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18. Februar 2013, 12:37 Uhr

Schikanierte Leiharbeiter

Amazon kündigt umstrittenem Sicherheitsdienst

Amazon zieht Konsequenzen aus dem Skandal um schikanierte Leiharbeiter in seinen Logistikzentren: Der weltgrößte Online-Händler hat einen umstrittenen Sicherheitsdienst gefeuert. Die Gewerkschaft Ver.di verhandelt zudem über einen Tarifvertrag für die festangestellten Mitarbeiter.

Frankfurt am Main - Dass zuletzt sogar Arbeitsministerin Ursula von der Leyen Aufklärung im Skandal um schikanierte Leiharbeiter bei Amazon verlangt hat, muss selbst dem weltgrößten Online-Versandhändler zu viel geworden sein: Das Unternehmen kündigte nun die Zusammenarbeit mit einem umstrittenen Sicherheitsdienst, wie süddeutsche.de berichtet.

Amazon bestätigte SPIEGEL ONLINE die Information: "Als verantwortungsvoller Arbeitgeber von rund 8000 festangestellten Logistikmitarbeitern hat Amazon eine Null-Toleranz-Grenze für Diskriminierung und Einschüchterung - und wir erwarten das Gleiche von allen Unternehmen, mit denen wir arbeiten", hieß es zur Begründung.

In der ARD-Reportage "Ausgeliefert - Leiharbeit bei Amazon" wurden Mitarbeiter des nun gekündigten Sicherheitsdienstes gezeigt, wie sie in Kleidung von Thor Steinar, die bei Rechtsextremisten beliebt ist, die Unterkünfte von ausländischen Leiharbeitern von Amazon überwachten - und sowohl das Filmteam als auch die Ausländer schikanierten. Im Film wurde zudem gezeigt, dass Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes auch Verbindungen in die Hooligan-, Rocker- und rechtsextremistische Szene haben. Das Unternehmen teilte mit, "politisch und weltanschaulich neutral" zu sein. Es kündigte an, den Vorwürfen nachgehen und daraus gegebenenfalls Konsequenzen ziehen zu wollen.

Der Bericht löste Empörung aus: Arbeitsministerin von der Leyen (CDU) drohte Leiharbeitsfirmen, die mit Amazon zusammenarbeiten, am Wochenende mit Lizenzentzug. Die SPD spricht von einem "handfesten Skandal". Der ARD-Film zeigte nicht nur das Zusammenspiel von Amazon, Arbeitsagenturen, Leiharbeitsfirma und Transportunternehmen, sondern alles, was damit zusammenhängt: Die beengten Verhältnisse, in denen die Leiharbeiter unterkommen. Oder die überfüllten Busse, die nur einmal pro Schicht fahren - sind sie verspätet, erhalten die Arbeiter weniger Lohn.

Zeitarbeitsbranche distanziert sich

Die Zeitarbeitsbranche verurteilte den Missbrauch. "Immer dort, wo illegale beziehungsweise unethische Machenschaften im Zusammenhang mit Zeitarbeitseinsätzen praktiziert werden, distanzieren wir uns ausdrücklich hiervon", teilte der Hauptgeschäftsführer des Interessenverbands Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (IGZ), Werner Stolz, am Montag mit. Die Mitglieder des Verbands hätten sich einem Ethik-Codex verpflichtet und arbeiteten zudem mit einer Schlichtungsstelle zusammen.

Die Gewerkschaft Ver.di teilte unterdessen mit, dass sie sich derzeit für höhere Löhne für die festangestellten Beschäftigten einsetze. An den Standorten Leipzig und Bad Hersfeld in Hessen hätten erste Gespräche mit dem US-Unternehmen stattgefunden, sagte der Frankfurter Ver.di-Sekretär Bernhard Schiederig. Man fühle sich stark genug, einen Tarifvertrag durchzusetzen.

Ver.di verlangt, dass Amazon den Flächentarifvertrag für den Einzelhandel anerkennt. Daraus würden sich deutlich höhere Stundenlöhne ergeben. Bislang orientiere sich das nicht tarifgebundene Unternehmen am Tarifvertrag für die Logistikbranche.

yes/dpa

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