Insolventer Küchenbauer Alno war wohl schon 2013 zahlungsunfähig

Im Juli 2017 meldete Alno die Zahlungsunfähigkeit an - Monate, vielleicht sogar Jahre zu spät. Zu diesem Schluss kommt der Insolvenzverwalter des Küchenbauers.

Alno-Zentrale in Pfullendorf
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Alno-Zentrale in Pfullendorf


Die Lage bei Alno war offenbar noch viel schlimmer als gedacht: Nach Erkenntnissen von Insolvenzverwalter Martin Hörmann ist der Küchenbauer schon viel eher zahlungsunfähig gewesen als bislang angenommen. "Nach dem derzeitigen Stand der Begutachtung müssen wir davon ausgehen, dass Alno weit vor dem 12. Juli 2017 insolvenzreif, das heißt zahlungsunfähig oder überschuldet gewesen ist", sagte Hörmann am Rande einer Gläubigerversammlung. An diesem Tag hatte Alno Insolvenz angemeldet.

Spätestens Ende 2016, wahrscheinlich aber sogar schon im Jahr 2013 sei die Zahlungsunfähigkeit eingetreten. Das geht aus einem vorläufigen Bericht Hörmanns an das zuständige Gericht und die Gläubiger hervor. Die Frage des Zeitpunkts hängt letztlich davon ab, wie bestimmte Vorgaben in der Insolvenzordnung interpretiert werden. Darüber muss der Bundesgerichtshof noch grundsätzlich entscheiden.

Die Beteiligten äußerten sich bislang nicht zu den Vorwürfen.

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Im Frühjahr soll die Produktion bei Alno wieder anlaufen - verglichen mit den Spitzenjahren allerdings in relativ kleinem Umfang und mit nur noch 410 statt 2100 Mitarbeitern. Teile des insolventen Küchenbauers wurden kurz vor Weihnachten an den britischen Investor Riverrock verkauft.

Das Insolvenzverfahren läuft davon unberührt aber weiter. Mehr als tausend Gläubiger haben Forderungen über insgesamt knapp 280 Millionen Euro angemeldet. Hörmann geht allerdings davon aus, dass viele davon unberechtigt sind. Mögliche Anfechtungsansprüche sieht er zudem bei einigen Zahlungen an andere Gesellschaften.

Die Suche nach einem Investor war lange Zeit von einem Streit des letzten Alno-Großaktionärs Tahoe und dem früheren Management um den langjährigen Vorstandschef Max Müller und Finanzchefin Ipek Demirtas überschattet worden. Tahoe gehört zur Prevent-Gruppe der bosnischen Unternehmerfamilie Hastor und war 2016 eingestiegen. Nach der Insolvenz warf der Investor Müller und seine Leute hätten die wahre finanzielle Lage von Alno verschleiert und die Aussichten viel zu positiv dargestellt. Müller weist das zurück und wirft seinerseits den Tahoe-Leuten Fehler vor.

Hörmanns Erkenntnisse stützen nun in gewisser Hinsicht die Sicht von Tahoe. Obwohl die Erwartungen des Vorstands mindestens seit 2014 regelmäßig deutlich unterschritten worden seien, sei daran festgehalten worden, resümiert Hörmann. "Die Absatz- und Ergebniserwartungen des Vorstands wurden in den späteren Planungen teilweise sogar noch ambitionierter", heißt es in seinem Bericht. Und: "Die Umsatzerwartungen des Vorstands waren nicht realistisch."

Als Alno schließlich Insolvenz anmeldete, trug das neue, von Tahoe geschickte Management allerdings auch schon einige Zeit die Verantwortung.

Strafrechtlich bewerten wollte Hörmann seine Erkenntnisse nicht - im Raum steht womöglich der Vorwurf der Insolvenzverschleppung. Auch zu dem Streit zwischen Müller und Tahoe will er sich nicht äußern. Sein Augenmerk gelte am Ende vor allem der zivilrechtlichen Seite, sprich möglichen Ansprüchen zum Beispiel gegen frühere Vorstände. Dazu müssten aber erst alle Unterlagen endgültig ausgewertet sein, sagte der Insolvenzverwalter. "Da gibt es kein Schwarz und kein Weiß. Das sind hochkomplexe rechtliche Themen."

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart prüft den Fall Alno ohnehin bereits. Ein offizielles Ermittlungsverfahren hat sie allerdings noch nicht eröffnet.

fdi/dpa



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