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Anbauverbot: US-Gericht stoppt Gen-Zuckerrüben

95 Prozent der in den USA angebauten Zuckerrüben sind genmodifiziert. Die Genehmigung dafür hat die Regierung vorschnell erteilt, entschied jetzt ein Gericht - und hat den weiteren Anbau der Gen-Rüben verboten. Der Biotechnologiekonzern Monsanto fürchet Einbußen in Milliardenhöhe.

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Zuckerrüben: Monsanto arbeitet am Super-Saatgut

San Francisco - Mehr als die Hälfte des Zuckerbedarfs in den USA wird durch Zuckerrüben gedeckt - und die sind praktisch alle genmodifiziert. Ein US-Gericht hat jetzt den weiteren Anbau von genetisch veränderten Zuckerrüben des Biotechnologiekonzerns Monsanto untersagt. Bei der Genehmigung der Pflanzensorte durch das Landwirtschaftsministerium seien die Folgen für die Umwelt nicht angemessen überprüft worden, erklärte Richter Jeffrey White am Freitag.

Das Anbauverbot gilt nur für Neu-Anpflanzungen. Bisher angebaute Pflanzen der Sorte dürfen weiterhin genutzt und geerntet werden. Auch nichtgenmodifizierte Sorten sind weiter erhältlich, so dass Experten zufolge die Zuckerproduktion nicht dramatisch von der Entscheidung beeinflusst wird. Noch vor zwei Jahren sei unmodifiziertes Saatgut weit verbreitet gewesen. Die Zuckerindustrie warnte jedoch davor, dass womöglich nicht genug Saatgut ohne Genmodifikationen verfügbar sei.

Die Entscheidung bedeutet einen Rückschlag für Monsanto. Nach Angaben des Unternehmens droht ein Widerruf der Anbaugenehmigung den Konzern und seine Kunden in den Jahren 2011 und 2012 rund zwei Milliarden Dollar zu kosten. Bis die Gen-Rüben in den USA erneut genehmigt sind, könnten Jahre vergehen. BASF arbeitet mit Monsanto bei der Entwicklung von gentechnisch verändertem Mais, Raps, Weizen sowie Soja und Baumwolle zusammen. In Deutschland entwickelt BASF mit der Firma KWS genmodifizierte Zuckerrüben.

Richter White hatte erklärt, es sei rechtlich unklar, ob er ökonomische Faktoren überhaupt in das Urteil einbeziehen könne. Aber selbst wenn, so habe das Landwirtschaftsministerium nicht dargelegt, dass ein Verbot der Gen-Saat gravierende Folgen haben könnte. Laut US-Regierung hat die Zuckerrüben-Ernte einen Wert von rund 1,3 Milliarden Dollar. Farmer zeigten sich erleichtert, dass zumindest ihre diesjährige Ernte nicht in Gefahr ist.

Bereits 2009 hatte White Mängel bei der Genehmigung in einem Urteil kritisiert, das Verbot ist eine Folge der damaligen Entscheidung. Das Landwirtschaftsministerium kündigte an, nun die nächsten Schritte zu prüfen. Auch Monsanto will die Konsequenzen des Urteils vor der nächsten Aussaat im Frühjahr 2011 klären. In einem ähnlichen Fall hatte die Regierung nach einem gerichtlichen Verbot eine Teilgenehmigung aussprechen können.

Angestrengt wurde der Prozess von Umweltschützern, denen zu Folge für die genveränderten Zuckerrüben mehr Unkrautvernichtungsmittel eingesetzt werden als für herkömmliche Sorten.

