Deutschland-Chef von Pimco Top-Investor fordert Bankenpleiten

Schluss mit den immer neuen Milliardenhilfen, lasst die Banken pleitegehen - das fordert der Deutschland-Chef des weltgrößten Anleihe-Investors Pimco. Es sei höchste Zeit die Verluste nicht mehr zu sozialisieren, sondern auch an die Aktionäre weiterzugeben.

Banken-Skyline in Frankfurt am Main: "Lasst sie pleitegehen!"
dapd

Banken-Skyline in Frankfurt am Main: "Lasst sie pleitegehen!"


Hamburg - Das Wort des weltweit größten Investors in Staatsanleihen dürfte Gewicht haben: Im Gespräch mit der Wochenzeitung "Die Zeit" übt der Fondsmanager Andrew Bosomworth, Deutschland-Chef bei Pimco, scharfe Kritik am Euro-Rettungskurs der EU und der Bundesregierung. "Seit Lehman pleiteging, haben wir insbesondere in der Euro-Zone gesehen, dass kaum eine Bank pleitegegangen ist, pleitegehen konnte, sie wurden immer verstaatlicht, und die Verluste wurden sozialisiert", sagte Bosomworth der "Zeit".

Die Angst vor einer Ausweitung der Finanzkrise sei nicht mehr verständlich, nachdem auch Spanien unter den Rettungsschirm flüchten musste. Die Ansteckung sei längst passiert, sagte der Manager, es sei wichtig, die Angst jetzt zu vergessen. "Ja, eine Bankpleite wird Folgen haben, aber sie werden weniger dramatisch sein, als wenn wir so weitermachen wie bisher und alle Banken retten." Deshalb sei es jetzt an der Zeit, die Verluste nicht mehr zu sozialisieren, sondern auch an die Kreditgeber und Aktionäre weiterzugeben. "Lasst insolvente Banken pleitegehen!", forderte Bosomworth. Der Markt könne sonst nicht funktionieren.

Schon Mitte Juni hatte Pimco öffentlich gemacht, dass der Investor nur noch wenige Bundesanleihen in seinen Depots hält - aus Sorge vor der Schuldenkrise. Schließlich, so die Begründung, drohten dem Bundeshaushalt durch die milliardenschwere Rettungsschirme und anderweitige Verluste enorme Belastungen.

Pikant: Pimco ist eine Tochter des deutschen Finanzkonzerns Allianz. Schon im Mai hatte der Großinvestor mit einer Anlage-Entscheidung für Aufsehen gesorgt: Damals verkaufte Pimco massiv US-Staatsanleihen und rüffelte die "kopflose" Defizitpolitik der Obama-Regierung.

Europa droht Rückfall in den Nationalismus

In der "Zeit" zeigte sich der Pimco-Deutschland-Chef erneut selbstbewusst: Er forderte von der EU eine "europäische Regierungserklärung". Gebraucht werde "ein glaubwürdiges Konzept, so wie es 1989 den Delors-Bericht gab, der den Weg in die heutige Währungsunion vorzeichnet." Ein solcher Fahrplan für den Weg in eine politische Union, mit gegenseitiger Haftung der Staaten, würde den Investoren Sicherheit geben. "Wir erwarten keinen kostenfreien Weg in die politische Union. Aber wir brauchen ein Ziel", so Bosomworth.

Der Finanzmanager warnte vor einem Rückfall in Nationalismus und einer Entwicklung wie in den 1930er Jahren - vor allem beunruhige ihn die Angst vor Inflation: "Ich halte diese Furcht für überzogen. Hyperinflation wie 1923 wird es nicht mehr geben. Und hoffentlich auch nicht die Deflation der frühen 1930er Jahre." Wenn aber immer mehr Bürger das Vertrauen in die Währung verlören und ihre Sparkonten plünderten, drohe dem Kontinent der Rückfall in Nationalismus und Populismus: "Das ist derzeit die größte Gefahr."

nck



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insgesamt 30 Beiträge
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Seite 1
B.Lebowski 27.06.2012
1.
Zitat von sysopdapdSchluss mit den immer neuen Milliardenhilfen, lasst die Banken pleitegehen - das fordert der Deutschland-Chef des weltgrößten Anleihe-Investors Pimco. Es sei höchste Zeit die Verluste nicht mehr zu sozialisieren, sondern auch an die Aktionäre weiterzugeben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,841237,00.html
Ich muss mir gerade verwundert die Augen reiben. Zwei Meldungen, die völlig gegensätzlich zum Nachrichtenbrei der letzten Monate lauten. Zuerst Frau Merkel mit Ihrer Erklärung und nun auch noch die Forderung von Pimco, endlich mal Banken fallen zu lassen. Meine Gebete müssen erhört worden sein. Haleluja!
franz-burbach 27.06.2012
2. es wäre wunderbar
Wir, das Volk, glauben allerdings nicht daran, das Banken die Andere unbestraft betrügen und in den Ruin treiben, nicht einfach pleite gehen,von denen wurde doch noch niemand danach auf dem Sozialamt wegen Geldmangels gesehen. Aber es wäre Wunder-bar.
odysseus33 27.06.2012
3. Merkel redet immer noch von Systemrelevanz
Heute hat sie erst wieder die Konstrukte zur "Absicherung" "systemrelevanter Banken" vorgestellt. Wenn es so etwas immer noch gibt, ist das ihr eigenes Versagen. Es kann einfach nicht sein dass private Banken weil sie "zu groß" sind nicht pleite gehen können. Ein Irrsinn - je größer, also desto teurer zu retten, desto sicherer kann die Bank sich sein locker weiter zocken zu können. Der Grund warum weder die Banken auf gesellschaftlich vernünftiges Maß gestutzt werden noch die (Steuer-)Einnahmenseite der "Schuldenkrise" ernsthaft diskutiert wird liegt vermutlich einfach im Kniefall der Politik vor den Geld-Eliten.
picommander 27.06.2012
4. Augen zu und durch?
Wenn jetzt schon, wo die Banken noch als einigermaßen sicher gelten, in einigen europäischen Ländern schon so was wie bank runs stattfinden, wie soll das erst aussehen wenn Banken reihenweise pleite gehen? Im Grunde wäre ich ja auch dafür, mit "Augen zu und durch" Mentalität, aber wenn ich an die Folgen denke...
mischpot 27.06.2012
5. Die Krake Pimco
erst staatlich gesichert bedienen und dann fallen lassen und andere für die Schulden aufkommen lassen. Ich nenne das Verbrechen.
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