Quartalszahlen von Alphabet, Amazon und Microsoft US-Techfirmen übertreffen Erwartungen deutlich

"Wir hatten ein sagenhaftes Quartal": Nicht nur Google-Mutter Alphabet kann sich über stark wachsende Gewinne freuen, sondern auch Amazon und Microsoft. Die Börse reagierte entsprechend.

Logo von Google und Alphabet
REUTERS

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Die US-Unternehmen Alphabet, Amazon und Microsoft haben ihre Geschäftszahlen für das dritte Quartal 2017 vorgelegt - und große Gewinnsprünge verkündet. Dank boomender Werbeeinnahmen konnte Google-Mutter Alphabet Chart zeigen den Gewinn deutlich steigern. Verglichen mit dem Vorjahreswert wuchs der Überschuss um rund ein Drittel auf 6,7 Milliarden Dollar, das sind umgerechnet etwa 5,8 Milliarden Euro.

Der Umsatz legte um 24 Prozent auf 27,8 Milliarden Dollar zu. "Wir hatten ein sagenhaftes Quartal", sagte Finanzchefin Ruth Porat. Auch bei Anlegern kamen die Zahlen gut an, die Aktie stieg nachbörslich zunächst um fast vier Prozent. Analysten hatten mit deutlich schwächeren Quartalsergebnissen gerechnet.

Amazon

Stark wachsende Onlineverkäufe durch die Rabattaktion "Prime Day" und das florierende Cloud-Geschäft ließen auch die Erlöse bei Amazon Chart zeigen um 34 Prozent auf 43,7 Milliarden Dollar wachsen. Dadurch konnte der Konzern seinen Gewinn im dritten Quartal trotz hoher Ausgaben leicht steigern. Verglichen mit dem Vorjahreswert legte der Überschuss um 1,6 Prozent auf 256 Millionen Dollar zu, also auf etwa 220 Millionen Euro.

Erstmals tauchte auch die im August übernommene Biosupermarktkette Whole Foods in den Quartalszahlen auf - der 13,7 Milliarden Dollar teure Zukauf steuerte 1,3 Milliarden Dollar zum Konzernumsatz bei. Auch die Ergebnisse von Amazon übertrafen die Prognosen der Analysten deutlich. Die Aktie stieg nachbörslich zunächst um über sechs Prozent. Zudem kam der Ausblick auf das Weihnachtsquartal bei Anlegern offenbar gut an: Amazon rechnet mit einem Umsatz zwischen 56 und 60,5 Milliarden Dollar.

Microsoft

Microsoft Chart zeigen profitiert ebenfalls kräftig vom boomenden Cloud-Geschäft. Der Gewinn stieg im abgelaufenen Quartal um 16 Prozent auf 6,6 Milliarden Dollar. Der Umsatz erhöhte sich um zwölf Prozent auf 24,5 Milliarden Dollar. Im Cloud-Geschäft legten die Erlöse um 14 Prozent auf 6,9 Milliarden Dollar zu. Der Umsatz der PC-Sparte, zu der unter anderem das Betriebsprogramm Windows 10 zählt, stabilisierte sich im Berichtszeitraum. In dieser Sparte hatte Microsoft zuletzt Einbußen verbucht.

Microsoft hat unter dem vor mehr als drei Jahren angetretenen Firmenchef Satya Nadella den Fokus auf das rasant wachsende Cloud-Geschäft zur Auslagerung von Computer- und Speicherdiensten ins Internet verlagert. Das Flaggschiff des Konzerns ist die Plattform Azure, auf der Unternehmen ihre Websites, Apps und Daten verwalten können und die mit Amazons Cloud-Dienst AWS konkurriert. Die Microsoft-Aktie stieg nachbörslich um rund vier Prozent.

Twitter

Auch Twitter übertraf im vergangenen Quartal die Erwartungen von Analysten bei Umsatz und Gewinn und steigerte die Zahl monatlich aktiver Nutzer um vier Millionen. Die Aktie legte im frühen US-Handel zeitweise um mehr als zehn Prozent zu.

Allerdings musste das Unternehmen auch einräumen, dass seit 2014 die Nutzerzahlen wegen eines Fehlers bei der Auswahl der Datenquellen leicht überhöht dargestellt wurden. Deshalb waren es im zweiten Quartal zum Beispiel 326 Millionen aktive Nutzer statt der zuvor gemeldeten 328 Millionen. Bis Ende September stieg die Zahl nach korrekter Berechnung auf 330 Millionen.