ore/Reuters

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 19 Beiträge
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1. Wetten, dass...
maipiu 14.08.2010
das Unkrautvernichtungsmittel auch von Monsanto produziert wird?
2. Einzig der Maximalprofit...
wasissn, 14.08.2010
...einiger weniger Konzerne wie Monsanto und BASF (und die dahinter steckenden mit ihrer Wohltätigkeit die Menschheit beglückenden Milliardäre) will und braucht genveränderte Lebensmittel und Pflanzen oder sogar Retorten-Tiere. Aber für diese Profitgier einiger Weniger hat die Menschheit schon viel mehr Opfer bringen müssen und muss sie weiter bringen. An aktuellen Beispielen mangelt es leider nicht.
3. Deutung des Schadens
avollmer 14.08.2010
Soll das heißen, dass Monsanto beim Einsatz der genveränderten Saaten derart viel Pflanzenschutzmittel zusätzlich absetzen kann, dass ein zusätzlicher Jahresgewinn von 1 Milliarde Dollar entsteht. Das macht irgendwie keinen Sinn, dazu müssten sie einen Umsatz von 3-5 Milliarden Dollar mit Pflanzenschutzmittel machen und das bei einem Erntevolumen von 1,3 Milliarden Dollar. Bei diesem Erntevolumen sind Pflanzenschutzaufwendungen in Höhe von maximal 100 Millionen Dollar erwartbar, daraus lässt sich bei Verringerung des Einsatzes auf die Hälfte ein Umsatzausfall von 50 Millionen und ein Gewinnausfall von 10-20 Millionen erwarten. Das wäre dann der Schaden für die Monsanto-Aktionäre. Irgendwie passt da alles nicht zusammen. Hat jemand die richtigen Zahlen und kann das aufschlüsseln?
4. Nicht nur wetten
shadowhawk 14.08.2010
Zitat von maipiudas Unkrautvernichtungsmittel auch von Monsanto produziert wird?
Das ist so, Monsanto produziert genmodifizierte Pflanzen, die durch Roundup (so heisst der Markenname für das Herbizid von Monsanto) nicht geschädigt werden.
5. Ein wenig Information
kurtwied, 14.08.2010
Zehn populären Irrtümer über die Gen-Technik "Eine natürliche Kartoffel oder einen wilden Apfel kann man nicht essen. Viele der Ahnen unserer Kulturpflanzen enthalten sogar lebensgefährliche Gifte. Um sie essbar zu machen begannen die Menschen vor cirka 10 000 Jahren durch Zucht ihr Erbgut zu verändern. Oftmals so stark, dass unsere heutiges Getreide, Obst und Gemüse keinerlei Ähnlichkeit mehr mit den Ursprungspflanzen besitzt. (...)" http://www.welt.de/politik/article3583627/Zehn-populaere-Irrtuemer-ueber-die-Gentechnik.html
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Im Überblick: Die Bestimmungen des Gentechnik-Gesetzes
Anbau
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Der Anbau von Gentech-Pflanzen beschränkt sich in Deutschland zur Zeit auf die Kartoffelsorte "Amflora" des Chemiekonzerns BASF. Das für die Produktion von industriell verwendeter Kartoffelstärke optimierte Nachtschattengewächs wächst in Mecklenburg-Vorpommern auf einem 15-Hektar-Feld. Daneben finden auch 2010 zahlreiche experimentelle Freisetzungen statt: Auf insgesamt 13 Hektar gedeihen gentechnisch veränderte Zuckerrüben, Mais- und Weizenpflanzen, die von Firmen und Universitäten im Freiland getestet werden, aber nicht kommerziell genutzt werden dürfen. Im Jahr 2008 wurde in Deutschland auf rund 3200 Hektar gentechnisch veränderter Mais des US-Saatgutkonzerns Monsanto angebaut (MON810) - 99 Prozent davon in Ostdeutschland. Der Gentech-Anteil an der gesamten Maisanbaufläche lag bei nur 0,15 Prozent. Seit April 2009 ist der MON810-Anbau in Deutschland verboten. Der umstrittene Gen-Mais soll besser vor dem Schädling Maiszünsler geschützt sein.
Gesetze
Über die Zulassung gentechnisch veränderter Pflanzen entscheidet zunächst die EU-Kommission. Die endgültige Freigabe in Deutschland liegt beim Bundesministerium für Verbraucherschutz. Sind die Erbgutveränderungen in der neuen Pflanze genetisch stabil und besitzen Vorteile gegenüber bestehenden Sorten, kann das Saatgut zur kommerziellen Nutzung freigegeben werden. Obwohl kleinere Mengen genmanipulierter Pflanzen seit 1998 probeweise angebaut wurden, hat das Bundessortenamt erst 2005 mehrere Variationen der Maissorte MON 810 für den unbegrenzten Anbau zugelassen. Für die Gen-Kartoffel "Amflora" ist dagegen keine Zulassung der deutschen Behörden notwendig, weil sie nur von Vertragspartnern des Konzerns angebaut und nicht auf dem freien Markt gehandelt werden soll.
Reform
Nach monatelangem Streit hat sich die große Koalition im Juli auf neue Regeln zum Anbau von genetische veränderten Organismen (GVO) verständigt. Der Mindestabstand zwischen normalen Feldern und solchen mit genetisch verändertem Saatgut soll auf 150 Meter, beim Öko-Anbau auf 300 Meter festgelegt werden. Zudem sollen die Kriterien zur Kennzeichnung von Lebensmitteln ohne Gentechnik gelockert werden, der genaue Schwellenwert genetischer Verunreinigung ist aber noch strittig. Das Standortregister mit genauen Ortsinformationen über Anbauflächen von Genpflanzen soll entgegen früherer Planung nicht eingeschränkt werden. Auch die Haftung bei genetischer Verunreinigung benachbarter Anbauflächen soll unverändert bleiben: Wer Genpflanzen sät, muss im Schadensfall unabhängig vom Verschulden haften, wenn kein Verursacher gefunden wird. Die Haftung greift jedoch erst bei einem Anteil genveränderter Stoffe von mehr als 0,9 Prozent.
Kritik
Kritiker der Gesetzreform bemängeln, dass die Abstandsregelungen zwischen normalen und gentechnisch veränderten Anbauflächen im Einvernehmen zwischen Bauern außer Kraft gesetzt werden können. Selbst Erntemaschinen und Verarbeitungsanlagen könnten demnach gemeinsam benutzt werden, wenn beide Nachbarn einverstanden sind. Zudem halten Umweltverbände und Teile der Opposition die Abstände von 150 bzw. 300 Meter für zu gering, um eine Weiterverbreitung der Genpflanzen zu verhindern. Sollte der kontrollierte Anbau des manipulierten Saatguts scheitern, sah das bisherige Gesetz außerdem einen Stopp der kommerziellen Nutzung vor. Diese Regelung ist in dem neuen Gesetzentwurf nicht mehr enthalten.

