Attacke auf Android EU wirft Google Missbrauch seiner Marktmacht vor

Die EU-Kommission hat ihr Wettbewerbsverfahren gegen den US-Internetkonzern Google verschärft. Dabei geht es um Android, das meistbenutzte Smartphone-System der Welt.

Android-Maskottchen in der Google-Zentrale in Mountain View
DPA

Android-Maskottchen in der Google-Zentrale in Mountain View


Die EU-Wettbewerbshüter weiten ihr Verfahren gegen Google aus und nehmen nun auch das Betriebssystem Android unter die Lupe: Das US-Unternehmen missbrauche nach vorläufigen Erkenntnissen seine marktbeherrschende Stellung, indem es Herstellern von Android-Geräten und Betreibern von Mobilfunknetzen Beschränkungen auferlege, teilte die EU-Kommission mit. Sie schickte deshalb ein Schreiben mit den Beschwerdepunkten an Google. Die Mitteilung ist die erste Stufe in dem Verfahren, an dessen Ende eine milliardenschwere Strafe stehen kann.

"Unsere bisherigen Ermittlungen lassen darauf schließen, dass Google durch sein Verhalten den Verbrauchern eine größere Auswahl an mobilen Anwendungen und Dienstleistungen vorenthält, Innovationen anderer Unternehmen bremst und damit gegen die EU-Kartellvorschriften verstößt", sagte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. Beispielsweise baue Google der Kommission zufolge seine marktbeherrschende Stellung bei der Internetsuche aus: Die Google-Suche sei auf den meisten in Europa verkauften Android-Geräten vorinstalliert. Konkurrenten werde so der Marktzugang versperrt.

Google wies die Vorwürfe zurück. Kent Walk, Chef-Justiziar des Unternehmens, sagte, Android habe zur Entstehung eines breiten und vor allem nachhaltigen wirtschaftlichen Ökosystems geführt, das auf Open-Source-Software und offener Innovation basiere. Man arbeite aber "gern weiter mit der Europäischen Kommission zusammen, um deutlich zu machen, dass Android den Wettbewerb fördert und gut für Verbraucher ist", so Walk.

Google hat bereits Ärger mit der Brüsseler Behörde wegen der Platzierung von Werbung in seiner Suchmaschine. In dem seit 2010 laufenden Verfahren beschuldigt die EU-Kommission den US-Konzern, eigene Angebote zu bevorzugen.

Falls die europäischen Wettbewerbshüter ihre Vorwürfe beweisen können und eine förmliche Entscheidung treffen, droht dem Unternehmen ein Bußgeld von bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes. Dieser Rahmen wird aber üblicherweise nicht ausgeschöpft.

kpa/dpa/Reuters

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insgesamt 21 Beiträge
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laotse54 20.04.2016
1. Wie peinlich
Das ist ja wohl der größte Witz. Das fällt der EU *jetzt* auf? Nachdem Google (aktueller globaler Trend, noch noch nach currend revenue zahlen natürlich) nach 10 Jahren schon wieder auf dem absteigenden Ast ist? Facebook reißt sich gerade das Netz unter den Nagel und das noch viel geschlossener/monopolistischer als Google mit Search je war. Die Analysten der Abgeordneten sollten sich schnellstens die 2016 F8 Eröffnungskeynote anschauen, damit wir FB nicht erst 2023 verklagen, um ein Social, Comms, ConvComm Monopol zu verhindern. :)))))
mrotz 20.04.2016
2.
Wenn ein Produkt zu gut ist, so daß sämtliche Konkurrenz schlechter ist, gibt es zwar keinen Wettbewerb mehr, aber man kann Google doch nicht vorwerfen, daß sie Ihre Sache einfach ZU GUT machen.
h.glaps 20.04.2016
3. Adobe sollte folgen
Ich hoffe das die EU sich nun auch ADOBE vor nimmt, wenn jemand mit seinem Monopol den Europäischen Medienmarkt beherscht, und das auch ausnutzt ist es ADOBE. 24€ im Monat für eine Software 60€ für das ganze Pakett. So haben Marktbegleiter keine Chance, da man im Regefall 3 bis 4 Software Pakette einsetzt ist die Suite immer günstiger. So kauft man dann aber nicht andere einzel Software Pakette. Außerdem nimmt ADOBE seine Kunden quasi als Geiseln, wer nicht weiter bezahlt kann seine alten Projekte nicht mehr öffnen, so kann man seine Macht zum ständigen bezahlen auch ausnutzen. Dadurch das man immer bezahlen muss um mit der Software zu arbeiten, ist für ADOBE auch kein druck mehr da Ihre Software, im sinne der User weiter zu entwickeln, wie es bei kauf Software der Fall ist. Es ist ja egal, der User muss zahlen, sonst sind seine alten Daten unbrauchbar. Liebe EU kümmert Euch um ADOBE, es wird Zeit!
liberalerfr 20.04.2016
4. Verzweifelter Kampf gegen die Verbraucher
Im Auftrag der fußlahmen europäischen Wettbewerber versucht die EU Kommission, verzweifelt die Innovationen aus den USA zu bremsen. Die europäischen Verbraucher spielen da jedoch nicht mit und nehmen den Fortschritt aus dem gelobten Land gerne an. Wenn die EU Kommission und die verantwortlichen EU Regierungen mehr auf die Verbraucher hören würden, gäbe es sicherlich eine geringere Ablehnung der EU Behörden.
hummel1 20.04.2016
5. Witzig!
Garantiert wieder Wahlpropaganda sonst nix. Und selbst wenn nicht, Guten Morgen liebe EU. Schön, dass ihr es auch schon mitbekommen habt.
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