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Angst vor Schuldenschnitt: Griechische Bankwerte brechen so stark ein wie nie

Viele Anleger rechnen mit einer Pleite Griechenlands: Der wahrscheinliche Schuldenschnitt schickt die Aktienkurse griechischer Banken auf Talfahrt. Einige Institute büßten zeitweise 25 Prozent an Wert ein - sie dürften nur noch mit Finanzhilfen der anderen Euro-Staaten zu retten sein.

Premierminister Papandreou: Banges Warten auf den Gipfel am Mittwoch Zur Großansicht
AP

Premierminister Papandreou: Banges Warten auf den Gipfel am Mittwoch

Frankfurt - Seit Jahresbeginn haben die griechischen Banken 60 bis 90 Prozent ihres Börsenwerts verloren. Am Montag nach dem EU-Gipfel in Brüssel verschärfte sich der Negativtrend noch einmal: Die Anteilsscheine von Alpha Bank, Eurobank EFG und Co. brachen um bis zu 25 Prozent ein. Der griechische Bankenindex rutschte zeitweise um 13,5 Prozent ab; das größte Tagesminus seiner Geschichte.

Wegen der wachsenden Wahrscheinlichkeit, dass es einen Schuldenschnitt für Griechenland gibt, flüchten die Anleger aus den griechischen Bankaktien. Denn klar ist: Die Institute halten eine hohe Milliardensumme an Staatsanleihen des Fast-Pleitelandes. Sollte der Staat diese, wie derzeit erwogen wird, nur noch zu 40 oder 50 Prozent zurückzahlen, geraten die Geldhäuser in massive Probleme. Nur mit Finanzhilfen der Euro-Partner dürften sie dann vor der Pleite bewahrt werden können.

Derzeit sind die griechischen Banken insgesamt rund 4,3 Milliarden Euro wert. Zum Vergleich: Ungefähr die gleiche Summe erwirtschaftete die Deutsche Bank laut Analysten allein an Zinsüberschuss im dritten Quartal.

Beim Gipfel der Staats- und Regierungschefs in Brüssel gab es am Wochenende keine Entscheidungen darüber, wie es mit Griechenland weitergehen soll. Das Land wird zwar mit einem zweiten Hilfspaket rechnen können, aber die Konditionen sind noch unklar. Sie sollen am Mittwoch auf einem weiteren Treffen der Euro-Partner geklärt werden.

Deutsche Banken legen leicht zu

Am Sonntag gab es noch keine Einigung darüber, wie stark die Schulden des Landes reduziert werden sollen, damit es wieder auf die Beine kommen kann - und wer dafür zahlen soll. Die Troika hatte vorgerechnet, das im Juli anvisierte Volumen öffentlicher Hilfe wäre nur auf 109 Milliarden Euro zu begrenzen, wenn die privaten Gläubiger auf 60 Prozent ihrer Forderungen verzichteten. Der Schuldenstand könnte dann bis 2020 auf 110 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gesenkt werden.

Die Banken hatten im Juli einen Verzicht von 21 Prozent zugesagt und haben inzwischen 40 Prozent angeboten. Die Euro-Länder verlangen mindestens 50 Prozent. Deutschland dringt auf einen höheren Schuldenschnitt, Frankreich will ihn aus Angst um seine Banken vermeiden. Denn diese halten nicht nur viele griechische Staatsanleihen, zwei große Institute haben auch Tochtergesellschaften in dem Krisenland.

Deutsche Banken konnten sich am Montag dagegen an der Börse leicht erholen. Die Papiere der Deutschen Bank Chart zeigen legten zeitweise um knapp ein Prozent auf 28,09 Euro zu. Die Commerzbank Chart zeigen-Aktie gewann am Vormittag 1,35 Prozent auf 1,73 Euro. Der Dax Chart zeigen übersprang erstmals seit einer Woche wieder die 6000-Punkte-Marke - am späten Vormittag notierte er 0,7 Prozent fester bei 6010 Zählern.

