Verdacht des gewerbsmäßigen Betrugs Großrazzia bei Goldhändler

Die Berliner Staatsanwaltschaft und die Bundesanstalt für Finanzdienstleitungsaufsicht (BaFin) gehen gegen einen Stiftungsverein vor, der Anlegern Goldgeschäfte anbot. In Köln und Berlin kam es zu Durchsuchungen.

Goldbarren im Tresor der Deutschen Börse AG
DPA

Goldbarren im Tresor der Deutschen Börse AG


Berlin - Im Zusammenhang mit dubiosen Goldgeschäften hat die Polizei am Mittwoch insgesamt 19 Objekte in Köln und Berlin durchsucht. Wie eine Berliner Polizeisprecherin auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE mitteilte, gehe es um den Verdacht des gewerbsmäßigen Anlagebetrugs sowie des Verstoßes gegen das Kreditwesengesetz. Ein entsprechendes Ermittlungsverfahren sei bei der Staatsanwaltschaft Berlin anhängig; die Durchsuchungsmaßnahmen seien in Abstimmung mit der Bundesanstalt für Finanzdienstleitungsaufsicht (BaFin) erfolgt. Am Einsatz waren den Angaben zufolge rund 120 Polizeibeamte und fünf Ermittler der Bundesanstalt für BaFin beteiligt.

Zeitgleich mit den Durchsuchungen veröffentlichte die BaFin eine Mitteilung, wonach dem in Köln ansässigen Bund Deutscher Treuhandstiftungen e.V. das Betreiben von Einlagengeschäften untersagt worden sei. Den Angaben zufolge sei der Verein auch unter den Namen "Berliner Wirtschafts- und Finanzstiftung" oder "BWF-Stiftung" in Erscheinung getreten.

Laut BaFin bot der Verein Anlegern den Erwerb von physischem Gold an - und verpflichtete sich gleichzeitig, das Edelmetall nach Ablauf einer Vertragslaufzeit zum ursprünglichen Preis zurückzukaufen. Allerdings sei das Einlagengeschäft ohne die erforderliche Erlaubnis erfolgt.

Die BaFin bestellte inzwischen einen Abwickler, der die noch vorhandenen Vermögenswerte sichern soll.

Laut einer am Nachmittag verbreiteten Pressemitteilung von Polizei und Staatsanwaltschaft geht die BaFin bei circa 6.500 Kunden von Anlegergeldern in einer Größenordnung von rund 48 Millionen Euro aus. Nach derzeitigen Erkenntnissen des Landeskriminalamtes Berlin wurde ein zweistelliger Millionenbetrag dieser Anlegergelder jedoch nicht zum Ankauf von physischem Gold und somit vertragswidrig und betrügerisch verwendet. In Berlin stellten Kriminalbeamte den Angaben zufolge insgesamt rund vier Tonnen angebliches Gold sowie umfangreiches Beweismaterial, darunter Computer und Geschäftsunterlagen sicher. Wie hoch der Feingehalt des Goldes ist oder ob es sich um "Doubletten" handelt, werde derzeit überprüft.

Die Ermittlungen richteten sich gegen zehn Personen. Ob unter ihnen auch Funktionäre des "Bundes Deutscher Treuhandstiftungen e.V." sind, wollte ein Sprecher der Ermittlungsbehörde auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE nicht sagen.

Für eine Stellungnahme zu den Vorwürfen war der Bund Deutscher Treuhandstiftungen e.V. zunächst nicht zu erreichen.



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Enkidu 26.02.2015
1. rund vier Tonnen angebliches Gold
Rechnen wir mal nach: 4 Tonnen sind 4.000 kg sind 4.000.000 Gramm. Bei 31g je Feinunze sind das etwa 129.000 Unzen. Beim derzeitigen Kurs von etwa 1.050 €/uz wäre das ein Betrag von etwa _135,45_ MILLIARDEN Euro. Das ist indertat "angebliches" Gold. Dafür brauchen wir Archimedes erst gar nicht zu bemühen :-)
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.