Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Skandal um Emissionshaus: Wie Wölbern Invest die Anleger betrogen haben soll

Von manager-magazin.de-Redakteur Christoph Rottwilm

Wölbern Invest: Razzia bei Emissionshaus Fotos
Wölbern Invest

Deutschland hat einen neuen Anlageskandal: Das Emissionshaus Wölbern Invest soll Investoren um Millionen betrogen haben. Den Zugriff der Ermittler hatten Anleger schon lange herbeigesehnt.

Hamburg, HafenCity, Montagmorgen, 9 Uhr. Dutzende Beamte von Landeskriminalamt, Bereitschaftspolizei und Staatsanwaltschaft stürmen in das Bürohaus am Großen Grasbrook Nummer 9. Ziel des Trupps ist das fünfte Stockwerk, wo das Fondsemissionshaus Wölbern Invest residiert. Der Auftrag: Eine Razzia - bis zum Abend werden die Beamten rund hundert Kisten mit Aktenordnern und anderem Material aus den Büros schleppen.

Und damit nicht genug: Auch den privaten Räumlichkeiten von Wölbern-Invest-Chef Heinrich Maria Schulte stattet die Staatsmacht an diesem Vormittag einen Besuch ab. Seit Ende 2012 wird gegen Schulte ermittelt. Nun haben die Staatsanwälte offenbar ausreichend in der Hand. Dem Emissionshauschef, im Hauptberuf Arzt mit Spezialisierung auf Hormon- und Stoffwechselerkrankungen, werde gewerbsmäßige Untreue in genau 318 Fällen vorgeworfen, sagt ein Sprecher manager magazin online.

Bei dem umtriebigen Mediziner Schulte, der Wölbern erst im Jahr 2006 der südafrikanischen Absa Gruppe abgekauft hatte, bestehe zudem Fluchtgefahr. Deshalb wird er am Montagmorgen schon um 7.30 Uhr sicherheitshalber in Haft genommen.

Der Streit, den die Anleger der Immobilienfonds von Wölbern Invest mit dem Management schon seit beinahe zwei Jahren ausfechten, findet damit seinen vorläufigen Höhepunkt. Und Deutschland hat fast auf den Tag genau sieben Monate nach der Großrazzia gegen die Frankfurter Immobiliengruppe S&K sowie deren bundesweites Netzwerk einen neuen Anlageskandal.

Schulte soll sich um 37 Millionen Euro bereichert haben

Insgesamt 137 Millionen Euro soll Schulte nach Angaben der Staatsanwaltschaft aus den geschlossenen Immobilienfonds von Wölbern Invest unrechtmäßig entnommen haben. 37 Millionen Euro davon seien in seine Privatschatulle gewandert, so der Vorwurf. Sollte sich der Verdacht bewahrheiten, droht dem Finanzmanager, der gleichzeitig die medizinische Einrichtung Endokrinologikum mit Hauptsitz in Hamburg leitet, eine Haftstrafe von mehreren Jahren.

Von Schulte oder Wölbern Invest war zu den Beschuldigungen aktuell keine Stellungnahme zu bekommen. Der Vorwurf, Schulte könnte Geld aus Wölbern-Fonds zweckentfremdet haben, wurde von Anlegern und deren Anwälten allerdings in der Vergangenheit bereits häufiger geäußert. Der Firmenchef wie auch das Emissionshaus haben das jedoch stets zurückgewiesen.

Misstrauisch wurden viele Wölbern-Investoren erstmals Anfang 2012. Da versuchte das Emissionshaus für zahlreiche seiner Immobilienfonds ein sogenanntes Liquiditätsmanagementsystem einzuführen. Der angebliche Zweck: Die Fonds sollten sich untereinander Geld leihen. So sollten sie nach Angaben von Wölbern Invest mit brachliegender Liquidität einerseits höhere Erträge erzielen als beispielsweise bei Bankeinlagen. Andererseits hätten sich Fondsgesellschaften bei Bedarf günstig Geld beschaffen können.

Der Plan von Wölbern Invest scheiterte jedoch, weil sich viele Anleger dagegen auflehnten. Sie sahen ein erhöhtes Risiko für ihre Einlagen und fühlten sich nicht ausreichend informiert. Rückendeckung bekamen die Investoren dabei von Gerichten. Mit mehreren Urteilen wurden die Beschlüsse verschiedener Wölbern-Fondsgesellschaften zur Teilnahme am sogenannten Cashpool wieder einkassiert.

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Anlageskandal ?
juergw. 24.09.2013
Zitat von sysopWölbern InvestDeutschland hat einen neuen Anlageskandal: Das Emissionshaus Wölbern Invest soll Investoren um Millionen betrogen haben. Den Zugriff der Ermittler hatten Anleger schon lange herbeigesehnt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/anlageskandal-um-woelbern-invest-a-924204.html
wird wohl nicht der Letzte sein.Erstaunlich wieviele Vermögende nicht wissen ,wohin mit ihrem Geld .Hätten Sie doch sozialverträglich Mietwohnungen für Kleinverdiener gebaut-kann man doch auch abschreiben.Jetzt ist das schöne Geld weg-Die S&K Anlagefuzzis haben wenigstens noch richtig Party gemacht...
2.
Raúl gonzales 24.09.2013
Was ich mich frage ist, was die Wirtschaftsprüfer denn in diesem Fall bitte geprüft haben. 40 Mio. € Unter sonstige Forderungen bei einer Fondsgesellschaft hätte man schonmal hinterfragen können.
3. Schau da...
BettyB. 24.09.2013
Einen Tag nach der Wahl. Wer aber denkt, da wollte man nicht darauf verweisen, wer von dem Spitzensteuersatz betroffen wäre, liegt bestimmt falsch. Ich gehe davon aus, dass am Freitag bestimmt noch nicht alle Informationen vorlagen...
4. Würde mal interessieren
mischpot 24.09.2013
wieviel über Mittelsmänner auf dem Hamburger Kiez oder sonstigen Immobilien gelandet ist, schließlich muss man nach der Strafe ja von irgend etwas leben.
5.
Peter500500 24.09.2013
Zitat von BettyB.Einen Tag nach der Wahl. Wer aber denkt, da wollte man nicht darauf verweisen, wer von dem Spitzensteuersatz betroffen wäre, liegt bestimmt falsch. Ich gehe davon aus, dass am Freitag bestimmt noch nicht alle Informationen vorlagen...
Spiegel ist ja nicht gerade dafür bekannt, dass Sie der CDU, FDP nahe wäre? Interessanter Lösungsansatz. Einfach so viele Steuern erheben, dass man kein Geld mehr anlegen braucht ;)
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH





Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: