Unterstützung für Deutsche Bank Allianz zockt weiter mit Nahrungsmitteln

In der deutschen Finanzwirtschaft formiert sich ein Bündnis zur Verteidigung von Nahrungsmittelspekulationen. Nach der Deutschen Bank erklärt nun auch der Versicherungskonzern Allianz seine Geschäfte für unschädlich - und ruft die Politik zu Hilfe.

Sojafarm in Brasilien: Die Politik soll entscheiden
REUTERS

Sojafarm in Brasilien: Die Politik soll entscheiden


Frankfurt am Main - Die Allianz springt der Deutschen Bank in der Debatte über Finanzspekulationen mit Nahrungsmitteln zur Seite. Der Versicherungskonzern sei zu dem Schluss gekommen, dass seine Investitionen an den Agrarterminbörsen der Landwirtschaft und der Ernährungslage weltweit nutzten und nicht zum Hunger beitrügen, sagte Vorstandsmitglied Jay Ralph der Nachrichtenagentur Reuters.

Das Unternehmen gehört zu den größten Investoren überhaupt und ist auch an den Derivatemärkten für Rohstoffe aktiv. Die Politik müsse mit Unterstützung der Wissenschaft eine sachliche Debatte und eine neutrale Klärung der Sache ermöglichen, appellierte Ralph an die Bundesregierung. "Sonst laufen wir Gefahr, Entscheidungen voranzutreiben, die den Menschen schaden."

Mit den Terminkontrakten, in die die Allianz investiert, würden Preisschwankungen geglättet, so dass die Landwirtschaft trotz ungleicher Ernten mit stabileren Preisen kalkulieren könne. "Je mehr Angebot und Wettbewerb es für solche Kontrakte gibt, umso günstiger wird die Risikoprämie", sagte ein Allianz-Sprecher. Die Allianz verdiene bei hohen und niedrigen Preisen Geld.

Die Deutsche Bank hatte sich trotz vehementer Kritik von Verbraucherschützern entschieden, weiter mit Nahrungsmittelspekulationen Geld verdienen zu wollen. Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen erklärte auf der Grünen Woche in Berlin, Untersuchungen hätten kaum stichhaltige Belege für einen Zusammenhang dieser Geschäfte mit dem Hunger in der Welt erbracht - im Gegenteil. "Deshalb hat die Deutsche Bank entschieden, dass sie im Interesse ihrer Kunden weiterhin Finanzinstrumente auf Agrarprodukte anbieten wird", sagte Fitschen.

Die Bank hatte die Folgen seit knapp einem Jahr geprüft und den Verkauf von Anlageprodukten auf Grundnahrungsmittel so lange gestoppt. Nun will sie die Geschäfte weiterführen. Die Verbraucherschützer der Organisation hatten in zahlreichen Aktionen Druck auf die Bank gemacht, aus dem Geschäft auszusteigen. Die Organisation ist davon überzeugt, dass Spekulationen mit Nahrungsmitteln die Preise für die Produkte auch in armen Ländern nach oben treiben und hat dafür selbst eine Studie erarbeiten lassen.

In der Wissenschaft ist die Wirkung der Spekulation umstritten

Die Bundesregierung hält sich in der Debatte zurück. Eine Sprecherin von Agrarministerin Ilse Aigner wollte sich am Montag nicht zur Entscheidung der Deutschen Bank äußern. "Uns fehlen auch die Hintergründe zu den Produkten, die da angeboten werden sollen", sagte sie. Sie verwies auf einen Aktionsplan der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer, der vor allem auf mehr Transparenz über die Spekulationen abzielt.

"Es ist grundsätzlich so, dass wir in den vergangenen Jahren alarmierende Achterbahnfahrten auf den Rohstoffmärkten beobachten konnten. Da gab es Fehlentwicklungen." Zu den Ursachen zählten neben der wachsenden Weltbevölkerung die hohen Produktionskosten. Aber auch die Finanzmarktspekulationen zählten dazu.

In der Wissenschaft ist die Wirkung von Agrarderivaten allerdings durchaus umstritten. Eine Übersicht von vier Forschern unter der Leitung von Ingo Pies, Wirtschaftsethiker an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, kommt zu dem Schluss,dass die Zunahme der Finanzspekulationen gerade nicht zu einem höheren Preisniveau bei Agrarprodukten geführt habe.

