Amazon, Apple, Google, Facebook, Microsoft Wer knackt die Billion?

Amazon, Apple, Google, Facebook und Microsoft sind die fünf wertvollsten Unternehmen der Welt. Erste Wetten laufen, welcher Tech-Gigant die Eine-Billion-Dollar-Mauer durchbricht. Die Konzerne im Vergleich.

Apple-Chef Tim Cook
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Apple-Chef Tim Cook

Von und (Grafiken)


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Oktober 2001. Steve Jobs steht in einem Hörsaal der Apple-Zentrale und stellt den ersten MP3-Player seiner Firma vor. "Das ist das Weihnachtsgeschenk für den Mac-Besitzer schlechthin. Darauf bin ich richtig stolz", sagt Jobs, der wie immer ausgewaschene Jeans und ein schwarzes T-Shirt trägt. Doch Computerexperten sind nach der Präsentation skeptisch, Analysten zweifeln am Erfolg. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" schreibt am nächsten Tag vom "gewagten Einstieg in die Konsumelektronik". Zu diesem Zeitpunkt ist Apple ein Nischenanbieter für Computerfreaks: An der Wall Street kommt das Unternehmen auf einen Börsenwert von gerade einmal fünf Milliarden Dollar.

Heute, nur rund 16 Jahre später, ist die Dominanz der iPhone-Company erdrückend: Apple ist das wertvollste Unternehmen der Welt. Am Mittwoch stieg die Apple-Aktie gar auf ein neues Rekordhoch. Damit ist die Firma aus Cupertino erstmals mehr als 830 Milliarden wert. Mit dem neuen Höchststand kommt Apple an der Börse auf ein höheres Börsengewicht als die acht wertvollsten Unternehmen Deutschlands gemeinsam: SAP, Siemens, Bayer, Allianz, BASF, Deutsche Telekom, VW und Daimler kommen zusammen auf einen Wert von rund 780 Milliarden Dollar.

Logos der Tech-Konzerne
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Logos der Tech-Konzerne

Inzwischen laufen an der Wall Street Wetten, ob Apple schon bald die erste "Trillion Dollar Company" wird, eine Firma mit mehr als einer Billion Dollar Börsenwert. Doch auch weiteren Tech-Unternehmen werden in diesem Rennen gute Chancen ausgerechnet. Neben Apple gehören Amazon, Google (Alphabet), Facebook und Microsoft zu den fünf wertvollsten Unternehmen der Welt.

Die Tech Five im Vergleich:

1. Börsenwert

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Die fünf stammen alle aus den USA, und sie alle sind Tech-Unternehmen - ein Beleg für die Bedeutung des digitalen Wandels. Vor gut zehn Jahren waren unter den fünf wertvollsten Konzerne noch vier Öl- und Energiekonzerne, nur Microsoft war damals schon dabei.

Zusammen kommen Amazon, Apple, Google, Facebook und Microsoft auf einen Börsenwert von gut 3000 Milliarden Dollar - und sind damit doppelt so viel wert wie alle 30 Aktien im deutschen Leitindex Dax.

2. Umsatz und Gewinn

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Die Dominanz der Tech Five ist enorm, in ihren jeweiligen Geschäftsbereichen beherrschen sie den Markt nahezu komplett. Im vergangenen Jahr machte Apple allein mit seinem iPhone mehr Umsatz als der Autobauer BMW insgesamt.

Es gibt aber eine Reihe von Unternehmen, die noch höhere Umsätze erwirtschaften als Amazon, Apple und Co. Etwa Ölkonzerne und Banken. Für die Bewertung eines Unternehmens an der Börse sind aber Gewinn, Profitabilität und Wachstum wichtigere Kerngrößen als der reine Umsatz.

Kein anderes Unternehmen auf der Welt macht so viel Gewinn wie Apple. Das Unternehmen ist extrem profitabel und erzielt in seinem Smartphone-Geschäft Margen, von denen die Konkurrenz nur träumen kann.

Ganz anders sieht es bei Amazon aus: Das Unternehmen macht kaum Gewinn, weil Amazon-Chef Jeff Bezos hohe Expansionskosten in Kauf nimmt und kräftig in neue Geschäftsfelder (Video-Inhalte, Cloud-Computing, Lebensmittelhandel) investiert. Diese Ausgaben fressen den Gewinn auf, kurbeln jedoch den Umsatz an.

3. Profitmarge

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Facebook kann mit einer sehr hohen Profitmarge von 48,9 Prozent glänzen. Vereinfacht gesagt bedeutet das: Von jeden eingenommenen 100 Dollar verbleiben Facebook fast 50 Dollar als Gewinn. Bei großen Autoherstellern ist die Höhe der Umsatzrendite nicht einmal halb so hoch. Der Grund: Facebook hat in seinem Werbegeschäft vergleichsweise geringe Kosten und ist deshalb so profitabel.

