AmazonSmile Wie Amazon bei Spenden spart

Amazon wirbt für ein neues Programm, mit dem es soziale Organisationen unterstützt. In Wirklichkeit konnten gemeinnützige Einrichtungen aber früher viel höhere Spenden über den Onlinehändler einsammeln.

Werbefoto für AmazonSmile
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Am Freitagmorgen hat Amazon sein Programm AmazonSmile in Deutschland und Österreich gestartet. Das Prinzip ist einfach: Kunden wählen vor dem Einkauf aus einer Liste eine von Tausenden sozialen Organisationen aus und Amazon überweist 0,5 Prozent der Kaufsumme an die Einrichtung. Einfacher geht es kaum, typisch für den Onlinehändler. "Einkaufen und dabei etwas Gutes tun passt zu unseren Kunden", sagte Amazon-Deutschland-Chef Ralf Kleber über den neuen Service zu SPIEGEL ONLINE.

In Wirklichkeit aber dürfte das Unternehmen auf diese Weise das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden - und künftig eher weniger Geld für Soziales ausschütten.

Schon bisher konnten soziale Einrichtungen nämlich Spendengelder von Amazon einsammeln - genauso einfach und anteilig sogar deutlich mehr als nun bei AmazonSmile. Der Weg ging über das sogenannte Affiliate-Marketing, eine Art Werbepartnerschaft mit Onlinehändlern. Dabei können Websites Produkte bewerben und Direktlinks zu Onlineshops legen, zum Beispiel zu Amazon. Auch bei SPIEGEL ONLINE gibt es entsprechende Links für Bücher.

Diese Partnerschaften gibt es seit Jahren, nicht nur bei Amazon, sondern auch beispielsweise beim Otto-Versand, der Bahn oder Zalando. Dabei handelt es sich um eine Art von bezahlter Werbung: Für jeden Kunden, der über die Direktlinks etwas kauft, bekommt die Website, von der er gekommen ist, eine Provision in Höhe von einem bis zehn Prozent der Kaufsumme.

Vor ein paar Jahren haben ein paar Organisationen die Chancen für soziale Einrichtungen erkannt und Charity-Shopping-Portale gegründet. Bei Websites wie Boost-Project, Gooding, Bildungsspender oder Schulengel können Kunden mit ihrem Einkauf über diese Affiliate-Links beispielsweise Umweltschützer, Hilfsorganisationen oder auch Schulen ihrer Wahl unterstützen. Denn die Portale überweisen die Provisionen von Amazon und anderen Onlinehändlern als Spenden weiter, ziehen aber einen Anteil von in der Regel rund zehn Prozent für die Betriebs- und Verwaltungskosten ab. Allein die beiden größten Portale sammelten auf diese Weise seit 2012 mehr als 2,6 Millionen Euro ein.

Amazon spielte in diesem Spendengeschäft die größte Rolle, insgesamt wurden rund 20 Prozent des Spendenaufkommens über Einkäufe bei dem Unternehmen erzielt. Das endete vor wenigen Wochen. Amazon kündigte die Zusammenarbeit mit den Charity-Shopping-Portalen zugunsten von AmazonSmile. Auch soziale Einrichtungen werden seither nicht mehr als Affiliate-Partner angenommen, sondern nur noch über den neuen Dienst unterstützt.

Benjamin Vahle, Gründer und Geschäftsführer von Boost-Project spricht von einer "Degradierung der sozialen Organisationen". Amazon stand bei seinem Portal zeitweise für 50 Prozent des Spendenaufkommens, nachdem das Unternehmen die Provision von 7,5 auf 2 Prozent gesenkt hatte, immer noch für rund ein Drittel - bei der neuen Quote von 0,5 Prozent sinkt der Anteil weiter.

Viele Organisationen dürften die Tragweite noch nicht begriffen haben. In seiner Pressemitteilung zitiert Amazon den Vorstandsvorsitzenden des Deutschen Roten Kreuz (DRK), Christian Reuter, mit der Aussage, er hoffe, "neue Unterstützergruppen zu erreichen". Auf Nachfrage teilte das DRK mit, man haben von der Kündigung der Affiliate-Partnerschaften nichts gewusst.

Das Kinder- und Jugendwerk "Die Arche", mit dessen Kindern AmazonSmile auf Fotos wirbt, sieht Amazons Rückzieher beim Affiliate-Programm gelassen. Man könne einem Unternehmen schließlich nicht vorschreiben, wie viel es spenden soll.

Ob und wie viel Geld Amazon mit dem neuen Service spart, wollte das Unternehmen auf Nachfrage nicht beantworten.



insgesamt 21 Beiträge
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Seite 1
falco1001 12.11.2016
1. Fortschritt
So wie es jetzt ist, ist es jedenfalls besser und demokratischer, man kann sich die Organisation aussuchen.
horst67 12.11.2016
2. Eigentlich logisch
Gedacht waren diese Programme ja eigentlich für Websites, die damit Werbung für Amazon machten und ihnen so neue Kunden zuführten. Bei den Websites der Charitys haben wollten die Leute ja von Anfang an einkaufen und haben den Umweg über die Charitys genommen, um so auf Kosten von Amazon - die zahlten ja die Provision etwas gutes zu tun. Kann schon verstehen, dass Amazon das nicht so toll findet.
sozialismusfürreiche 12.11.2016
3. Ihr Kommentar ist einzuordnen unter ...
Ihr Kommentar ist das absolut niedrigste was ich seit langem hier gelesen habe. Pfui Teufel.
Nonvaio01 12.11.2016
4. und?
was soll das gemecker. Charity ist ueberfluessig, wuerden unsere Politiker wirklich das wohl der buerger im sinn haben, braeuchte es keine charity.
i.dietz 12.11.2016
5. Spenden
besser vor Ort - da hat man eher einen Überblick, was mit den Spendengeldern (Geld- o. Sachleistungen) finanziert wird. Es gibt so viel zu tun vor Ort !
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