Angela Merkel zum Dieselskandal "Autoindustrie nicht durch politische Maßnahmen schwächen"

Seit Bekanntwerden des Dieselskandals fordern Kritiker harte Konsequenzen für die Autobauer. Bundeskanzlerin Merkel macht nun deutlich: Die Bundesregierung lässt Rücksicht walten.

Angela Merkel
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Konsequenzen aus dem Dieselskandal dürfen die deutschen Autobauer aus Sicht von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nicht zu stark einschränken. Es könne "nicht unser Interesse sein, dass wir durch politische Maßnahmen die Automobilindustrie so schwächen, dass sie keine Kraft mehr hat, in die eigentlichen Zukunftsinvestitionen etwas hineinzustecken", sagte sie im Bundestag.

Merkel bekräftigte ihre Skepsis bei Umbauten an Motoren älterer Diesel für weniger Schadstoffausstoß, die auch der Koalitionspartner SPD fordert. Dies bedeute Kosten von Tausenden Euro je Fahrzeug und zwei bis drei Jahre Arbeit für alle Ingenieure. "Ist das die richtige Beschäftigung für die Automobilindustrie?" Vielmehr gelte es, alle Kräfte zusammenzunehmen und der Branche zu sagen: "Ihr müsst jetzt in die Mobilität der Zukunft investieren - in autonomes Fahren, in alternative Antriebe - und da unterstützen wir Euch dabei."

Merkel: "Verlorenes Vertrauen wieder gut machen"

Zugleich kritisierte Merkel die Autobauer scharf: Sie nannte es "unfassbar", welches Vertrauen die Automobilindustrie im Dieselskandal verspielt habe. "Es ist unsere Aufgabe, der Industrie zu sagen: Ihr müsst verloren gegangenes Vertrauen selber wieder gut machen", sagte sie im Bundestag.

Merkel kündigte an, dass inzwischen vorliegende Gutachten im Auftrag der Bundesregierung nun bewertet würden. Dann sollten auch besonders von Luftverschmutzung betroffene Kommunen wieder eingeladen werden und auch das "Dieselforum" von Bund und Autobranche erneut tagen.

ans/dpa/Reuters



insgesamt 174 Beiträge
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Seite 1
l.geisler 16.05.2018
1. Sie wird es nicht lesen
Liebe Frau Merkel, es geht tatsächlich nicht darum die Industrie vor politischen Maßnahmen zu schützen sondern vielmehr darum die Industrie dazu zu zwingen das zu tun was sie mittels Katalog und Typgenehmigung versprochen hat. Darüber hinaus kann ja vielleicht ein wirklich sauberer Diesel ein Antrieb der Zukunft oder zumindest des Übergangs sein. Sicher gibt es Argumente, die diese Belastung für die Industrie als zu hoch bewerten, aber bedenken Sie auch, Sie warden nicht von der Industrie gewählt. Dies allenfalls mittelbar! Ich an Ihrer Stelle würde diese Position überdenken, nicht ausschließlich wegen der Wähler sondern vielleicht auch um dem Recht Geltung zu verschaffen. Niemand darf vorsätzlich oder auch nur grob fahrlässig andere benachteiligen, auch nicht die so wichtige Industrie! Ich wünsche Alles Gute und viel Augenmaß
vliege 16.05.2018
2. War nicht anders zu erwarten
Merkel hält trotz Lug & Betrug und damit millionenfachen Schaden der Gesundheit aller und Wertverlust der Dieselfahrer ihre Schützende Hand über die Konzerne. Bis dato keine Verantwortung oder Konsequenzen für die Verantwortlichen. Die Bosse der Konzerne können weitermachen wie bisher, das ist sicher! Ihr müsst nur groß genug und "systemrelevant" sein. Btw, die deutschen Automobilhersteller verpennen seit 20 Jahren die Weiterentwicklung der Mobilität, Boni/ Dividende und mehr PS waren und sind die Antriebsfedern der Managerelite.
i.b.tga 16.05.2018
3. Mir kommen die Tränen
Der deutschen Autoindustrie geht es so schlecht das eine HW Nachrüstung nicht leistbar ist. Klar nachdem eine kräftige Dividende und Boni, unter anderem auch an die Verursacher der Betrugsmaßnahme gezahlt wurde ist die Kasse leer. Die Merkel erzählt hier nur quatsch: welche Ingenieure sind denn mit der HW Nachrüstung beschäftigt? Keine, die Teile sind längst entwickelt und werde z. B. in den USA in die Fahrzeuge eingebaut. Damit ist wieder einmal klar: Die Bundesregierung und vor allem die Merkel sind nicht den Wählern verbunden sondern vor allem der Autoindustrie. Wer argumentiert, dass das arbeitsplätze sichert übersieht das durch den Beschiss die deutsche Autoindustrie massiv beschädigt wurde.
Bernd Schneider 16.05.2018
4. na prima!
das hätte mich auch sehr verwundert, wenn die Bundesregierung mitgeteilt hätte, man würde diesen Betrügern die Kosten für eine Hardwarenachrüstung aufs Auge drücken. Man liebäugelt damit, dass die Autoindustrie und der Staat einen gemeinsamen Fond gründen, um den vom Dieselskandal Betroffenen finanziell etwas unter die Achseln greifen zu können. Viel härter darf man die Autoindustrie auch nicht anpacken, die sind imstande und lassen keine 5,- oder 6stelligen Parteispenden mehr rüberwachsen. Ein Wort noch an die Vertreter des deutschen Bundestages: Sie wurden gewählt, um die Interessen der Bewohner ihres Wahlkreises zu vertreten. Sollten Sie vergessen haben, was ihre Wähler wollen, einfach noch mal nachfragen, kostet nix!
dummzeuch 16.05.2018
5. Politische Maßnahmen?
Oha, es geht also um "politische Maßnahmen". Ich dachte es ginge darum, dass gegen Gesetze verstoßen wurde und dabei in Kauf genommen wurde, das Leben und die Gesundheit der Bürger zu schädigen. Dazu kommt dann noch der finanzielle Schaden der Käufer durch den übermäßigen Wertverfall der Autos. Da muss ich wohl was falsch verstanden haben ...
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