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Börsengang von Alibaba: Insider dürfen sich auf Rekordprofit freuen

Von , New York

Es könnte die größte Tech-Premiere der Wall Street werden: Mit seinem US-Börsengang will der chinesische Online-Händler Alibaba alle Rekorde brechen. Davon profitiert jedoch nur eine handverlesene Clique aus Insider-Investoren.

Fotostrecke: Chinas Web-Riese Alibaba Fotos
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Carl Huttenlocher hat eine gute Spürnase. Als Asien-Chef der Hedgefondsgruppe Highbridge verwaltete er rund zwei Milliarden Dollar. Trotzdem kündigte er 2011 abrupt, um seinen eigenen Fonds zu gründen. Highbridge dümpelt seither dahin - während Huttenbachers Start-up Myriad zuletzt auf 2,3 Milliarden Dollar anschwoll.

Jetzt steht Huttenlocher vor einem der größten Deals seiner Karriere: Er gehört zu den rund 70 privilegierten Insidern, die vom Rekordbörsengang des chinesischen Online-Händlers Alibaba profitieren. Über Vorzugsaktien hat Myriad bereits 100 Millionen Dollar bei Alibaba geparkt - eine Investition, die sich nun verdreifachen könnte.

Alibabas Börsenpremiere an diesem Freitag ist das Gesprächsthema an der Wall Street. Sie könnte alle Tech-Listings in den Schatten stellen, ob Facebook oder Google. So hoch ist die Nachfrage, dass Alibaba den Ausgabepreis am Donnerstag am oberen Ende der ursprünglich kalkulierten Preisspanne auf 68 Dollar festsetzte. Damit hätte Alibaba einen Marktwert von 168 Milliarden Dollar - mehr als US-Konkurrent Amazon (150 Milliarden Dollar).

Die Mega-Party steigt im historischen Herzen der Wall Street, an der New York Stock Exchange (NYSE). Alibaba-Chef Jack Ma wird NYSE-Präsident Tom Farley am Vormittag zunächst ein Geschenk überreichen - eine 1,20 Meter große "Tao-Puppe", eine Skulptur in Form des Alibaba-Maskottchen. Dann darf Ma die Eröffnungsglocke der NYSE läuten.

Die NYSE hat extra noch mal alle Computer getestet, damit es nicht zu peinlichen Pannen kommt, wie sie Facebook 2012 an der Tech-Börse Nasdaq erlebt hatte. "Wir haben viel Erfahrung auf dem Floor", versichert NYSE-Vizepräsident David Ethridge. Man wolle dem Alibaba-Team "die Premiere geben, die sie wollen".

Alibaba-Zentrale im chinesischen Hangzhou: Profit für eine kleine Clique Zur Großansicht
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Alibaba-Zentrale im chinesischen Hangzhou: Profit für eine kleine Clique

Groß, größer, China: Im globalen Finanzzentrum New York setzt Alibaba ein deutliches Zeichen. Das bevölkerungsreichste Land der Welt will auch an der Wall Street mitspielen. Es macht diesen Anspruch, auf typische Art, mit Superlativen geltend: Der Gewinn aus dem Initial Public Offering (IPO) könnte bis zu 22 Milliarden Dollar betragen - sechs Milliarden Dollar mehr als Facebook beim bisher größten Tech-Listing.

Wie so oft aber verstecken sich hinter dem Hype etwas andere Realitäten. Alibabas Börsengang mag zahlenmäßig beeindrucken - doch die Aktie wird die Märkte hier kaum beeinflussen: Als Ausländer bleibt Alibaba von den US-Indizes ausgeschlossen.

Auch kommt der größte Teil des Geldregens nur einer kleinen Clique zugute: 61 Prozent der Aktien sind im Besitz handverlesener Insider - Alibabas eigene Top-Manager, Staats- und Hedgefonds, gut vernetzte Investoren wie Carl Huttenlocher. Alibaba-Boss Ma will 12,7 Millionen Aktien loswerden. Potenzieller Gewinn: fast eine Milliarde Dollar.

