US-Botschafter-Treffen mit Autobossen "Wir sind doch keine Bananenrepublik!"

SPD-Chefin Nahles ist verärgert über das Treffen deutscher Autokonzernchefs mit dem US-amerikanischen Botschafter Grenell. Verhandlungen über Zölle seien Sache der zuständigen Minister.

Andrea Nahles
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Das Treffen von Top-Managern der deutschen Autoindustrie mit US-Botschafter Richard Grenell über den drohenden Handelskrieg empört Andrea Nahles. "Mir ist neu, dass Botschafter über derlei Fragen verhandeln. Was sind das für Methoden?", fragte die SPD-Parteichefin in der "Welt am Sonntag".

Grenell solle lernen, was seine Rolle ist, sagte sie der Zeitung. "Wenn die amerikanische Regierung mit uns über Zölle reden will, ist das eine Sache zwischen dem Handelsminister in Washington und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier. Wir sind doch keine Bananenrepublik!"

Die deutschen Manager hatten nach Informationen aus Industriekreisen deutlich gemacht, dass sie sich auch einen Abbau der hohen europäischen Zölle auf Autos aus den USA vorstellen könnten. Diese EU-Zölle belasten heute auch deutsche Autos, die in den USA gebaut und nach Europa importiert werden.

An dem Treffen in Berlin auf Einladung Grenells nahmen demnach die Vorstandschefs Herbert Diess (VW), Dieter Zetsche (Daimler), Harald Krüger (BMW) und Elmar Degenhart (Continental) sowie der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Bernhard Mattes, teil. Zuvor hatte das "Handelsblatt" darüber berichtet. Unternehmenssprecher wollten sich nicht dazu äußern.

Grenell und mehrere Automanager hatten bereits am 6. Juni bei einer VDA-Vorstandssitzung miteinander gesprochen. US-Präsident Donald Trump hat der EU mit 20 Prozent Importzoll auf Autos und Autoteile gedroht. Das würde deutsche Hersteller besonders treffen. Die EU wiederum droht den USA mit Vergeltungsmaßnahmen, die Milliardenschäden für die US-Wirtschaft bedeuten könnten.

Auch US-Hersteller produzieren international

Bei den großen amerikanischen Autokonzernen - Ford, General Motors und Fiat Chrysler - kommt die Hilfe, die ihnen der US-Präsident vermeintlich zukommen lassen will, nicht gut an. Sie sind ebenso globalisiert wie ihre europäischen Konkurrenten Volkswagen und BMW. General Motors fürchtet, dass die Zölle, statt Amerika großzumachen,"GM verkleinern" würden.

Für die gesamte Branche steht ein Geschäftsmodell auf dem Spiel, wenn Autos nicht mehr wie heutzutage üblich innerhalb eines weltumspannenden Netzwerks produziert werden können. Das F-Modell von Ford zum Beispiel, ein Pick-up, der wie kein zweites Auto die amerikanische Lebensart verkörpert, besteht zu rund 30 Prozent aus Teilen, die außerhalb der USA gefertigt werden. General Motors importiert ein Drittel seiner Komponenten aus Mexiko und Kanada.

So viel teurer würden Autos werden

Nach Berechnung des American Automotive Policy Council würden die Autozölle die Branche 48 Milliarden Dollar kosten und die Zölle auf Vorprodukte weitere 35 Milliarden Dollar. Ein zu etwa zwei Dritteln in den USA gebautes Auto würde dort auf einen Schlag etwa 2000 Dollar teurer. Ein Importauto müsste bei 25 Prozent Zoll im Schnitt 5800 Dollar mehr kosten.

