Wirtschaft

US-Botschafter-Treffen mit Autobossen

"Wir sind doch keine Bananenrepublik!"

SPD-Chefin Nahles ist verärgert über das Treffen deutscher Autokonzernchefs mit dem US-amerikanischen Botschafter Grenell. Verhandlungen über Zölle seien Sache der zuständigen Minister.

REUTERS

Andrea Nahles

Sonntag, 08.07.2018   09:42 Uhr

Das Treffen von Top-Managern der deutschen Autoindustrie mit US-Botschafter Richard Grenell über den drohenden Handelskrieg empört Andrea Nahles. "Mir ist neu, dass Botschafter über derlei Fragen verhandeln. Was sind das für Methoden?", fragte die SPD-Parteichefin in der "Welt am Sonntag".

Grenell solle lernen, was seine Rolle ist, sagte sie der Zeitung. "Wenn die amerikanische Regierung mit uns über Zölle reden will, ist das eine Sache zwischen dem Handelsminister in Washington und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier. Wir sind doch keine Bananenrepublik!"

Die deutschen Manager hatten nach Informationen aus Industriekreisen deutlich gemacht, dass sie sich auch einen Abbau der hohen europäischen Zölle auf Autos aus den USA vorstellen könnten. Diese EU-Zölle belasten heute auch deutsche Autos, die in den USA gebaut und nach Europa importiert werden.

An dem Treffen in Berlin auf Einladung Grenells nahmen demnach die Vorstandschefs Herbert Diess (VW), Dieter Zetsche (Daimler), Harald Krüger (BMW) und Elmar Degenhart (Continental) sowie der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Bernhard Mattes, teil. Zuvor hatte das "Handelsblatt" darüber berichtet. Unternehmenssprecher wollten sich nicht dazu äußern.

Grenell und mehrere Automanager hatten bereits am 6. Juni bei einer VDA-Vorstandssitzung miteinander gesprochen. US-Präsident Donald Trump hat der EU mit 20 Prozent Importzoll auf Autos und Autoteile gedroht. Das würde deutsche Hersteller besonders treffen. Die EU wiederum droht den USA mit Vergeltungsmaßnahmen, die Milliardenschäden für die US-Wirtschaft bedeuten könnten.

Auch US-Hersteller produzieren international

Bei den großen amerikanischen Autokonzernen - Ford, General Motors und Fiat Chrysler - kommt die Hilfe, die ihnen der US-Präsident vermeintlich zukommen lassen will, nicht gut an. Sie sind ebenso globalisiert wie ihre europäischen Konkurrenten Volkswagen und BMW. General Motors fürchtet, dass die Zölle, statt Amerika großzumachen,"GM verkleinern" würden.

Für die gesamte Branche steht ein Geschäftsmodell auf dem Spiel, wenn Autos nicht mehr wie heutzutage üblich innerhalb eines weltumspannenden Netzwerks produziert werden können. Das F-Modell von Ford zum Beispiel, ein Pick-up, der wie kein zweites Auto die amerikanische Lebensart verkörpert, besteht zu rund 30 Prozent aus Teilen, die außerhalb der USA gefertigt werden. General Motors importiert ein Drittel seiner Komponenten aus Mexiko und Kanada.

So viel teurer würden Autos werden

Nach Berechnung des American Automotive Policy Council würden die Autozölle die Branche 48 Milliarden Dollar kosten und die Zölle auf Vorprodukte weitere 35 Milliarden Dollar. Ein zu etwa zwei Dritteln in den USA gebautes Auto würde dort auf einen Schlag etwa 2000 Dollar teurer. Ein Importauto müsste bei 25 Prozent Zoll im Schnitt 5800 Dollar mehr kosten.

Ein Zoll-Deal nur für Autos, so wie ihn Grenell im Auftrag seines Präsidenten nun vorgeschlagen hat,könnte zudem für Unfrieden sorgen, wenn er nicht allein für fertig montierte Pkw gilt. "Die Zulieferer müssten einbezogen werden", sagt IfW-Experte Langhammer. Das aber dürfte insbesondere in osteuropäischen EU-Ländern für Unruhe sorgen, von wo bislang ein Großteil der Zulieferungen für deutsche Autobauer kommt.

mak/dpa

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