Versicherungskonzern Bei der Allianz mussten Führungskräfte Krieg spielen

Allianz-Chef Bäte eckt mit seinem ruppigen Führungsstil und umstrittenen Entscheidungen an. Zuletzt verschreckte er seine Top-Führungskräfte nach SPIEGEL-Informationen mit einer Militärübung.

Oliver Bäte, Vorstandsvorsitzender der Allianz (Archiv)
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Oliver Bäte, Vorstandsvorsitzender der Allianz (Archiv)

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Beim Allianz-Konzern in München gibt es neuen Ärger um Vorstandschef Oliver Bäte. Grund ist eine Führungskräftetagung des Versicherers, bei der Bäte eine Truppe ehemaliger US-Militärs aufmarschieren ließ, die mit den Managern schnelle und transparente Entscheidungsabläufe nach Vorbild des US-Militärs einüben sollten. Das konkrete Szenario der Manager-Coaches: Ein Kampfjetpilot war über dem Gebiet der verbündeten Allianz-Konkurrenten Generali und Zurich abgestürzt und sollte gerettet werden.

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Auf großen Videoleinwänden wurden Kampfjets, Militärhubschrauber und auch Bombenabwürfe gezeigt. Der Einsatz selber wurde in kleinen Gruppen geplant, unterbrochen von Notfallübungen, bei denen die Führungskräfte sogar unter die Tische kriechen mussten. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Ehemalige US-Soldaten beim Führungskräftetraining der Allianz

Ehemalige US-Soldaten beim Führungskräftetraining der Allianz

Die ungewöhnliche Übung kam für die rund 200 nach München angereisten Top-Manager völlig überraschend. Einige von ihnen kritisierten Bätes Inszenierung später heftig. Auf Nachfrage bestätigte die Allianz, dass das gewählte Szenario "einzelnen Teilnehmern geschmacklich und kulturell nicht so gut gefiel", und dass man die Übung so "nicht noch einmal durchführen" werde.

Bätes ruppiger Führungsstil und seine radikalen Umgestaltungspläne sorgen schon seit Wochen für Unruhe im Konzern. Manager und auch Aufsichtsräte üben teils offene Kritik, auch inhaltlich. So soll Bäte etwa eine mögliche Übernahme eines großen Konkurrenten vermasselt haben, obwohl er mehrfach signalisiert hatte, die Allianz wolle auch durch Zukäufe wachsen. Folgen hatte das für den ehemaligen Unternehmensberater bislang jedoch nicht.

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insgesamt 66 Beiträge
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Seite 1
auweia 01.04.2017
1. Kulturwandel
Die Übung habe "geschmacklich und kulturell" nicht so gefallen. Das ist leider symptomatisch für die gesamte Gesellschaft. Jedes Problemchen soll durch eifriges Diskutieren im Stuhlkreis gelöst werden.... Auch vom Militär knapp man etwas lernen. Hier ging es wohl um schnelle Entscheidungen unter Stress. Nun mag man über die Relevanz eines CSAR-Szenarios für eine Versicherung streiten, das gilt dann aber auch für eine Vielzahl anderer sogenannter Team-Events anderer Anbieter.
ruotlant 01.04.2017
2. Typisch Spiegel
... die latente Skepsis gegenüber allem, was militärisch sein könnte. Dabei lernt man dort, in Führungsposition kurzfristig Entscheidungen zu treffen, ohne umständlich "Gutachten" einzuholen und sich nach allen Seiten abzusichern, und dies vor dem Hintergrund von Recht und Werten. Dies täte nicht nur üblicherweise schwerfälligen Konzernen (und Verlagen?) sondern auch Behörden gut. Nur: Warum holt man sich US-Militärs? Die Bundeswehr ist ebenfalls einsatzerfahren genug, um wertvolle Hinweise geben zu können oder ein solches Seminar durchführen zu können.
tkedm 01.04.2017
3.
Ich habe Bäte vor einigen Monaten mal auf YouTube in einem langen Interview mit Tilo Jung ("Jung & Naiv") gesehen und dachte: "Man, was für ein sympathischer, ehrlicher und uneitler Manager. Und das in einem der größten Unternehmen des Landes." Er legte ausdrücklich Wert darauf, dass die Allianz die nette Versicherung von nebenan sein soll, moralisch einwandfrei und frei von Skandalen. Tja, entweder Herr Bäte hat eine gespaltene Persönlichkeit oder er ist ein guter Schauspieler. Auf jedenfall absolut enttäuschend.
brain on 01.04.2017
4.
Da gibt's schon ziemlich wirres Zeug in solchen Firmen. Bei BSH Hausgeräte gab es mal einen internen Imagefilm, in welchem die Mitarbeiter aufgefordert wurden "... be more aggressive ..." Dabei hätte "be more kuschelweich" viel besser gepasst. Machen schließlich Waschmaschinen ;-)
eckawol 01.04.2017
5. Mackies und sonstige Berater
sind oftmals ungeeignet .Unternehmen zu führen, weil die Berater-Aufgaben sich oft auf Unternehmen in Krisen konzentrieren. Allianz in der Krise? Es kann sein, dass das Unternehmen durch großen Erfolg "Fett angesetzt" hat.Aber dann bedarf es einer "Schlankheitskur"ohne kriegrische Mittel , denn solche beinhalten Agressionen, die über Jahre durch Emotionen in Großunternehmen perpetuiert werden können ( siehe Großbanken in den Zuständigkeitskriegen zw. Frankfurt / London und New York)
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