Ein weiterer Profiteur: Silicon-Valley-Riese Yahoo. Yahoo hält 22,4 Prozent an Alibaba und will nun 121,7 Millionen Aktien abstoßen. Das wären sechs Milliarden Dollar - Bargeld, das Yahoo-Chefin Mariassa Mayer dringend braucht.

Privater Milliardengewinn: Alibaba-Chef Jack Ma (l.) bei der Roadshow in New York Zur Großansicht
REUTERS

Privater Milliardengewinn: Alibaba-Chef Jack Ma (l.) bei der Roadshow in New York

Andere haben so gut wie keine Chance, an die ersten Alibaba-Aktien zu kommen. Nur wenige Einzelpersonen können teilhaben, so sie Connections haben - oder überhaupt wollen. "Der US-Privatanleger ist nicht so interessiert", sagte der IPO-Experte Reena Aggarwal im TV-Sender CBS. "Sie kennen das Geschäft von Alibaba nicht."

Trotzdem war die weltweite PR-Roadshow, mit der Alibaba seinen Börsengang in den letzten zwei Wochen propagiert hat, eines der begehrtesten Finanzevents der Saison. Schon zum Auftakt, im New Yorker Nobelhotel Waldorf Astoria, standen Hunderte Wall-Street-Banker Schlange, um Alibaba-Kultchef Jack Ma persönlich zu erleben.

Brenzligeren Fragen wich Ma jedoch aus. Etwa nach dem Einfluss der chinesischen Regierung, dem Wachstumspotenzial, dem Konkurrenzfeld.

Zweifel herrschen vor allem an Alibabas Führungsstruktur, die die Macht in der Hand von 27 "Partnern" bündelt. "Insider haben die Kontrolle", warnte Harvard-Professor Lucian Bebchuk in der "New York Times". "Investoren müssen fürchten, dass ein Großteil des Wertes, den Alibaba schafft, nicht mit ihnen geteilt wird."

Eine Furcht, die Insider wie Hedgefondshai Huttenlocher nicht haben müssen. Der jubelte Alibabas möglichen Marktwert neulich auf bis zu 200 Milliarden Dollar hoch - ein Preis, bei dem auch er kräftig absahnen würde.

Mit Material von Bloomberg

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insgesamt 20 Beiträge
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1. Rekordprofit? Das ist nicht gesagt.
Grafsteiner 19.09.2014
Die IT-Hype ist längst vorbei. Facebook kam für so um 40 Dollar raus und sackte bis auf 16 Dollar ab. Heute steht die bei 45 und rührt sich nicht.
2. riecht nach ...
Hilfskraft 19.09.2014
... besser die Finger davon lassen ...
3.
Mehrleser 19.09.2014
Ein weiterer Beweis für den Megatrend Kapitalakkumulation. Oder wie meine Mutter sagte: "Der Teufel scheisst immer auf den größten Haufen." Kein Wunder, dass diese Profiteure versuchen, den restdemokratische Regelungen per TTIP auszuhebeln. Siehe auch Ubers Mißachtung der deutschen Gerichte.
4. Wie rechnet sich das?
,,o..o,, 19.09.2014
-Alibaba-Boss Ma will 12,7 Millionen Aktien loswerden. Potenzieller Gewinn: fast eine Milliarde Dollar. Yahoo ... will nun 121,7 Millionen Aktien abstoßen. Das wären sechs Milliarden Dollar - Sind die Yahoo Aktien weniger wert?
5. Pfui-Worte
schmusel 19.09.2014
Die Worte Insider und Aktienhandel rufen bei mir Brechreiz hervor. Es scheint als ob Alibaba all das verkörpert was den rücksichtslosen Kapitalismus an den Börsen ausmacht: Den Massen wird das Geld aus der tasche gezogen und auf ein paar Dutzend "Insider" verteilt. Übrig bleiben die Brotkrumen.
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