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Devise von Amazon-Chef Bezos: Milliarden verbrennen gehört zum Erfolg

Ein Plädoyer fürs Scheitern: Amazon-Chef Jeff Bezos hat freimütig bekannt, dass manche seiner Fehler zu Milliardenverlusten führten. Aber nur so könne Neues entstehen. Diese teure Strategie verprellt jedoch zunehmend Aktionäre.

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REUTERS

Amazon-Chef Bezos: "Ich habe Milliarden Dollar in den Sand gesetzt"

New York - Wenn Manager Fehler einräumen, dann steckt meist kein bloßer Drang zur Selbstgeißelung dahinter, sondern Strategie. Was also mag Amazon-Chef Jeff Bezos dazu bewogen haben, öffentlich Misserfolge einzugestehen?

Freimütig sprach der Konzernchef in New York über milliardenschwere Fehler bei der Führung des US-Versandhändlers. Allerdings hatte Bezos auch gleich eine Begründung parat, warum solche Fehlschläge einen Nutzen haben. Sie seien der Preis für kühne Experimente, die auch zu großen Erfolgen führten, sagte er.

"Ich habe bei Amazon Milliarden Dollar in den Sand gesetzt. Aber mein Job ist es, die Leute zu ermuntern, kühn zu sein. Und wenn du kühne Wetten eingehst, führt das zu Experimenten. Experimente tragen das Scheitern schon in sich." Ein paar große Erfolge machten aber "Aberdutzende von Sachen wett, die nicht funktioniert haben", sagte Bezos.

Dass der Manager versucht, seinen Fehlern einen Sinn zu geben, dürfte auch am Druck der Aktionäre liegen. Denn Bezos' aggressive Expansionsstrategie kann nur so lange funktionieren, wie Investoren an seinen Kurs glauben. Die Anleger hatten sich zuletzt aber verstimmt gezeigt. Im Oktober musste Bezos den größten Quartalsverlust bei Amazon seit 14 Jahren verkünden. Die Aktie seines Unternehmens stürzte daraufhin ab. Für das Winterquartal mit dem wichtigen Weihnachtsgeschäft mochte Amazon damals nicht einmal eine klare Prognose abgeben.

Viele Projekte, kein Gewinn in Sicht

Anders als Bezos sehen die Anleger Fehlschläge bei Amazon offenbar nicht als ideelle Bereicherung an. Als Pleite hat sich etwa Amazons Fire Phone erwiesen. Die Kunden wollten das Smartphone nicht, die Fachpresse lieferte schlechte Kritiken. Die Abschreibung auf die Lagerbestände des Smartphones kostete Amazon im dritten Quartal 437 Millionen Dollar.

Das Fire Phone kann seine Umgebung scannen und Produkte direkt im Onlineshop finden. Trotz des bisherigen Reinfalls mit dem Smartphone will Bezos es noch nicht aufgeben. Es sei noch zu früh für ein abschließendes Urteil, sagte er. "Manche Dinge brauchen Wiederholungen."

Letzterer Satz dürfte so manchem Aktionär wohl Unbehagen bereiten. Doch Bezos machte den Investoren auch Hoffnung. So gab er sich überzeugt, dass Amazon Chart zeigen profitabel sein könne. Das habe das Unternehmen bereits in der Vergangenheit gezeigt, sagte er. Amazon sei "eine Ansammlung mehrerer Unternehmen und Initiativen", einige seien profitabel, andere suchten noch nach ihrem Weg. Das erkläre auch die Schwankungen des Börsenkurses. Seit dem Rekordhoch von 407,50 Euro im Januar ist er um 20 Prozent gefallen.

Amazon hatte in den vergangenen Jahren in viele verschiedene Projekte investiert. Das Unternehmen brachte zuletzt außer dem Fire Phone auch die TV-Box Fire TV in Deutschland auf den Markt und erneuerte die Produktfamilien seiner Tablet-Computer sowie E-Book-Lesegeräte. Im Geschäft mit Cloud-Diensten wird der Wettbewerb mit Rivalen wie Google und Microsoft schärfer. Im vergangenen Quartal kaufte Amazon zudem für knapp eine Milliarde Dollar die Videowebsite Twitch, auf der Gamer Livemitschnitte vom Spielverlauf veröffentlichen können. Zuletzt gab es Gerüchte, dass der Konzern einen weiteren Streaming-Dienst startet. Manche Investoren fürchten offenbar, Bezos und der Konzern könnten sich in den vielen Aktivitäten verheddern.

Der Traum vom Leben im All

Amazon sei ein großer Konzern, "aber in vielerlei Hinsicht sind wir auch ein Start-up", erklärte Bezos. Zu neuen Initiativen gehört etwa die Idee, Post und Pakete mithilfe von Drohnen auszuliefern. Dieses Vorhaben ist jedoch kein Alleinstellungsmerkmal von Amazon. Auch Google und die Deutsche Post testen bereits die Zustellung mit Drohnen.

Allerdings will Bezos noch weit höher hinaus - ins All. Amazon-Aktionäre können aber aufatmen. Seinen großen Traum verfolgt Bezos offenbar mit privaten Mitteln. Er persönlich investiere in Weltraumprojekte, verriet er: "Ich möchte Millionen von Leuten im Weltraum leben und arbeiten sehen."

mmq/AFP

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insgesamt 48 Beiträge
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1.
thetruetoday 03.12.2014
Ich finde Amazon toll.
2. Schade,
dbrown 03.12.2014
daß niemand einsieht, wie Amazon alles kaputt macht. Der Mann lacht sich kaputt, weil mal 'ne Milliarde weg ist. Kein Wunder, zahlt dieser Typ so gut wie keine Steuern. Täte er dies, sähe seine Welt ganz anders aus. Und die seiner Kunden auch. Fazit: lokal einkaufen, ich bekomme alles auch woanders, auch ohne mich zu bewegen.
3. Hoffentlich
motzbrocken 03.12.2014
verkauft Amazon auch Drohnenabschussgeräte. Denn eines ist sicher: wenn Amazon und andere meinen, ihre Pakete per Drohne auszuliefern und diese Dinger über mein Grundstück fliegen, will ich die abschiessen können. Auch bin ich nicht bereit, die Lärmimissionen, die diese Dinger verursachen, zu akzeptieren. Oder diktiert heutzutage Amazon was legal ist? Die militärische Drohne bekommt nicht mal unbewaffnet eine Flugerlaubnis, Amazon darf dann aber?
4. Entrepreneur
Kapaun 03.12.2014
Bezos ist ein Entrepreneur im klassischen Sinne. Solche Leute findet man heutzutage praktisch nur noch in der IT-Branche - wir würden aber auch anderswo welche brauchen.
5.
MrBuddyCasino 03.12.2014
Diesen und ähnliche Artikel liest man seit 15 Jahren. Amazon könnte sofort profitabel sein, wenn sie das wollten. Selbst mit dem Firephone Debakel hätten sie sich einfach den Kauf von Twitch verkneifen müssen und in den schwarzen Zahlen zu bleiben. Haben sie aber nicht. Es ist doch besser in das eigene Wachstum zu investieren, sonst endet man wie Apple und muss das Geld den Aktionären in den Rachen schaufeln, weil man schlicht nicht mehr weiß wohin damit, ohne nachhaltigen Effekt.
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