardenschweren Anteile der Familie liegen in drei Stiftungen. Um eine davon - Jakobus - gab es jahrelang heftigen Streit, weil Bertholds Verwandtschaft den Stiftungsrat ausschließlich mit Kindern von Berthold und einem Vertrauten besetzen wollte, obwohl Berthold eine Majorisierung der Stiftung durch seine Familie ausgeschlossen hatte.

Die gerichtlichen Auseinandersetzungen um Jakobus sind seit vergangenem Jahr in Bertholds Sinn beendet. Im Stiftungsrat werden nun zwei Berthold-Töchter zwei Konzernvertretern gegenübersitzen.

Der Zwist belastete Heußinger. Dessen Vertragsverlängerung lag lange Zeit unerledigt bei den Berthold-Erben, bis sie schließlich doch zustimmten.

Auch für das von Theo Albrecht initiierte "Aniko"-Programm, mit 5,2 Milliarden Euro das größte Investitionsprogramm in der Aldi-Nord-Geschichte, fehlte zunächst das Plazet der Jakobus-Stiftung. Schließlich willigten die Kinder von Berthold ein.

Komplette Erneuerung

Im Zuge von "Aniko" sollen die 2300 Filialen im Inland und die rund 2400 Märkte im europäischen Ausland von Grund auf erneuert werden, einschließlich eines attraktiveren Warenangebots. Weggefährten von Heußinger berichten, dass ihn der Familienhader und das ständige Anzweifeln seiner Entscheidungen durch die Jakobus-Stiftung nahezu lähmten. Ihm habe dadurch die Möglichkeit gefehlt, seine Entscheidungen zielgerichtet durchzusetzen.

2016 legte Aldi Nord in Deutschland um 3,6 Prozent auf 12,7 Milliarden Euro (brutto) zu, 2017 betrug das Plus vier Prozent. Zuletzt aber schrumpften die Zuwachsraten.

Architekt von "Aniko" ist Torsten Hufnagel. Er hatte sich bei dem Handelsunternehmen nach oben gearbeitet und zog 2015 in den Verwaltungsrat ein. Im vergangenen Herbst übernahm er die neugeschaffene Position des stellvertretenden Gesamtverantwortlichen. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass er nun selbst Chef wird. Er wird jedoch den Widerstand der Jakobus-Stiftung auflösen müssen, die Heußinger im Wege stand, um den Modernisierungsprozess schneller und wirksamer voranzutreiben.

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