Poker um Alstom Französische Regierung prüft Alternative zu Siemens und GE

Die französische Regierung erhöht im Ringen um Alstom den Druck auf GE und Siemens. Wirtschaftsminister Montebourg brachte eine "einheimische Lösung" ins Spiel. Eine Beteiligung von Staatskonzernen sei vorstellbar.

Alstom-Fahne neben französischer Flagge: Plan C ins Spiel gebracht
AFP

Alstom-Fahne neben französischer Flagge: Plan C ins Spiel gebracht


Paris - Die französische Regierung treibt den Preis für den Industriekonzern Alstom in die Höhe. Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg brachte eine Alternative zu den Angeboten von General Electric (GE) und Siemens ins Spiel. "Wir haben mit der Prüfung von Plan C begonnen", sagte der sozialistische Politiker. "Plan A ist GE, Plan B ist Siemens und Plan C ist eine einheimische Lösung." Dabei sei eine finanzielle Beteiligung von Privatfirmen wie auch von Staatskonzernen vorstellbar. Diese rein-französische Lösung sei eine Alternative, sollte es nicht zu einer Einigung mit einem der beiden Interessenten kommen.

Gewerkschaftskreisen zufolge soll Montebourg bei einem Treffen mit Arbeitnehmervertretern bei Alstom am Mittwoch das GE-Angebot und die bislang von Siemens bekannten Vorstellungen als inakzeptabel bezeichnet haben. Er habe sich bereit gezeigt, das jüngste Dekret zur Blockade von Übernahmen durch Ausländer in strategisch wichtigen Wirtschaftsbereichen zu nutzen. Auch erwäge die Regierung einen Einstieg bei dem klammen Alstom-Konzern, der bereits vor rund zehn Jahren schon einmal Staatshilfe erhielt, um sich mehr Einfluss zu sichern.

Die GE-Offerte wird von Alstom favorisiert, stößt aber auf Widerstand der Regierung in Paris. Diese befürchtet Arbeitsplatzverluste. Sie hatte deswegen Siemens zu einem Gegenangebot aufgefordert. GE bietet rund 12,4 Milliarden Euro für die Energiesparte des französischen Rivalen und hat sein Angebot am Donnerstag verlängert. Die Frist werde vom 2. auf den 23. Juni ausgedehnt, um die Beratungen mit der Regierung in Paris zu erleichtern, teilte der Konzern mit.

Siemens arbeitet noch an einem Angebot und prüft derzeit die Bücher von Alstom. In einem Brief an Alstom-Chef Patrick Kron hatte Siemens-Chef Joe Kaeser vorgeschlagen, Siemens könnte Alstoms Energiegeschäft übernehmen. Im Gegenzug wäre Siemens bereit, Teile seiner Mobilitätssparte zur Verfügung zu stellen.

Kaeser beruhigt Mitarbeiter

In einem Gespräch mit der Siemens-Mitarbeiterzeitung trat Kaeser aber Spekulationen entgegen, Siemens könnte im Ringen um die Alstom-Energietechnik sein gesamtes Bahngeschäft an die Franzosen übertragen. "Ich kann unseren Mitarbeitern versichern, dass wir langfristig im Bahngeschäft engagiert bleiben wollen - egal in welcher Konstellation. Wie dann gegebenenfalls Mehrheitsverhältnisse kurz und langfristig aussehen würden, müsste man sehen", sagte Kaeser.

Nicht nur wegen des Angebots an Alstom muss der Siemens-Chef seine Mitarbeiter beruhigen. Er hat auch einen tiefgreifenden Konzernumbau bei Siemens Chart zeigen angekündigt. Dieser könnte Tausende Arbeitsplätze kosten und sorgt deshalb für Unruhe bei den Beschäftigten. Mit einem Aktionstag an mehreren Standorten des Technologiekonzerns will die IG Metall am Freitag auf die Sorgen der Beschäftigten aufmerksam machen und ihrer Forderung nach einer Deutschland-Strategie für das Unternehmen Nachdruck verleihen. Regionale Schwerpunkte der Aktionen sind der Bahntechnik-Standort in Krefeld sowie das Lokomotiven-Werk in München. Auch bei Siemens in Erlangen und Berlin sind Aktionen geplant.

Kampfansage an GE

Im Gespräch mit der Mitarbeiterzeitung gab sich Kaeser gegenüber dem US-Rivalen GE selbstbewusst: "Wenn irgendein Wettbewerber gedacht hat, wir wären gerade so sehr mit uns selbst beschäftigt, dass wir nicht jederzeit und überall handlungsfähig sind, dann war das ein ziemlicher Irrtum", sagte er auf die Frage, ob das Werben um Alstom Chart zeigen eine Kampfansage an GE sei. "Wir sind und bleiben sehr handlungsfähig - strategisch und finanziell."

mmq/Reuters/dpa

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insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
vhe 22.05.2014
1. Oh prima!
Zitat von sysopAFPDie französische Regierung erhöht im Ringen um Alstom den Druck auf GE und Siemens. Wirtschaftsminister Montebourg brachte eine "einheimische Lösung" ins Spiel. Eine Beteiligung von Staatskonzernen sei vorstellbar. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/alstom-poker-frankreich-laesst-siemens-und-ge-zappeln-a-971198.html
Und in 5 Jahren bieten wir denn im Rahmen des Insolvenzverfahrens für die Konkursmasse beider Firmen. (Wobei, eigentlich warte ich ja nur darauf, dass irgendein Chinese Alstom kauft, ausschlachtet solange er den Erhalt der Arbeitsplätze versprechen mußte und am Tag nach Ablauf der Garantie den Laden Benq-mäßig fallen läßt.)
Stronius 22.05.2014
2. Ist das reine Verhandlungstaktik
oder ist da mehr dahinter?
sportsman_g 25.05.2014
3. wenn das französische Staatsfirmen eingreifen
dann wird auch der deutsche Steuerzahler über EU-Subventionen etc. zur Kasse gebeten. So läuft der Hase in der jetzt schon realen Transfer-EU.
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