Angeschlagene Euroländer Europa fürchtet den Schulden-Schock

Die Proteste in Griechenland schüren die Angst vor einer Euro-Krise: Die Risikoaufschläge für griechische, portugiesische und spanische Staatspapiere schießen in die Höhe, Dax und Euro drehen ins Minus. EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn warnt vor einem Flächenbrand in Europa.

AFP

Hamburg - Die Lage an den europäischen Anleihemärkten verschlechtert sich dramatisch: Sowohl in Griechenland als auch in Portugal und Spanien (Länderporträts: siehe linke Spalte) legten die Renditen für Staatspapiere spürbar zu. Experten warnen vor einem Übergreifen der Krise auf andere Euroländer.

Die Rendite für zehnjährige griechische Staatsanleihen stieg auf 10,25 Prozent. Der zehnjährige Schuldtitel Portugals notierte mit rund 5,8 Prozent, nachdem die Rendite wenige Tage zuvor auf unter 5,2 Prozent gefallen war. Auch die Risikoaufschläge spanischer Anleihen legten zu. Sie lagen zuletzt bei 4,2 Prozent und damit etwa 0,1 Punkte höher als Ende vergangener Woche. Dax Chart zeigen, Dow Jones Chart zeigen und Euro Chart zeigen notieren am Nachmittag im Minus.

Die Risikoaufschläge der Staatspapiere im Vergleich zu deutschen Staatsanleihen sind Ausdruck des schwindenden Marktvertrauens in die Kreditwürdigkeit der angeschlagenen Länder. Nachdem zunächst Bonitätsherabstufungen von Rating-Agenturen für großes Aufsehen gesorgt hatten, kamen zuletzt zahlreiche Gerüchte hinzu.

Laut "Financial Times Deutschland" hat das griechische Sparprogramm erhebliche Finanzierungslücken. So seien für die Jahre 2013 und 2014 zwar Einsparungen von rund zehn Milliarden Euro angekündigt. Konkrete Vorschläge, wo Athen kürzen will, fehlten allerdings. Auch bei den für 2012 angekündigten Sparmaßnahmen gebe es noch eine Finanzierungslücke in Höhe von gut 900 Millionen Euro. Die griechische Regierung hat den Bericht bislang weder bestätigt noch dementiert.

Rettungspaket nur Verschnaufpause

Bei der Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) beurteilt man die aktuellen Rettungsbemühungen für Griechenland mit Skepsis. "Das Rettungspaket von EU und IWF ist nicht die Lösung", sagte Moritz Kraemer, der bei S&P das Team für die Bonitätsbewertungen europäischer Staaten leitet, der "Zeit". Das Rettungspaket bringe nur eine Verschnaufpause. "Das wird in der öffentlichen Diskussion häufig verwechselt."

Die Regierung in Athen müsse "dieses Zeitfenster jetzt nutzen, sehr engagiert zur Sache gehen und schon bald erste Erfolge vorweisen", sagt Kraemer. Dann könne sie auch wieder Geld am Kapitalmarkt aufnehmen. Dafür müsse sie aber die Bürger von ihrem Sparprogramm überzeugen. "Ein Problem ist, dass Griechenland in seiner jüngsten Geschichte kein Beispiel dafür liefert, solch ein massives Programm umsetzen zu können. Die Märkte haben diesbezüglich natürlich Zweifel", sagte Kraemer. "Die haben wir auch."

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Auch Bundesbankpräsident Axel Weber warnte vor möglichen Auswirkungen der Griechenland-Krise. Im Falle eines Zahlungsausfalls des hochverschuldeten Landes bestehe ein erhebliches Risiko für die Stabilität der Währungsunion und des Finanzsystems, sagte Weber vor dem Haushaltsausschuss des Bundestags in Berlin.

Es drohten "gravierende Ansteckungseffekte" für andere Mitgliedstaaten der Währungsunion, sagte das Mitglied im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB). Darum seien die von den Euro-Raum-Ländern und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) vereinbarten Hilfen für Griechenland eine "vertretbare Option zur Abwehr einer Gefahr für die Stabilität der Währungsunion". Griechenland könne sich aus seiner Lage "nicht mehr aus eigener Kraft befreien".

Schuldenkrise verschlimmert sich

Für andere Länder wie Portugal oder Spanien sieht Weber keine grundsätzliche Gefahr, in eine ähnliche Lage wie Griechenland zu kommen. "Von den fundamentalen Wirtschaftsdaten ist Griechenland mit vielen anderen Ländern, die in diesem Zusammenhang genannt werden, überhaupt nicht vergleichbar", sagte er.

Am Dienstag hatte es allerdings Spekulationen gegeben, denenzufolge Spanien ebenfalls auf Finanzhilfe angewiesen sei. Mittlerweile wurden die Vermutungen aber von spanischer Seite dementiert. Auch EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn wies die Gerüchte zurück, warnte aber: "Griechenland könnte negative Auswirkungen haben auf andere Länder. Deshalb ist es wichtig, das Buschfeuer auszutreten, ehe es ein Waldbrand wird."

