Internetversandhändler Amazon plant neue Logistikzentren in Polen

Groß wie 13 Fußballfelder, bis zu 5000 Mitarbeiter: Amazon baut drei riesige Logistikzentren in Polen. Mit dem Tarifstreit in Deutschland hat das angeblich nichts zu tun, obwohl die neuen Zentren zunächst vor allem deutsche Kunden bedienen sollen.

Amazon-Zentrum in Bad Hersfeld: "Keine Pläne, Standorte zu schließen"
DPA

Amazon-Zentrum in Bad Hersfeld: "Keine Pläne, Standorte zu schließen"


Berlin - In Deutschland ringt Amazon derzeit mit den Arbeitnehmern um einen Tarifvertrag. Gerade erst drohte Verdi-Sekretär Heiner Reimann im SPIEGEL mit neuen Streiks: "Ich würde mich an Amazons Stelle nicht darauf verlassen, vor Weihnachten alle Kundenversprechen einhalten zu können."

Umso mehr lassen Pläne des Internetversandhändlers in Polen aufhorchen. Dort will Amazon Chart zeigen drei große Logistikzentren eröffnen, wie der Konzern am Montag mitteilte. Jedes der Zentren werde eine Fläche von rund 13 Fußballfeldern haben und binnen drei Jahren etwa 2000 Arbeiter sowie in Stoßzeiten jeweils 3000 Saisonkräfte beschäftigten. Zwei der Lager sollen bis August 2014 fertiggestellt sein, das dritte Mitte 2015.

Amazon betonte, es gehe nicht um eine Verlagerung von Logistik-Standorten aus Deutschland. Ziel sei der Ausbau des gesamten europäischen Geschäfts, sagte der für Europa zuständige Amazon-Manager Tim Collins. Polen sei wegen der günstigen geografischen Lage, der guten Anbindung und einer "großartigen Beschäftigten-Basis" ausgesucht worden, erklärte das Unternehmen.

Allerdings werden die neuen Logistikzentren zunächst hauptsächlich Kunden der deutschen Amazon-Seite bedienen und erst später Nutzer von allen europäischen Websites. Die polnische Zeitung "Puls Biznesu" hatte schon vor mehreren Tagen von den Plänen berichtet und geschrieben, Amazon wolle nach den Arbeitsniederlegungen in Deutschland einen Teil der Aktivitäten nach Osteuropa verlegen.

Amazon betreibt insgesamt acht Versandzentren in Deutschland. Zuletzt wurde ein neues Lager in Brieselang bei Berlin angekündigt. Dort sollen über die kommenden drei Jahre 1000 dauerhafte und bis zu 2000 saisonale Stellen geschaffen werden. Die Logistik-Infrastruktur in Deutschland werde also ebenfalls ausgebaut, sagte Collins. "Wir haben keine Pläne, Standorte zu schließen oder zu verlagern."

Verdi fordert für die deutschen Amazon-Beschäftigten einen Tarifvertrag nach den Konditionen des Einzel- und Versandhandels. Das US-Unternehmen orientiert sich dagegen nach eigenen Angaben an der Bezahlung in der Logistikbranche und lehnt die Aufnahme von Tarifverhandlungen ab. Der Konflikt schwelt seit Monaten. Zuletzt hatten mehrere hundert Amazon-Mitarbeiter im September in den Verteilerzentren in Leipzig und Bad Hersfeld zeitweise die Arbeit niedergelegt.

dab/dpa

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