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Übernahmekampf mit General Electric: Alstom-Chefs lehnen Siemens-Angebot offenbar ab

Der Verwaltungsrat des französischen Industriekonzerns Alstom hat sich laut "Figaro" für das Angebot des US-Multis General Electric ausgesprochen - und damit wohl gegen den deutschen Siemens-Konzern.

Alstom-Mitarbeiter vor GE-Logo: Der Konzern bevorzugt das Gebot des US-Multis Zur Großansicht
AFP

Alstom-Mitarbeiter vor GE-Logo: Der Konzern bevorzugt das Gebot des US-Multis

Paris - Der französische Industriekonzern Alstom hat angeblich die Offerte des US-Unternehmens General Electric für seine Energiesparte angenommen. Der Verwaltungsrat habe dem verbindlichen und durchfinanzierten Angebot auf seiner Sitzung am Dienstagabend zugestimmt, berichtete die französische Zeitung "Le Figaro".

Der Übernahmepoker zwischen General Electric Chart zeigen (GE), Alstom Chart zeigen und Siemens als drittem Player könnte damit nun vor einem schnellen Ende stehen. Das GE-Angebot solle allerdings noch einen Monat lang von unabhängigen Experten geprüft werden, berichtete "Le Figaro" unter Berufung auf Konzernkreise. Eine offizielle Bestätigung lag dafür nicht vor.

Alstom wollte sich auf Anfrage zu dem Bericht nicht äußern. Der Konzern bestätigte am Mittwochmorgen lediglich, dass es von GE ein Übernahmeangebot über 12,35 Milliarden Euro für seine Energietechniksparte erhalten habe - und noch alles offen sei. Der deutsche Rivale Siemens solle durchaus die Gelegenheit bekommen, ebenfalls ein konkretes Angebot abzugeben, teilte Alstom nach einer Sitzung des Verwaltungsrates in Paris mit.

Siemens hatte am Dienstag erklärt, ebenfalls ein Angebot für Alstom abzugeben. Voraussetzung dafür sei aber, dass Alstom seine Bücher öffne und das Management für Gespräche bereitstehe. Alstom-Chef Patrick Kron bevorzugt - anders als die Politik - das Angebot von GE.

Siemens hatte die Abgabe seines Angebots an die Bedingung geknüpft, vier Wochen lang Zugang zu Daten des französischen Unternehmens zu bekommen. Zudem müssten Managementinterviews geführt werden können, hieß es. Der "Figaro" berichtete am Abend, Siemens Chart zeigen sei bereit, seine komplette Transportsparte inklusive des ICE- und Metro-Baus an Alstom abzugeben, wenn es im Gegenzug die Energietechniksparte kaufen könnte. Die Münchner bewerteten letztere mit 10,5 bis 11 Milliarden Euro.

An dem neuen, auf Bahntechnik spezialisierten Unternehmen Alstom würde Siemens laut "Figaro" einen Anteil von 19 Prozent beanspruchen. Lediglich die Signaltechnik würde es unter dem eigenen Dach behalten wollen. Die Alstom-Führung halte eine Übernahme durch Siemens für "zu kompliziert" - vor allem, weil es zu viele Überschneidungen in der Produktpalette gebe.

Sorge um Arbeitsplätze in Deutschland und Frankreich

Alstom hatte in den vergangenen Monaten heimlich nur mit GE eine Übernahme verhandelt. Die französische Regierung hatte mit Empörung darauf reagiert. Sie fürchtet eine Verlagerung von Arbeitsplätzen und Entscheidungszentren, sollte GE den Zugriff auf Alstom bekommen. Paris hat stattdessen angedeutet, einen Geschäftsfeldertausch zwischen Siemens und Alstom zu bevorzugen. Die französische Regierung erhofft sich, dass zwei europäische Weltmarktführer entstehen könnten - einer im Bereich Bahntechnik, der andere im Bereich Energie.