Auch für Portugal verschlechtert sich die Lage weiter. Die US-Rating-Agentur Moody's drohte Portugal eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit um ein bis zwei Stufen an. Derzeit bekommt Portugal von Moody's noch ein Aa2-Rating. Das Rating von Portugal hat seit Oktober 2009 bei Moody's einen negativen Ausblick. Eine Entscheidung über eine Herabstufung ist mit der neuen Einschätzung üblicherweise in den kommenden drei Monaten zu erwarten.

Auch in anderen europäischen Ländern droht sich die Schuldenkrise zu verschärfen: Nach Einschätzung der EU-Kommission werden die Staatsdefizite in den 27 Mitgliedstaaten bis Jahresende auf 7,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen - das ist mehr als doppelt so viel wie der im Stabilitätspakt festgelegte Höchstwert.

wit/ssu/dpa-AFX/ddp/Reuters



Forum - Griechenland-Krise - muss sich Europa ändern?
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Seite 1
kdshp 04.05.2010
1.
Zitat von sysopNach der Krise ist vor der Krise: In ganz Europa hat die Debatte darüber begonnen, wie die Eurozone künftige Staatspleiten effektiver bekämpfen kann. Muss Europa sich ändern?
Hallo, wir brauchen endlich eine EU regierung die auch macht hat. Gleichzeitig sollten wir die nationalen regierungen abbauen.
grauer kater 04.05.2010
2.
Zitat von sysopNach der Krise ist vor der Krise: In ganz Europa hat die Debatte darüber begonnen, wie die Eurozone künftige Staatspleiten effektiver bekämpfen kann. Muss Europa sich ändern?
Wir brauchen die politische Union Europa mit einheitlicher Wirtschafts-, Finanz-, Steuer- und Abgabenpolitik, mit proportionaler Standortverteilung der Produktion auf die jeweils geeigneten Standorte mit den besten Produktionsbedingungen, soziale Anpassungen und einheitlicher Außenpolitik. Wir brauchen ein energisches Handeln der EZB zur Geldwertstabilität! Die EU braucht einen Regierungschef mit demokratischer Legitimation, eine gewählte Regierung und ein Parlament, das die Souveränität der Mitgliedsstaaten und Europas insgesamt ausübt! Der Lissabon-Vertrag wird den Anforderungen der Zeit an die weitere Integration Europas in keiner Weise gerecht! Europa muss seine Interessen geschlossen vertreten und durchsetzen!
rhawik 04.05.2010
3.
Das Thema Griechenland-Krise, Euro und Europäische Union ist viel zu komplex. Was für eine Frage, ob Europa sich ändern muss ? Selbstverständlich. Alle und jeder muss sich ändern ! Die Pleite-Serien in Europa werden sich fortsetzen. Portugal, Irland und Spanien werden wohl folgen. Ungarn war doch kürzlich auch Pleite. Von Ungarn spricht im Moment kein Mensch mehr.
grauer kater 04.05.2010
4.
Zitat von sysopNach der Krise ist vor der Krise: In ganz Europa hat die Debatte darüber begonnen, wie die Eurozone künftige Staatspleiten effektiver bekämpfen kann. Muss Europa sich ändern?
Wir brauchen die politische Union Europa mit einheitlicher Wirtschafts-, Finanz-, Steuer- und Abgabenpolitik, mit proportionaler Standortverteilung der Produktion auf die jeweils geeigneten Standorte mit den besten Produktionsbedingungen, soziale Anpassungen und einheitlicher Außenpolitik. Wir brauchen ein energisches Handeln der EZB zur Geldwertstabilität! Die EU braucht einen Regierungschef mit demokratischer Legitimation, eine gewählte Regierung und ein Parlament, das die Souveränität der Mitgliedsstaaten und Europas insgesamt ausübt! Der Lissabon-Vertrag wird den Anforderungen der Zeit an die weitere Integration Europas in keiner Weise gerecht! Europa muss seine Interessen geschlossen vertreten und durchsetzen!
Monsieur Rainer 04.05.2010
5. Besser hätte ich es auch nicht schreiben können !
Zitat von grauer katerWir brauchen die politische Union Europa mit einheitlicher Wirtschafts-, Finanz-, Steuer- und Abgabenpolitik, mit proportionaler Standortverteilung der Produktion auf die jeweils geeigneten Standorte mit den besten Produktionsbedingungen, soziale Anpassungen und einheitlicher Außenpolitik. Wir brauchen ein energisches Handeln der EZB zur Geldwertstabilität! Die EU braucht einen Regierungschef mit demokratischer Legitimation, eine gewählte Regierung und ein Parlament, das die Souveränität der Mitgliedsstaaten und Europas insgesamt ausübt! Der Lissabon-Vertrag wird den Anforderungen der Zeit an die weitere Integration Europas in keiner Weise gerecht! Europa muss seine Interessen geschlossen vertreten und durchsetzen!
Verehrter Forist, Sie haben all das ausgedrückt, was mir gerade aus auf der Zunge lag. Wir brauchen die Vereinigten Staaten von Europa mit nationalen Gouverneuren und einer demoktaisch legitimierten Europa-Regierung. Der Präsident der EU muss vom Volk gewählt werden, die Kommissare sind von ihm zu bestellen und vom EU - Parlament bestätigt werden. Die EU-Abgeordneten werden vom Volk im Direktmandat gewählt und zwar ohne Listenplätze der Parteien. Den Rest haben Sie schon beschrieben, denn das ist dann die Conclusio!
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