Von Stefan Schultz
Hamburg - Riskante und enorm teure Übernahmen gibt es in der IT-Branche immer wieder. Doch die Übernahme von Instagram durch Facebook ist selbst für diese Verhältnisse noch spektakulär.
Oberflächlich betrachtet ähnelt die Übernahme anderen Milliarden-Deals. Zum Beispiel dem Kauf von YouTube durch Google
im Oktober 2006. Oder dem Kauf von MySpace durch den Medienkonzern News Corp. im Juli 2005.
Das Schema ist stets dasselbe: Ein Tech-Konzern mit großen Barreserven sieht die Chance, einen potentiellen Milliardenmarkt zu besetzen oder sich möglichst große Marktanteile zu sichern. Dafür geht er ein hohes Risiko ein, er zahlt dafür einen hohen Preis. Google etwa blätterte 1,65 Milliarden Dollar für YouTube hin, obwohl der Videodienst seinerzeit kaum Gewinn machte.
Der Instagram-Deal toppt das noch. Die Foto-App macht weder Gewinn noch Umsatz. Die App, mit der man Schnappschüsse machen, diese mit Digitaleffekten versehen und an soziale Netzwerke weiterleiten kann, ist gratis und werbefrei. Eine Milliarde Dollar für eine App und ein gutes Dutzend Entwickler: Das ist ein stolzer Preis.
Zumal der Käufer diesmal kein großer Konzern à la Google oder News Corp. ist. Facebook selbst ist ebenfalls eine Risikoinvestition - ein Unternehmen, das bei seinem Börsengang nur deshalb auf Multi-Milliarden-Dollar-Einnahmen hoffen darf, weil seine potentiellen Investoren darauf hoffen, dass es seinen Gewinn und Umsatz in den kommenden Jahren kräftig steigern wird.
Jahresgewinn für eine App
Wie riskant Facebooks Übernahme ist, zeigt auch folgender Vergleich: Als News Corp. MySpace übernahm, machte der Medienkonzern rund 24 Milliarden Dollar Umsatz und mehr als zwei Milliarden Dollar Gewinn. Die MySpace-Übernahme kostete News Corp. rund ein Viertel seiner Jahreseinnahmen und entsprach rund 2,5 Prozent des Gesamtumsatzes.
Facebook wies für 2011 einen Nettogewinn von einer Milliarde Dollar und einen Umsatz von 3,7 Milliarden Dollar aus. Das soziale Netzwerk investiert also seinen kompletten Jahresgewinn in eine App. Der Deal entspricht rund einem Viertel des gesamten Umsatzes des Unternehmens.
Potential hat Instagram durchaus: Viele seiner rund 30 Millionen Nutzer kombinieren ihre Schnappschüsse mit Ortsmarken und weiteren ortsbezogenen Informationen. Solche Dienste, auch location based services genannt, werden strategisch immer wichtiger. Werbung und Service-Angebote lassen sich durch sie immer besser auf Orte, Tageszeiten und die aktuellen Aktivitäten der Nutzer abstimmen. Die Erlöse aus solchen Anwendungen werden nach Schätzungen des Marktforschungsinstituts Gartner bis 2015 auf 13,5 Milliarden Dollar steigen. Gut möglich aber auch, dass der Instagram-Kauf sich für Facebook als teurer Flop herausstellt.
Klar ist bis jetzt nur eines: Schon vor seinem Börsengang hat sich Facebook einen Platz in der Galerie der größten IT-Merger gesichert. Und ein Blick in die Branchenhistorie zeigt: Es gab schon viele spektakuläre Übernahmen, aber längst nicht jede war erfolgreich.
Eine Übersicht der Tops und Flops finden Sie hier .
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