Allianz-Datenpanne: Ein Detektiv rächt sich
Aus dem Allianz-Konzern sind persönliche Kundendaten an die Öffentlichkeit geraten - Ermittlungsakten, Zeugenaussagen, Kontoinformationen. Es war die Tat eines einzelnen Ermittlers, den das Unternehmen geschasst hatte. Der Fall zeigt: Daten sind bei Großkonzernen kaum zu schützen.
Hamburg - Es war ein bunter Strauß von Unterlagen, der SPIEGEL ONLINE in einem anonymen Schreiben erreichte: Polizeiliche und staatsanwaltliche Ermittlungsakten, Zeugenaussagen, Schreiben einer Bank über Konten und deren Verfügungsberechtigte. Die Unterlagen stehen überwiegend im Zusammenhang mit Versicherungsfällen des Konzerns Allianz, wie das Unternehmen bestätigte. Der Fall zeigt: Großkonzerne speichern - ganz legal und nur bei berechtigtem Interesse - eine Unmenge an Daten. Doch sie können diese kaum schützen.
Es sind Fälle, die bei einem Versicherungsunternehmen durchaus Misstrauen erregen können: Ein Brandschaden bei einem Erotikunternehmer beschädigt 20.000 DVDs, die für viel Geld von einem befreundeten Unternehmen gereinigt und neu verpackt werden. Schaden: 244.000 Euro. Bei einem Einbruch in einer Datscha in Sachsen-Anhalt wird die gesamte Wohnzimmereinrichtung - samt Couchgarnitur (schwarz, Leder) und Kaminofen - im Wert von 12.000 Euro entwendet. Aus einer Berliner Wohnung wird ein Koffer entwendet, in dem sich Schmuck im Wert von 8000 Euro, 500 Euro Bargeld, sowie eine Stereoanlage und eine Playstation befinden.
Die Allianz arbeitet in solchen Fällen, in denen sie eine "erhärtete Betrugsabsicht" vermutet, auch mit privaten Ermittlern zusammen. Von insgesamt 3,3 Millionen Sachschäden im Jahr kontaktiert der Konzern bei rund tausend Schadensmeldungen Detektive und überlässt ihnen Unterlagen zur Prüfung. Dazu werden in Einzelfällen Akten von Polizei oder Staatsanwaltschaft angefordert. Genau so soll sich das auch bei den Fällen zugetragen haben, zu denen SPIEGEL ONLINE Ermittlungsakten, Zeugenaussagen und anderen Unterlagen vorliegen. Alle, so versichert die Allianz glaubhaft, seien einem einzigen Privatermittler zuzuordnen, von dem sich das Unternehmen Anfang 2012 im Streit getrennt hat.
Warum der Detektiv die Unterlagen nicht zurückgab oder löschte und warum die Allianz das nicht zweifelsfrei sicherstellen konnte, bleibt unklar. Es zeigt aber, dass ein Großkonzern wie die Allianz auch bei gut organisierten und restriktiven Zugriffsrechten für Mitarbeiter auf Informationen und Akten Missbrauch nicht verhindern kann.
Das Unternehmen spricht deshalb auch von einer "kriminellen Einzelaktion" und versichert, dass keinerlei Informationen von außen abgefragt werden können. Ein systematisches Datenleck gebe es nicht. Tatsächlich äußert auch der Präsident des bayerischen Amtes für die Datenschutzaufsicht, Thomas Kranig, Verständnis für die Allianz. Ein Verstoß gegen den Datenschutz sei nicht erkennbar, im Gegenteil sei es vollkommen in Ordnung, dass Versicherungsunternehmen bei einem begründeten Betrugsverdacht externe Ermittler einschalteten. Um eine Stellungnahme wird Kranig die Allianz aber trotzdem bitten.
Der anonyme Informant, der SPIEGEL ONLINE die Unterlagen zugesandt hat, kündigte unterdessen weitere Enthüllungen an. Gut möglich, dass der größte Versicherungskonzern Europas sich noch länger mit einem Datenleck beschäftigen muss, das nur aus einem einzigen verärgerten externen Mitarbeiter besteht.
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