In Deutschland herrscht die Sorge vor einem Arbeitsplatzverlust bei der Siemens-Bahnsparte. Die IG Metall stellte für den Fall eines Tauschgeschäfts klar, dass sie Sicherheiten für die rund 11.500 Beschäftigten der Sparte einfordern werde. "Eine zwingende Voraussetzung für den geplanten Tausch von Siemens' Zugsparte gegen Alstoms Energiebereich sind natürlich umfassende Garantien für die Sicherheit der Beschäftigung und aller betroffenen Siemens-Standorte", sagte Bayerns IG-Metall-Chef Jürgen Wechsler am Dienstag. Generell stehe die Gewerkschaft einer Einigung zwischen Siemens und Alstom nicht ablehnend gegenüber, betonte er.

mia/AFP/Reuters/dpa

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1. Natürlich
thinking_about 30.04.2014
war das Siemens Angebot kompliziert, weil es nur ein Tausch der Sparten sein sollte, die evaluiert werden müßten und Siemens wollte erst die Bücher von Alstom prüfen und eine Arbeitsplatzgarantie haben. Nun darf Alstom seinerseits das Angebot prüfen, aber Vorsicht, die US Juristen sind knallhart in ihren Verträgen. GE hat das Geld hier herumliegen und müßte ganz schön Steuern zahlen, um es heim nach USA zu holen. So läuft das: Papiergeld gegen reale Ware. Aber Alstom kann sich ja dann mit dem Geld sanieren und braucht den Staat nicht mehr, der ihm trotz Brüssels Widerstand einst aus der Patsche half. Oder dann die Bahntechnik von Siemens kaufen :-) Ach nein, geht nicht wegen Monopolisierung, da paßt Brüssel schon auf. Ob GE weiß, daß in Frankreich die Gewerkschaften noch was zu sagen haben, im Gegensatz zur USA? Dumm gelaufen für Siemens... oder? Bin gespannt auf die Kommentare aus der Wirtschaft und besonders, wie Hollande das aufnimmt, obwohl er ja erkennbar eifrig hinter Obama herdackelt, quasi an vorderster Front als Freund im pol. Geschehen. McCain sprach jüngst von der Notwendigkeit der Installation einer transatlantischen Energie-Struktur... der Anfang ist gemacht.
2. Den Franzosen ...
freddygrant 30.04.2014
... muss es ja ganz schön dreckig gehen, wenn sie das Angebot von Siemens nicht mal prüfen oder durchrechnen. Alstom scheint seine Katze schnellstens im Sack verkaufen zu müssen/wollen. Dafür gibt es dann die frisch gedruckten US-Dollars. Eine schöne europäische Kooperation natürlich auch von Hollande für die Arbeitsplätze in Frankreich. Wie lange das gut geht muss Siemens nicht mehr interessieren ...
3. Bargeld
karl-der-gaul 30.04.2014
von GE macht doch viel mehr Sinn als die verwickelten Geschäfts Knoten mit Siemens und politischen Einmischungen von Paris. Alston zu Siemens "show me the money" cash is king.
4. Mitspracherecht
bmvjr 30.04.2014
Ab einer gewissen Groesse von Unternehmen haben diese, insbesondere deren Aktivitaeten wie Aquisition, Merger, Joint Ventures, Umstrukturierungen, Verlegung von Produktionsstaetten etc. eine volkswirtschaftlich besonders relevante Auswirkung. Daraus sollte sich ein Mitspracherecht der jeweiligen Landesregierung ergeben. Es kann nicht sein, dass ein Grossunternehmen ausschliesslich auf die eigene Bottom Line schaut und die Auswirkungen auf die lokale, regionale, nationale Wirtschafts- und Arbeitsmarktsituation ignoriert. Das soll nicht zur schleichenden Planwirtschaft fuehren, sondern Grossunternehmen zwingen, ihrem Einfluss im Lande gerecht zu werden und daraus folgende Verantwortung zu uebernehmen.
5. Die armen Alstom-Mitarbeiter...
franz8 30.04.2014
...tun mir jetzt schon Leid. Egal, ob Siemens oder GE, Jobs sind sie jetzt schon los und Gehälter auch - das ist bereits klar. Vermutlich hat GE mal wieder mal bei Blackrock angerufen, welche sagten, dass man bei Alstom aber mal so richtig Kasse machen kann (auf Kosten der kleinen Mitarbeiter natürlich).
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