cte/Reuters

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1. ach ja?
Gebetsmühle 24.10.2011
Zitat von sysopViele Anleger rechnen mit einer Pleite Griechenlands: Der*wahrscheinliche Schuldenschnitt*schickt die Aktienkurse*griechischer Banken auf Talfahrt. Einige Institute büßten zeitweise*25 Prozent an Wert ein -*sie dürften nur noch mit*Finanzhilfen der anderen Euro-Staaten zu retten sein. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,793614,00.html
nennen wirs doch lieber marktbereinigung.
2. Zeichen
niepmann 24.10.2011
Zitat von sysopViele Anleger rechnen mit einer Pleite Griechenlands: Der*wahrscheinliche Schuldenschnitt*schickt die Aktienkurse*griechischer Banken auf Talfahrt. Einige Institute büßten zeitweise*25 Prozent an Wert ein -*sie dürften nur noch mit*Finanzhilfen der anderen Euro-Staaten zu retten sein. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,793614,00.html
Die Zeichen der Zeit geben die Richtung vor: Konkurs. Die zögerliche Haltung der selbsternannten Retter zeitigt katastrophale Folgen.
3. Einbrecher
susie.sunshine 24.10.2011
Zitat von sysopViele Anleger rechnen mit einer Pleite Griechenlands: Der*wahrscheinliche Schuldenschnitt*schickt die Aktienkurse*griechischer Banken auf Talfahrt. Einige Institute büßten zeitweise*25 Prozent an Wert ein -*sie dürften nur noch mit*Finanzhilfen der anderen Euro-Staaten zu retten sein. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,793614,00.html
Dann sollte man die Einbrecher endlich mal dingfest machen.
4. Zwei Fragen für (echte) Profis...
dwhm 24.10.2011
Ich hätte, gerade im Zusammenhang mit diesem Artikel, zwei Fragen. Ich lese immer wieder davon das Staaten sog. systemrelevante Finanzinstitute nicht pleite gehen lassen können. Ich verstehe das so: Jede Menge Durchschnittsbürger bringen ihr Erspartes zu einer Bank. Diese Bank "spielt" mit dem ihr anvertrauten Geld. und zwar in einem Rahmen den die Bank im Falle eines grossen Verlustes gar nicht tragen kann, sondern pleite gehen würde. Nur darf dies ja nicht geschehen da sonst jede menge Bürger ebenfalls pleite wären. Nun also dazu die 2 Fragen: a) Wieso dürfen Banken so etwas? (Ich darf keinen Kredit aufnehmen um dann mit dem Geld in eine Spielbank zu gehen) b) Wieso trennt man solche Banken nicht? Ein Teil ist eine normale Bank für normale Bürger, mit der Erlaubnis das ihr anvertaute Geld nur in normalem Massstab zu investieren. Also nur in Produkte die als sicher gelten und auch nur in einer Höhe die die Bank alleine stemmen kann. Und eine zweite Bank der man Geld anvertrauen darf wenn man mehr als genug hat, die investieren darf wie sie will, die aber auch wirklich zu 100% pleite gehen kann. Damit wären doch schon einmal sehr viele Probleme der heutigen Finanzwelt gelöst. Oder wo liegt mein Denkfehler? Würde mich über konstruktiven input sehr freuen...
5. Gefahr im Verzug
Kassander, 24.10.2011
Wenn die griechische Regierung nicht sofort die Banken des Landes verstaatlichen, ihre Unterlagen beschlagnahmen und die Räume besetzen, um die Spareinlagen der kleinen Leute zu retten, macht sie sich des Hochverrats an den nationalen Interessen des griechischen Volkes schuldig.
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Finanzkrise in Griechenland
Europa wird ungeduldig: Griechenland bekommt sein Schuldenproblem nicht in den Griff - inzwischen wird offen über eine geplante Insolvenz des Landes gesprochen. Doch ist das die Rettung für den Euro?

dapd
Was würde eine Pleite Griechenlands bedeuten? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:
Welche Folgen hätte eine Pleite Griechenlands?
Für die Euro-Zone wären die Folgen weitreichend: Die Gläubiger müssten ganz oder teilweise auf ihr Geld verzichten. Die Europäische Zentralbank etwa müsste Verluste auf die Staatsanleihen hinnehmen. Gleiches gilt für Geschäftsbanken oder Versicherer, die in griechische Staatsanleihen investiert haben. Das würde ihr Eigenkapital belasten. Allerdings haben die großen Banken im Ausland ihre Papiere schon zum Teil abgeschrieben.

Umstrittener sind die Folgen für Griechenland: Einige Ökonomen halten eine Pleite für die beste Option. Denn die Schuldenlast des Landes würde vermindert, die Zinsbelastung im Haushalt würde sinken, und die Tilgungsverpflichtungen dürften abnehmen. Als endgültige Lösung für die Schuldenkrise gilt eine Pleite aber keineswegs, denn die Griechen müssten ihre laufenden Ausgaben trotzdem ihren Einnahmen anpassen. Sonst häufen sie weiter Schulden an. Der Teufelskreis wäre nicht durchbrochen. Außerdem blieben griechische Banken bei einer Pleite auf Forderungen sitzen. Das Bankensystem im Land könnte kollabieren.
Wäre ein Austritt aus der Euro-Zone sinnvoll?
Die konkreten ökonomischen Folgen eines Austritts Griechenlands aus der Euro-Zone sind schwer vorhersehbar. Viele Experten sind sich aber sicher, dass die Auswirkungen für das Schuldenland und andere Staaten des Währungsraums verheerend wären.
Für Griechenland könnte es der wirtschaftliche Zusammenbruch sein. Ohne Euro müsste das Land wieder seine alte Währung Drachme einführen, die vermutlich eine drastische Abwertung erfahren würde. Über billigere Produkte würde dies zwar der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Athens zugutekommen. Viel schwerwiegender wäre aber, dass zugleich die in Euro aufgenommenen Altschulden drastisch steigen würden. Das wäre allerdings nicht der Fall, wenn es vorher zu einer Pleite gekommen wäre.
Hinzu kommt, dass das Land seine Staatsausgaben mangels Kreditfähigkeit nur aus seinen Einnahmen finanzieren könnte. Die Folge wäre ein vermutlich noch viel stärkerer Abschwung als bisher.

Auch für die Euro-Zone hätte ein Austritt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit verheerende Folgen. An den Finanzmärkten würden wohl schnell andere finanzschwache Länder unter Druck geraten, der sogenannte Domino-Effekt könnte eintreten. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen entsprechender Länder würden drastisch steigen und die jeweiligen Länder ähnlich wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit führen. Letztlich könnte so der gesamte Währungsraum ins Wanken geraten.
Gibt es eine Alternative zu Pleite und Austritt?
Wichtig ist vor allem, dass Athen seine Sanierungspläne einhält und keine neuen Schulden anhäuft: Der Staat muss verschlankt werden, die Steuerhinterziehung bekämpft, die Privatisierung von Staatseigentum muss weitergehen. Zudem muss das zweite Rettungspaket für Athen umgesetzt werden, das bis 2014 die Unabhängigkeit vom Kapitalmarkt garantiert und dem Land so Zeit für tiefgreifende Reformen geben soll.


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