Ein Zoll-Deal nur für Autos, so wie ihn Grenell im Auftrag seines Präsidenten nun vorgeschlagen hat,könnte zudem für Unfrieden sorgen, wenn er nicht allein für fertig montierte Pkw gilt. "Die Zulieferer müssten einbezogen werden", sagt IfW-Experte Langhammer. Das aber dürfte insbesondere in osteuropäischen EU-Ländern für Unruhe sorgen, von wo bislang ein Großteil der Zulieferungen für deutsche Autobauer kommt.

mak/dpa

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dermarkusb 08.07.2018
1. Soso, die zuständigen Minister...
Ist es verwunderlich, dass die Industrie die Sache selbst in die Hand nimmt, nachdem die zuständigen Minister nicht in der Lage sind, irgendwas in Hinblick auf den Zoll-Wahnsinn zu unternehmen? Gerade die SPD als angebliche Vertreterin der kleinen Leute sollte daran interessiert sein, dass Arbeitsplätze in der Autoindustrie erhalten bleiben. Denn soviel steht fest: Wenn die US-Zölle kommen, sind für unsere heimische Industrie die fetten Jahre vorbei und die Arbeitslosigkeit wird massiv steigen.
noway2go 08.07.2018
2. Wir sind doch keine Bananenrepublik
Doch, liebe Andrea, genau das sind wir! Quod erat demonstrandum. Und übrigens sind es auch die Schröders (zur Erinnerung: SPD) oder Schulz ( beabsichtigter gut bezahlter Laberjob in Brüssel: SPD), die es sinnvoller machen, solche Verhandlungen von Fachleuten ohne wirtschaftliche Interessen (!?!) vornehmen zu lassen. (Lieber SPIEGEL, bitte erkennt den Zynismus). Da halte ich mir als Wirtschaftsboß doch ein oder zwei Leerer (absichtlich falsch von Lehrer abgeleitet) in der Politik, die meine Lobbyarbeit für mich machen... Schönes Neues Deutschland
oliver_kreuzzer 08.07.2018
3. Vielleicht noch nicht ...
Villeicht sind wir noch keine Bananenrepublik. Aber viel fehlt nicht mehr. Man schaue sich nur mal an, was beispielsweise auf abgeordnetenwatch.de so an Beziehungen, Seilschaften, Geschachere ... Lobbyismus aufgedeckt wurde und wird. Von den Rechts- und Vertragsbrüchen durch die Bundesregierung will ich erst gar nicht anfangen. Das schadet meiner Gesundheit.
Der_zu_spät_geborene 08.07.2018
4. "Wir sind doch keine Bananenrepublik!"
EXAKT das sind wir, zum großen Teil auch wegen der SPD. Die Klientelpolitik die die SPD auf der einen Seite seit Jahrzehnten für Migranten/Ausländer betreibt, betreibt die CDU eben auf der anderen Seite. Ergebnis: das Land geht den Bach runter. Die (Welt) Wirtschaft hat nen Vertreter Ihres Mantra "mehrmehrmehr" im weissen Haus sitzen, da ist es nur Folgerichtig das direkt verhandelt wird. Mit den bestenfalls mittelmässigen Vertretern der "Volksparteien" brauchen die sich nicht wirklich zu treffen wenn es Ergebnisse oder zumindest Klarheit geben soll, wos Kapital hinsoll. MIt geifernden "Haut Sie auf die Fresse" - Leuten sprechen die Vertreter der Wirtschaft eher ungern.
traumglauben 08.07.2018
5. Bitte keine Invasoren-Mentalität
Der Herr Botschafter gehört dringend einbestellt. Es muss ihm klar gemacht werden, dass dies eine Einmischung in Innere Angelegenheiten ist und dass wir uns das definitiv verbeten. Zumal das nicht seine erste Entgleisung ist. Aber er hatte es ja schon formuliert, dass er die Rechten in Europa stärken und die EU schwächen will. Deshab gehört hier unbedingt eingeschritten und Herr Botschafter nach Hause geschickt. Und die Firmen, die so schön mit ihm geküngelt haben, sollten mal darüber nachdenken, dass Trump und Konsorten nur auf Zerstörung aus sind. Das geht zum Beispiel ganz schnell mit wunderbaren Prozessen, die enorme Strafen nach sich ziehen etc. pp, Verhaftung von Managern, besonders hohe Auflagen usw. Zölle sind anderweitig geregelt, um genau solche "Meetings" zu vermeiden. Und sollten die Herren Vorstände der Meinung sein, noch ein Treffen sei angebracht, sollte der Tatbestand des Landesverrats geprüft werden.
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