Suche nach lukrativem Investment Allianz will die Sieben-Prozent-Autobahn

Die Allianz-Arena gibt es schon. Eine Allianz-Autobahn könnte irgendwann dazukommen. Denn der Finanzkonzern kann sich vorstellen, in deutsche Fernstraßen zu investieren. Über die Höhe der Rendite hat sich das Unternehmen schon Gedanken gemacht.

Bauarbeiten an der A12 in Brandenburg: Investoren gesucht
DPA

Bauarbeiten an der A12 in Brandenburg: Investoren gesucht


Berlin - Marode Straßen und zugleich niedrige Zinsen bringen die Finanzindustrie auf neue Anlageideen. So kann sich der Versicherer Allianz Investitionen in deutsche Autobahnen vorstellen. "Wenn der Staat die Rahmenbedingungen schafft, stehen wir bereit", sagte Markus Faulhaber, Chef der Allianz Lebensversicherung, dem "Tagesspiegel". Das Unternehmen habe bereits Autobahnstrecken in Irland, Frankreich und Belgien finanziert. "Wir würden das natürlich auch gern in Deutschland tun", sagte Faulhaber.

Auch über die Rendite habe man sich bereits Gedanken gemacht. "Wenn wir Eigenkapital einsetzen, erwarten wir schon etwa sieben Prozent, bei riskanteren Investments auch mehr", sagte der Versicherungsmanager. Das Unternehmen brauche "Sicherheit, dass sich unsere Investition rechnet". Schließlich investiere die Allianz das Geld ihrer Kunden, die für ihr Alter vorsorgen wollten. Sicherheit könne etwa über Zinszusagen eines öffentlichen Trägers gewährleistet werden.

Nicht nur die Finanzindustrie, sondern auch die Regierung hat Interesse daran, private Investitionen in die Infrastruktur zu beschleunigen. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hat bereits ein Beratergremium berufen, das entsprechende Modelle entwickeln soll. Neben Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen und Ergo-Chef Torsten Oletzky ist auch die Allianz mit ihrem Vorstandsmitglied Helga Jung in dem Expertenbeirat vertreten.

"Wenn wir in Deutschland weiterhin so wenig in unsere Infrastruktur investieren wie in den letzten zehn Jahren, wird dies unweigerlich zulasten der deutschen Wettbewerbsfähigkeit gehen", sagte Allianz-Manager Faulhaber. Auf der anderen Seite seien Bürger auf der Suche nach langfristigen Anlagemöglichkeiten für ihre Altersvorsorge. "Wir als Lebensversicherer können hier die Brücke bilden, beide Herausforderungen zusammenführen und das private Vorsorgekapital in den Erhalt und Ausbau der Infrastruktur leiten", warb Faulhaber.

mmq/Reuters

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 34 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
new_eagle 06.10.2014
1. Hoffentlich wird das nie Realität
denn es ist ja ganz offensichtlich teurer als die die Finanzierung des Straßenaus- und -neubaus durch die öffentliche Hand. Die 7% Rendite müssen ja erwirtschaftet werden, was zu höhere Kosten und schlechterem Service führen muss (siehe Deutsche Bahn). Am Ende müssen dass dann wir Steuerzahler über höhere Steuern oder über eine Autobahn-Maut bezahlen.
tkedm 06.10.2014
2.
Eigentlich keine schlechte Idee und die Renditeerwartung ist auch nicht sonderlich hoch. Allemal besser als irgendein ausländischer No-Name-Investor, der hierzulande keinen Ruf zu verlieren hat.
tgb 06.10.2014
3. Bundesschatzbriefe
Sollte es dazu kommen, dann ist wohl endültig klar für wen unsere - leider durch uns selbst gewählen - Politiker wirklich agieren. Hier könnte genauso gut der Staat selbst Bürgeranleihen für sagen wir 4% ausgeben. Zumal die 7% für die Allianz ja auch durch den Steuerzahler aufgebracht werden müssten.
tgb 06.10.2014
4. Bundesschatzbriefe
Sollte es dazu kommen, dann ist wohl endültig klar für wen unsere - leider durch uns selbst gewählen - Politiker wirklich agieren. Hier könnte genauso gut der Staat selbst Bürgeranleihen für sagen wir 4% ausgeben. Zumal die 7% für die Allianz ja auch durch den Steuerzahler aufgebracht werden müssten.
European 06.10.2014
5. Ist Staatsverschuldung wirtschaftlich sinnvoll ?
Ja und nein ist die Antwort. Ausschlaggebend ist der Spread zwischen den Zinsen die der Staat für Kapital aufbringen muss und der Rendite die erwirtschaftet wird durch die Investitionen. Beispiel Autobahn: Kosten 1 MRD Zinssatz Bund: 0,9% p.A. Rendite: 7% (durchaus realistisch) Gewinn für den deutschen Staat: (7-0.9)*10^9 =61 Mio p.A. Der Staat würde also in diesem Fall Geld verdienen durch zusätzliche Schulden. Aber jetzt kommt das traurige für die Sozialisten unter uns: Konsum auf Kredit rechnet sich gar nicht und Schulden machen bei höheren Zinssätzen (verursacht beispielsweise durch Überschuldung) auch nicht.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.