Hintergrund
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Evolution
Die Veränderung des Erbguts und damit des Phänotyps von Individuen von Generation zu Generation.
Population
Eine Gruppe von Organismen einer Art oder auch verschiedener Arten (Mischpopulation) an einer bestimmten Örtlichkeit.
Phänotyp
Das Erscheinungsbild eines Individuums ist die Gesamtheit der durch die Erbanlagen (Genotyp) und die Einflüsse der Umwelt sich ausprägenden Merkmale eines Lebewesens.
genetische Variabilität
Die einzelnen Individuen einer Art besitzen genetische Unterschiede.
natürliche Selektion
Das Erbgut von Individuen einer Art wird nicht mit gleicher Wahrscheinlichkeit weiter gegeben. Manche Individuen einer Population vermehren sich stärker als andere - je nachdem wie überlebenstüchtig sie in einer bestimmten Umwelt sind. Selektionsfaktoren der Umwelt üben eine natürliche Selektion aus.
sexuelle Selektion
Ein Individuum bevorzugt bei seiner Partnerwahl bestimmte Merkmale. Dadurch haben nicht alle potentiellen Sexualpartner die gleichen Chancen zur Fortpflanzung, es findet somit eine Selektion statt. Die Erbanlagen, die die Merkmale hervorbringen, die fr die Partnerwahl entscheidend waren, werden dadurch weiter gegeben.
künstliche Selektion
Vom Mensch gewünschte Eigenschaften werden durch Selektion und Zucht einzelner Individuen gezielt vermehrt.
genetische Drift
Auch Gendrift genannt. Vorgang bei der Evolution, der zu einer Veränderung im Genbestand kleiner Teilpopulationen gegenüber der Ausgangspopulation führt. Je kleiner eine Population ist, umso leichter kann der Zufall eine vom allgemeinen Durchschnitt abweichende Kombination von Genen zusammenführen. Gelangen beispielsweise nur wenige Individuen einer Art in ein isoliertes Gebiet (Insel, abgeschnittenes Gebirgstal), so können sich nun von ihrem Selektionswert unabhängige Mutationen aufgrund des Zufalls durchsetzen oder verlorengehen. Dies kann zu Formen führen, die in einzelnen Merkmalen nicht angepasst sind (beispielsweise auffällige Färbung, die sie als Beutetiere mehr gefährdet). Der Wirkungsgrad der Gendrift kann durch die mathematische Statistik erfasst werden.

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