4. Aktienkursentwicklung

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Die Kurse der Tech-Aktien sind in den vergangenen Jahren regelrecht explodiert, denn nahezu jeder große US-Aktienfonds ist in den fünf Unternehmen investiert. Der extreme Kursanstieg hat zu einer hohen Konzentration im Markt geführt. Finanzmarktexperten betrachten diese Entwicklung mit Sorge: Denn wenn viel Geld in einigen wenigen Unternehmen steckt, wird der Markt insgesamt fragiler. Schon ein geringer Kursrücksetzer der Unternehmen kann zu großen Verwerfungen an den Börsen führen und binnen Stunden Milliarden Dollar vernichten.

Sehen wir also gerade der nächsten Tech-Bubble beim Entstehen zu? Tatsächlich erinnern die Bewertungen der IT-Riesen stark an die Jahrtausendwende, als die sogenannte Dotcom-Blase platzte.

Doch viele Technologiekonzerne haben gerade erst angefangen, ihr enormes Potenzial auszuschöpfen. Wenn sich Maschinen erst in großem Stil miteinander vernetzen und Roboter zu Facharbeitern, Pflegekräften, Taxifahrern und Sprachassistenten werden, wird das Datenvolumen weiter anschwellen. Das Potenzial der neuen Giganten könnte also nicht über-, sondern sogar noch unterschätzt werden.

5. Kurs-Gewinn-Verhältnis

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Die fünf Konzerne liegen bei der Unternehmensgröße nah beieinander, sie werden aber von den Aktionären ganz unterschiedlich bewertet. Das zeigt der Blick auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis. Die Zahl setzt den Gewinn je Aktie ins Verhältnis zum Aktienkurs und ist vereinfacht gesagt der Preis einer Aktie. Je kleiner die Zahl, desto besser.

Bei der Amazon-Aktie liegt das KGV bei gigantischen 214. Zum Vergleich: Alle Aktien im Dax hatten in den vergangenen 30 Jahren im Durchschnitt ein KGV von 19. Der Grund für Amazons hohe KGV: Das Unternehmen macht vergleichsweise wenig Gewinn, weil es stark in neue Geschäftsfelder investiert. Trotzdem steigen seit Jahren die Kurse, weil Anleger an ein noch größeres Wachstum glauben.

Apple kommt derzeit auf einen Wert von 17, ist also erheblich günstiger bewertet und zahlt den Aktionären auch noch regelmäßig Dividenden.

Zusammengefasst: Die Kurse der Tech-Aktien sind in den vergangenen Jahren regelrecht explodiert - inzwischen sind Amazon, Apple, Google, Facebook und Microsoft die fünf wertvollsten Unternehmen der Welt. Für Apple stehen die Chancen gut, als erstes Unternehmen weltweit beim Börsenwert die Eine-Billion-Dollar-Marke zu knacken. Doch Experten betrachten die extremen Kursanstiege der Firmen mit Sorge, die Entstehung einer Blase könnte drohen.

Hinweis: Wir haben das KGV von Amazon und das KGV von Apple korrigiert.



insgesamt 91 Beiträge
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Seite 1
ChristianHofmann 05.08.2017
1. Glücksspiel
In meinen Augen ist das alles nur ein großes Glücksspiel, mehr nicht. Keine dieser Firmen ist auch nur ansatzweise eine Billionen Wert, zumal das eh Summen sind unter denen sich kein Mensch mehr was vorstellen könnte. Vor allem bei Firmen wie Facebook gibt es ja auch keinen echten Gegenwert für diese Geldsummen, wohingegen die anderen zumindest ein Produkt besitzen... Aber irgendwo muss das Geld ja landen das seit Jahren weltweit grenzenlos gedruckt wird.
mo.sokrates 05.08.2017
2.
Wieviele Leute beschäftigen diese? Wieviel Umsatz, viel Gewinn? Ist die Marktkapitalisierung gerechtfertigt, wenn man sie mit Daimler, BMW, VW und Siemens vergleicht?
W/Mutbürger 05.08.2017
3. Ist nur
eine Frage der Zeit, bis die Blase platzt. Siehe Dotcom-Blase 2000.
merapi22 05.08.2017
4. KI wird den Ausschlag geben und Alphabet gewinnen
In der Entwicklung von Künstlicher Intelligenz ist Google/Alphabet allen anderen weit voraus. Ohne KI wird bald gar nichts mehr gehen und Alphabet wird immer die neueste liefern. Gute möglich, dass sich die Aktie von Alphabet bis 2030 vertausendfacht = 1000 Euro jetzt anlegen und 2030 Millionär werden!
uhrentoaster 05.08.2017
5. Facebook
Den Erfolg des Unternehmens Facebook kann ich nicht nachvollziehen. Was treibt Menschen zu Facebook? Es gibt doch genügend andere Möglichkeiten, um mit anderen Menschen zu kommunizieren.
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