Anklage gegen Ex-Porsche-Manager: Finanztricks mit bösen Folgen

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Erst stellt ein Gericht eine Pflichtverletzung von VW-Patriarch Piëch fest, jetzt klagt der Staatsanwalt Ex-Porsche-Vorstand Härter an: Die beiden Autofirmen stecken derzeit einen rechtlichen Rückschlag nach dem anderen ein - und liefern Schadensersatzforderungen der Aktionäre neue Munition.

Dunkle Wolken über Porsche: Die gescheiterte VW-Übernahme verfolgt das Unternehmen Zur Großansicht
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Dunkle Wolken über Porsche: Die gescheiterte VW-Übernahme verfolgt das Unternehmen

Berlin - Es hätte alles so schön sein können. Volkswagen zündet auf dem Genfer Autosalon ein Modellfeuerwerk, und Porsche weckt mit dem 911er Cabrio Frühlingsgefühle. Doch ausgerechnet jetzt tauchen wieder die Schatten der Vergangenheit auf: Die Tricks und Schliche, mit denen die Porsche-Leute 2008 und 2009 die Übernahme von Volkswagen planten, stehen plötzlich in hellerem Scheinwerferlicht als jedes neue Automodell.

Erst vor wenigen Tagen hatte das Oberlandesgericht Stuttgart Piëch eine Pflichtverletzung als Porsche-Aufsichtsrat bescheinigt und die Entlastung des Aufsichtsrates der Porsche SE für das Geschäftsjahr 2008/09 wieder kassiert. Um das Urteil erfolgreich anzufechten, müsste Porsche den Bundesgerichtshof erst einmal dazu bringen, die Sache überhaupt noch einmal zur Entscheidung anzunehmen.

Jetzt folgt prompt der nächste Tiefschlag: Die Staatsanwaltschaft Stuttgart erhob Anklage gegen drei ehemalige Manager aus der Entourage von Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, darunter auch dessen ehemaligen Finanzchef Holger Härter. Sie wirft den Finanzfachleuten vor, bei Kreditverhandlungen mit Banken falsche Angaben über die von Porsche gehaltenen Optionen auf VW-Stammaktien gemacht zu haben. Das Landgericht Stuttgart muss nun über die Eröffnung des Hauptverfahrens entscheiden. Und die separaten Ermittlungen gegen Wiedeking und Härter wegen des Verdachts der Marktmanipulation und der Untreue laufen auch noch, wie Staatsanwältin Claudia Krauth bestätigte.

Holdinggesellschaft in Not

Die Chefetage von Volkswagen verfolgt die juristische Aufarbeitung der Übernahmeschlacht mit wachsendem Unbehagen. Zwar geht sie das alles streng genommen eigentlich nichts an, doch die diversen Rechtsstreitigkeiten haben sehr wohl Einfluss auf die geplante Übernahme des Sportwagengeschäfts von Porsche.

Vor allem die Porsche-Holdinggesellschaft Porsche SE blickt angesichts der verschiedenen Verfahren gegen ihre Ex-Manager in einen Abgrund: Fondsgesellschaften und andere Anleger verlangen Schadensersatz in Milliardenhöhe, weil sie sich durch die versteckten Optionsgeschäfte und den verschleierten VW-Übernahmeversuch über den Tisch gezogen fühlen. Allein beim Landgericht Braunschweig sind derzeit Klagen in Höhe von mehr als zwei Milliarden Euro anhängig. Die Porsche SE ist außerdem in den USA mit milliardenschweren Verfahren konfrontiert. Und jedes Urteil, das die Verantwortlichen bei Porsche und Volkswagen brandmarkt, liefert den Klägern ein zusätzliches Argument.

Bei dem Übernahmeversuch von VW durch Porsche hatte es 2008 und 2009 extreme Ausschläge des VW-Aktienkurses gegeben. Dadurch verloren viele Anleger hohe Summen. Porsche hatte damals auf Kredit VW-Aktien angehäuft und sich gleichzeitig über Optionsgeschäfte Zugriff auf noch mehr VW-Anteile gesichert. Viele Anleger wetteten dagegen auf fallende Kurse der VW-Aktie und verloren ihr Geld, als das Papier von knapp über hundert Euro zeitweise auf über tausend Euro stieg. Porsche verlor am Ende hoch verschuldet den Kampf und ist inzwischen Teil des VW-Konzerns.

Komplizierte juristische Materie

Allerdings gebieten die Wolfsburger derzeit nur über 49,9 Prozent der Porsche AG, die Mehrheit gehört der Holding Porsche SE. VW-Finanzchef Hans Dieter Pötsch sucht bereits seit längerem nach Wegen, um die Porsche AG komplett übernehmen zu können. Nur dann nämlich kann der Konzern die mit rund 700 Millionen Euro pro Jahr kalkulierten Kostenvorteile realisieren.

Was allerdings passiert, wenn die Kläger mit ihren Schadensersatzklagen gegen die Porsche SE Erfolg haben, wagen auch Juristen kaum vorherzusagen. Zu komplex sei die Materie, sagt ein Partner einer großen Sozietät. Sicher ist dagegen: Der Imageschaden für Porsche wächst mit jedem Detail, das die Ermittler ans Licht bringen.

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