"Hungerkrisen sind nicht finanzwirtschaftlich verursacht, sondern haben realwirtschaftliche Ursachen", sagte Pries. Der Professor und seine Kollegen hatten 35 Forschungsarbeiten über den Einfluss von Finanzspekulationen auf die Agrarrohstoffmärkte untersucht. "Weder die Volatilität noch das Preisniveau sind durch Finanzspekulationen signifikant gestiegen", sagte Pies. So seien die Spekulationen auf Weizen zwischen 2004 und 2006 massiv gestiegen. Die Preise seien aber erst zwischen 2007 und 2008 nach oben gegangen. "Die Terminmärkte waren Bote der Nachricht, dass es realwirtschaftlich knapp wird. Sie waren nicht der Verursacher", sagte Pies.

Die Forscher werden in ihrer Bewertung von 40 deutschen Wissenschaftlern unterstützt, darunter vor allem Agrarökonomen, Juristen und Ethiker. In einem offenen Brief an Bundespräsident Joachim Gauck schreiben sie, dass es sich wissenschaftlich nicht belegen lasse, dass Spekulation mit Nahrungsmitteln zu dauerhaft höheren Preisen führe.

stk/Reuters

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insgesamt 86 Beiträge
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Seite 1
kdshp 21.01.2013
1. der deutsche
Zitat von sysopREUTERSIn der deutschen Finanzwirtschaft formiert sich ein Bündnis zur Verteidigung von Nahrungsmittelspekulationen. Nach der Deutschen Bank erklärt nun auch der Versicherungskonzern Allianz ihre Geschäfte für unschädlich - und ruft die Politik zu Hilfe. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/allianz-und-deutsche-bank-wollen-mit-nahrungsmitteln-spekulieren-a-878845.html
Na wenn hier mal die linken nicht wieder blocken werden UND so sie preise in die höhe treiben.
die-dicke-aus-der-uckerm. 21.01.2013
2. Allianz ? DEUBA ?
Zitat von sysopREUTERSIn der deutschen Finanzwirtschaft formiert sich ein Bündnis zur Verteidigung von Nahrungsmittelspekulationen. Nach der Deutschen Bank erklärt nun auch der Versicherungskonzern Allianz ihre Geschäfte für unschädlich - und ruft die Politik zu Hilfe. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/allianz-und-deutsche-bank-wollen-mit-nahrungsmitteln-spekulieren-a-878845.html
Wer zum Teufel braucht die ? Ich jedenfalls seit mehr als 45 Jahren nicht mehr. Andere sind mir lieber. ( weil sie seriöser sind )
idealist100 21.01.2013
3. Ach so
Zitat von sysopREUTERSIn der deutschen Finanzwirtschaft formiert sich ein Bündnis zur Verteidigung von Nahrungsmittelspekulationen. Nach der Deutschen Bank erklärt nun auch der Versicherungskonzern Allianz ihre Geschäfte für unschädlich - und ruft die Politik zu Hilfe. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/allianz-und-deutsche-bank-wollen-mit-nahrungsmitteln-spekulieren-a-878845.html
Wir versichern, dass die Spekulationen nicht zu höheren Preisen führe, wir verdienen nur an hohen wie niedrigen Lebensmittelpreisen. Und jetzt meine Frage wie kann ich zocken und immer gewinnen, wenn das Produkt den Gewinn nicht ermöglicht. Sind wir alle Traumtänzer.
cdrenk 21.01.2013
4. Bildungsfern
An der Hans-Böckler-Stiftung oder ähnlichen Sektenstützpunkten ausgebildete Redakteure erklären Spekulation immer noch für eine schädliche Verhaltensweise. An jedem VHS-Kurs VWL Einführung kann man lernen welche Vorteile Spekulation in der Allokation von Resourcen hat.
Luna-lucia 21.01.2013
5. das sollte sofort
Zitat von kdshpNa wenn hier mal die linken nicht wieder blocken werden UND so sie preise in die höhe treiben.
unterbunden werden! Denn gerade der Deutsche Bank (siehe ihre Waffengeschäfte mit den Minen), ist jedes noch so verwerfliches Mittel recht, wenn's nur für die Bank gewinnbringend ist, oder sein könnte! Hier wird mitgroßer Wahrscheinlichkeit, eine massive Unterstützung der Gen-Forschung verschleiert.
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