Der Quartalsumsatz sank im Jahresvergleich um gut vier Prozent auf 589,6 Millionen Dollar. Analysten hatten allerdings mit noch etwas niedrigeren Erlösen gerechnet. Unterm Strich ergab sich ein Verlust von gut 21 Millionen Dollar nach einem Fehlbetrag von 103 Millionen Dollar im Vorjahresquartal. Beim bereinigten operativen Ergebnis pro Aktie übertraf Twitter aber die Erwartungen der Börsianer deutlich.

koe/Reuters/dpa



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Linaritblauer 27.10.2017
1. Digitalisierung
Kein einziges deutsches Unternehmen kann auch nur annähernd solche Ergebnisse vorweisen. Die Digitaliserung kommt mit großen Schritten und wir sind dabei, diese Entwicklung vollständig zu verschlafen. Hauptsache, wir diskutieren weiterhin Fahrverbote für Dieselfahrzeuge. Wir haben ja Zeit.
unpolit 27.10.2017
2. Vielschichtig
Die Gründe dafür sind vielschichtig: Zum einen haben die Angloamerikaner ein ganz anderes Rechtsverständnis, auch im Bezug auf Datenschutz und Recht an den persönlichen Informationen. Dann haben wir hier keine Kultur für Risiko-Kapital. Was auch daran liegen kann, dass wir eine ausgeprägte Neid-Kultur haben. Da würde ich mit meinem übrigen Geld doch auch übern Teich Kohle machen. Dann fehlt ein europäisches Aktionsprogramm, von der Politik unterstützt. Nationalismus ist hier fehl am Platze. Jetzt kommen wir zu den Unternehmen: Es werden viel zu selten Entscheidungen für Software oder Services von europäischen Anbietern getroffen, obwohl man sich, wenn überhaupt erforderlich, einen geringen Aufschlag leisten könnte und das Geld langfristig gesehen gut angelegt wäre. Es ist leider noch nicht angekommen, dass die Unternehmen Zugriff auf Märkte und Daten bekommen - und wir uns damit in eine enorme Abhängigkeit begeben. (siehe Facebook- Test mit Timeline). Und dann die Endverbraucher. Ich kann bei Osiander genau so gut und günstig eBooks kaufen wie beim Platzhirsch. Dann bleiben meine Steuern in Deutschland, und hier werden Arbeitsplätze erhalten.
AZ1 27.10.2017
3. Mentalität
Zitat von unpolitDie Gründe dafür sind vielschichtig: Zum einen haben die Angloamerikaner ein ganz anderes Rechtsverständnis, auch im Bezug auf Datenschutz und Recht an den persönlichen Informationen. Dann haben wir hier keine Kultur für Risiko-Kapital. Was auch daran liegen kann, dass wir eine ausgeprägte Neid-Kultur haben. Da würde ich mit meinem übrigen Geld doch auch übern Teich Kohle machen. Dann fehlt ein europäisches Aktionsprogramm, von der Politik unterstützt. Nationalismus ist hier fehl am Platze. Jetzt kommen wir zu den Unternehmen: Es werden viel zu selten Entscheidungen für Software oder Services von europäischen Anbietern getroffen, obwohl man sich, wenn überhaupt erforderlich, einen geringen Aufschlag leisten könnte und das Geld langfristig gesehen gut angelegt wäre. Es ist leider noch nicht angekommen, dass die Unternehmen Zugriff auf Märkte und Daten bekommen - und wir uns damit in eine enorme Abhängigkeit begeben. (siehe Facebook- Test mit Timeline). Und dann die Endverbraucher. Ich kann bei Osiander genau so gut und günstig eBooks kaufen wie beim Platzhirsch. Dann bleiben meine Steuern in Deutschland, und hier werden Arbeitsplätze erhalten.
Sehr richtig. Einige der Gründe würde ich auf die andere Mentalität zurückführen. In den USA sieht man Chancen, zB dass man durch das Verschenken von Leistungen (Google, facebook) ein Quasi-Monopol ("Plattform") aufbauen kann, um später damit Gewinne zu machen. Deutsche Investoren hätten verlangt, dass Google für Suchmaschine, Email oder Maps direkt beim Nutzer kassiert. Diese Haltung würgt jede längerfriste Entwicklung im Keim ab.
