Bericht über Einschüchterung Amazon zeigt Mitarbeitern Videos gefeuerter Kollegen

Packer bei Amazon müssen sich offenbar auf großen Bildschirmen Aufnahmen klauender Kollegen ansehen. Laut einem Medienbericht sollen die Mitschnitte abschrecken und einschüchtern.

Amazon-Logistikzentrum in Kalifornien (Archiv)
REUTERS

Amazon-Logistikzentrum in Kalifornien (Archiv)


Für elf frühere und aktuelle Packer sowie Überwacher war das Misstrauen des Amazon-Konzerns offenbar zu viel: Wie das Nachrichtenportal "Bloomberg Business" berichtet, enthüllten sie, dass der Online-Händler klauende Kollegen mit Videos an den Pranger stellt.

Auf großen Flachbildschirmen werden den Packern demnach Mitschnitte von Diebstählen gezeigt - inklusive genauer Beschreibung zum Diebesgut und den Geschichten der dann gefeuerten Kollegen.

So ließ ein Mitarbeiter offenbar Ware in seinen Socken verschwinden. Ein anderer soll Produkte einfach an die Adresse eines Komplizen anstatt an die des Bestellers geschickt haben.

Einige der anonymisierten Mitarbeiter seien auf den Bildschirmen mit "verhaftet" gekennzeichnet.

Diebstahl ist dem Bericht zufolge ein großes Problem für Amazon Chart zeigen. Schließlich hätten es schlechtbezahlte Mitarbeiter in den Hallen oft mit kleinen, aber wertvollen Gegenständen zu tun. Das hätten auch die Mitarbeiter bestätigt, die für die Geschichte auspackten.

Ob die befremdliche Art der Abschreckung hilft? Verglichen mit den niedrigen Gehältern und der Arbeitsbelastung seien die Videoaufnahmen der gefeuerten Kollegen ein eher kleines Problem, zitiert "Bloomberg" einen Packer aus dem US-Bundesstaat Kalifornien: "Es erinnert die Menschen schlicht daran, dass sie überwacht werden."

Gleichzeitig sei es - wie bei einem Autounfall - aber auch schwer, sich den Bildern zu entziehen. Es gehe bei jeder Aufführung darum zu sehen: "Wer war dieses Mal der Dumme?"

apr



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insgesamt 55 Beiträge
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silenced 08.03.2016
1.
Ich finde die Aktion gut, kann man nur begrüßen. Diebstahl ist wirklich ein SEHR großes Problem, auch im deutschen Einzelhandel, und ganz besonders in Baumärkten. Es ist zudem kein Kavaliersdelikt, das sollten sich viele hinter die Ohren schreiben. Wenn Amazon der Meinung ist, daß diese Art der Abschreckung funktioniert, dann kommt das Allen zugute. Dem Unternehmen, den Kunden und auch den Mitarbeitern. Weil solange immens viel gestohlen wird steht automatisch jeder Mitarbeiter unter Generalverdacht, ob man das will oder nicht.
Abel Frühstück 08.03.2016
2.
Ähnliche Motivationsvideos mit widerspenstigen Klienten und den folgenden Sanktionen werden ab August 2016 auch in einigen ausgewählten Job-Centern getestet.
ttvtt 08.03.2016
3. big brother is watching u
wenn man nun bedenkt, dass amazon auch dabei ist, zu entscheiden was wir lesen und bald auch was hier sehen, dazu diese total überwachung in seinen lagern und die datenüberwachung auf seinen servern... ja 1984 ist schon da....
querollo 08.03.2016
4. Willkommen in der Welt
Außerhalb der bürgerlichen Schutzzonen, in denen wir SPON-Leser gewöhnlich leben, gibt es eine rauhe Welt, die nicht nur für Amazon-Packer ganz normaler Alltag ist. Neulich habe ich in einem Drogeriemarkt einen Fettstift gekauft und ihn sofort nach dem Bezahlen ausgepackt, um ihn zu benutzen. Weil der einzige Mülleimer, der zu sehen war, hinter der Kasse stand, frage ich die Kassiererin "Würden Sie das wohl bitte für mich entsorgen?" und drücke ihr meinen Müll in die Hand. Sofort guckt sie mich an, als hätte sie etwas getan, was sie nicht tun sollte. "Brauchen Sie den Kassenzettel noch?" fragt sie und ich denke: 'Wie umsichtig, dass sie mir den ganzen Müll abnimmt' Ich drücke ihr den Bon in die Hand und höre sie sagen: "Danke, damit kann ich beweisen, dass ich das nicht genommen habe."
charlyspiegel 08.03.2016
5. Kavaliersdelikt?
Ist Klauen (Stehlen, Diebstahl) im Allgemeinen und im Speziellen bei Amazon jetzt ein Kavaliersdelikt? Dagegen wehr ich mich auch selbst, zuhause und unterwegs. Mit allen Mitteln, oder nicht? Und ich bin kein bedingungsloser Fan von Amazon...
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