Hoher Quartalsverlust Amazon-Aktie stürzt um 10 Prozent ab

Die Expansionslust von Amazon-Chef Jeff Bezos stößt bei den Anlegern zunehmend auf Skepsis. Denn die dafür nötigen Investitionen gehen ins Geld und die Verluste steigen rasant.

Matthias Kremp


Seattle - Der weltgrößte Onlinehändler Amazon steckt mit seinen hohen Ausgaben tief in den roten Zahlen fest. Im vergangenen Quartal lief ein Verlust von 437 Millionen Dollar auf. Mehr noch: Für das laufende Vierteljahr mit dem wichtigen Weihnachtsgeschäft will Amazon überhaupt keine klare Prognose geben - zumindest lässt die Spanne, in der das operative Ergebnis liegen soll, keinen anderen Schluss zu. Sie soll irgendwo zwischen einem Minus von 570 Millionen Dollar und einem Plus von 430 Millionen Dollar liegen.

Präziser hätte man die Reaktion der Anleger voraussagen können: Sie straften die Aktie im nachbörslichen Handel am Donnerstag ab. Der Aktienkurs Chart zeigen brach um mehr als zehn Prozent ein.

Aber nicht nur die wolkig beschriebenen Aussichten ließen Investoren zurückschrecken, auch die Ergebnisse enttäuschten: So fiel der Verlust im dritten Quartal deutlich höher aus als am Markt erwartet. Dazu trug auch eine Abschreibung von 170 Millionen Dollar auf das erst im Sommer herausgekommene erste Amazon-Handy Fire Phone bei. Das groß angekündigte Smartphone wurde bisher nicht zum Verkaufsschlager und bekam auch schlechte Kritiken in der Fachpresse. Amazon senkte nach wenigen Wochen auf dem Markt den Preis, was auch zu der Abschreibung beitrug. Im Vorjahresquartal war der Verlust mit 41 Millionen Dollar deutlich niedriger gewesen.

Geduld geht zu Ende

Die Anleger sind von Amazon zwar rote Zahlen oder nur dünne Gewinn gewöhnt - der Onlinehändler investiert aggressiv, um seine Marktposition zu verteidigen und auszubauen. Damit tanzt Amazon jedoch auf immer mehr Hochzeiten, und die Kosten schießen entsprechend in die Höhe. Im vergangenen Quartal stiegen die Ausgaben unter anderem für die Lagerstandorte sowie für Technologie und Inhalte wie Serien und Kinofilme in Amazons Videostreaming-Dienst deutlich.

In den vergangenen Jahren kaufte die Börse Amazon-Chef Jeff Bezos die Wachstums-Story ab und belohnte dessen Investitionsbereitschaft mit kräftigen Kurssteigerungen. Doch inzwischen scheinen die Investoren die Geduld verloren zu haben.

Bezos nimmt viel Geld in die Hand, um "das Konsumentenerlebnis einfacher und stressfreier denn je" zu machen. Das kurbelt den Umsatz an. Von Juli bis September stiegen die Erlöse im Jahresvergleich um ein Fünftel auf 20,6 Milliarden Dollar.

Weiterhin auf Expansionskurs

Amazon brachte zuletzt neben dem Fire Phone auch die TV-Box Fire TV in Deutschland auf den Markt und erneuerte die Produktfamilien seiner Tablet-Computer sowie E-Book-Lesegeräte. Im Geschäft mit Cloud-Diensten wird der Wettbewerb mit Rivalen wie Google Chart zeigen und Microsoft Chart zeigen schärfer. Im vergangenen Quartal kaufte Amazon zudem für knapp eine Milliarde Dollar die Video-Website Twitch, auf der Gamer Livemitschnitte vom Spielverlauf veröffentlichen können.

Finanzchef Tom Szkutak kündigte in der Telefonkonferenz nach Vorstellung der Zahlen aber an, dass Amazon grundsätzlich an den hohen Investitionen festhalten werde. Der Konzern wisse aber, dass er mit Vorsicht überlegen müsse, in welche Geschäfte man das Geld stecke.

mik/dpa



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 12 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
alexanderschulze 24.10.2014
1. Unfassbar!
Wer hätte auch damit rechnen können, dass das Fire Phone kein Erfolg wird? Nun, jeder. DOA, wie der Amerikaner so schön sagt, eine für jeden Idioten exakt vorhersehbare Totgeburt. Ein verstümmeltes Android-Phone ohne Zugang zum Play Store? Na, das muss ja ein Riesenerfolg werden! Welcher mental gestörte Wahnsinnige in der Geschäftsleitung von amazon beschlossen hat, der gehört sofort gefeuert und in Regress genommen.
polyphon 24.10.2014
2. Der Verlust ist nicht das eigentliche Problem...
… das Problem ist, dass Amazon ein Handelskonzern ist. Die haben typischerweise geringe Margen. Nur, wenn es gelingt, ebay Konkurrenz zu machen, wird man als Plattformanbieter hohe Margen erzielen können. Ansonsten sieht es trübe aus. Zalando wird bspw. im Moment mit einem KGV zum erwarteten Gewinn von über 1000 gehandelt. Da noch von Phantasie zu sprechen, wirkt wie eine Untertreibung, Phantasterei wäre vielleicht angemessener.
kommentar4711 24.10.2014
3.
Das Ende der Blase 2.0 rückt wohl langsam näher. Zalando, Amazon, Facebook, Goupon, alles Firmen die nach wie vor viel zu hoch bewertet sind. Und langsam verlieren die Anleger wohl den Glauben.
DMenakker 24.10.2014
4.
Als Amazon Partner kann ich nur wünschen, dass dort weiterhin so extrem in Wachstum investiert wird. Als Händler auf deren Platform kann man jedes Land, das Amazon bereits abdeckt, ganz locker leicht selbst in Angriff nehmen. Via fba ist die gesamte Logistik zu bezahlbaren Preisen vorhanden, man muss nur noch das Angebot an die lokalen Märkte anpassen. In diesem Zusammenhang: Wir planen im Jahr 2015 unsere Belegschaft von 6 auf 9 Mitarbeiter aufzustocken. Nahezu ausschliesslich um die Möglichkeiten auszunutzen, die amazon bietet. Und das geht nicht nur mir so. Das geht hunderttausenden von Händlern genauso. Ich bin mir relativ sicher, dass Amazon hier wesentlich mehr Arbeitsplätze indirekt geschaffen hat, als im lokalen Buchhandel vernichtet wurden. Nicht zu vergessen die Arbeitsplätze, welche Amazon selbst geschaffen hat ( und die sicherlich auch nicht viel schlechter bezahlt sind, als Angestellte im Buchhandel ). Wenn amazon die Expansion jetzt verlangsamt oder gar ganz stopt, müssen wir uns um andere Handelspartner bemühen. Alibaba wäre ein Versuch wert. Märkte komplett mit eigenem shop zu erobern dauert viel zu lange und ist extrem teuer. Die Logstikkosten fressen einen auf.
benjorito 24.10.2014
5.
Das Ergebnis des Mißmanagements der jüngsten Zeit. Auch Amazon muss erkennen, dass der Kunde kritisch und mitunter gnadenlos ist. Die Mischung aus Skandalen um die Arbeitsbedingungen, halbgaren Eigen-Produkten wie Smartphone und TV-Box, Verschlechterung von Services (Prime) und der viel zu engen Verschmelzung im Onlineshop mit den Marketplace-Anbietern ergibt in Summe das aktuelle Ergebnis.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.