conocedor 27.10.2017
4. selber schuld
Zitat von unpolitDie Gründe dafür sind vielschichtig: Zum einen haben die Angloamerikaner ein ganz anderes Rechtsverständnis, auch im Bezug auf Datenschutz und Recht an den persönlichen Informationen. Dann haben wir hier keine Kultur für Risiko-Kapital. Was auch daran liegen kann, dass wir eine ausgeprägte Neid-Kultur haben. Da würde ich mit meinem übrigen Geld doch auch übern Teich Kohle machen. Dann fehlt ein europäisches Aktionsprogramm, von der Politik unterstützt. Nationalismus ist hier fehl am Platze. Jetzt kommen wir zu den Unternehmen: Es werden viel zu selten Entscheidungen für Software oder Services von europäischen Anbietern getroffen, obwohl man sich, wenn überhaupt erforderlich, einen geringen Aufschlag leisten könnte und das Geld langfristig gesehen gut angelegt wäre. Es ist leider noch nicht angekommen, dass die Unternehmen Zugriff auf Märkte und Daten bekommen - und wir uns damit in eine enorme Abhängigkeit begeben. (siehe Facebook- Test mit Timeline). Und dann die Endverbraucher. Ich kann bei Osiander genau so gut und günstig eBooks kaufen wie beim Platzhirsch. Dann bleiben meine Steuern in Deutschland, und hier werden Arbeitsplätze erhalten.
Nicht nur Neidkultur, vor allem eine Angstkultur: Kohle, Glyphosat, Gentechnik, Fusionsreaktor, Fracking, CO2-Verpressung, Chlorhühnchen, Verbrennungsmotor, industrielle Landwirtschaft, universitäre Forschung außerhalb der Gender Studies und letztlich Cloud-Computing: Irgendwie gefährlich, wir werden alle sterben, am besten verbieten. Man kann nur denen dankbar sein, die sich trotz des seit Jahrzehnten grassierenden mitteleuropäischen Anti-Fortschrittshysterismus die Lust an Forschung, Entwicklung und freiem Unternehmertum nicht vermiesen lassen. Sonst sähe es hier schon ziemlich düster aus.
bkachler 27.10.2017
5. So ist es
Zitat von conocedorNicht nur Neidkultur, vor allem eine Angstkultur: Kohle, Glyphosat, Gentechnik, Fusionsreaktor, Fracking, CO2-Verpressung, Chlorhühnchen, Verbrennungsmotor, industrielle Landwirtschaft, universitäre Forschung außerhalb der Gender Studies und letztlich Cloud-Computing: Irgendwie gefährlich, wir werden alle sterben, am besten verbieten. Man kann nur denen dankbar sein, die sich trotz des seit Jahrzehnten grassierenden mitteleuropäischen Anti-Fortschrittshysterismus die Lust an Forschung, Entwicklung und freiem Unternehmertum nicht vermiesen lassen. Sonst sähe es hier schon ziemlich düster aus.
Wie wahr. Waehrend woanders bei neuen Ideen zuerst die Chancen gesehen werden, wird hier als allererstes nach Nachteilen gesucht und Bedenken getragen. Nicht dass ein unreflektiertes naives Vorwaersstruermen nicht auch seine Nachteile haette, aber es kommt auf den Grundtenor an, positiv oder negativ. Bei einer allgemein negativen Weltsicht und allerorts geschuertem Zukunfstpessimismus kommt man aber nirgendwohin, allenfalls realisiert sich der Untergang als selbsterfuellende Prophezeiung. Man sah und sieht es noch beispielsweise an der typisch deutschen Skepsis gegenueber Kreditkarten und online-Bezahlungen per Paypal usw. Waehrend man das woanders (dh in den USA) mit aller Freude gern schnell aufnahm und nutzte, hat es in DL vielleicht 10-15 Jahre laenger gedauert bist auch kleinere Firmen Kreditkarten im Onlinehandel akzeptierten, und die Buerger bereit waren, diese zu benutzen. Ja, selber schuld. Die Geschaefte machen dann halt andere.
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