Anleihehandel EU-Kommission ermittelt gegen mutmaßliches Bankenkartell

Vier Banken sollen durch illegale Absprachen die Preise für staatliche und halbstaatliche Anleihen über Gebühr in die Höhe getrieben haben. Die Deutsche Bank rechnet nach eigener Auskunft nicht mit einer Bestrafung.

Bankenviertel in London
DPA

Bankenviertel in London


Die EU nimmt vier Banken wegen des Verdachts auf Absprachen beim Handel mit Dollar-Anleihen ins Visier. Die Geldhäuser sollen zwischen 2009 und 2015 mehrfach sensible Geschäftsinformationen ausgetauscht und die Preise für bestimmte Dollar-Anleihen abgesprochen und dadurch manipuliert haben, teilte die EU-Kommission am Donnerstag in Brüssel mit. Die entsprechenden Kontakte der Händler untereinander seien hauptsächlich über Online-Chatrooms erfolgt.

Die Absprachen bezogen sich demnach offenbar auf den Handel mit supranationalen, staatlichen sowie halbstaatlichen Anleihen in Dollar. Die vier Banken seien von der Kommission darüber informiert worden, dass sie damit möglicherweise gegen EU-Kartellvorschriften verstoßen haben. Ihnen droht nun theoretisch eine Strafe von bis zu zehn Prozent ihres weltweiten Jahresumsatzes. Die EU kann allerdings in einem solchen Verfahren demjenigen die Strafe erlassen oder diese abmildern, der die Verfehlungen anzeigt.

Deutsche Bank als Kronzeugin?

Um welche vier Banken es sich handelt, teilte die EU nicht mit. Die Deutsche Bank, einer der größten Anleihehändler der Welt, erklärte allerdings auf Anfrage, man rechne nicht mit einer Strafe und habe "in dieser Sache proaktiv mit der EU-Kommission zusammengearbeitet". Da es sich um ein laufendes Verfahren handele, wollte das größte deutsche Geldhaus keinen weiteren Kommentar zu dem Verfahren abgeben. Neben der Deutschen Bank gehörten nach jüngsten Daten des Marktforschungsinstituts Coalition die US-Banken JP Morgan, Goldman Sachs und die Citigroup zu den größten Anleihehändlern in Europa.

Absprachen in Online-Chaträumen zwischen Händlern internationaler Banken spielten auch bei den vor einigen Jahren bekannt gewordenen Manipulationen des Referenzzinssatzes Libor und anderer wichtiger Zinssätze eine Rolle. Auch damals war die Deutsche Bank dabei und musste anschließend in der EU, Großbritannien und den USA Strafen von zusammen umgerechnet mehr als drei Milliarden Dollar zahlen.

In den vergangenen Jahren sind bei der Deutschen Bank zahlreiche Verstöße gegen Recht und Gesetz bekannt geworden. So ist sie unter anderem im Zusammenhang mit Tricksereien auf dem US-Hypothekenmarkt oder der Manipulation des weltweiten Devisenmarktes ins Visier geraten. Erst Ende November hatten zudem zwei Tage lang Staatsanwälte und Beamte des Bundeskriminalamtes die Frankfurter Zentrale des Instituts durchsucht. Der Verdacht: Beihilfe zur Geldwäsche.

mik/Reuters



insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
sh.stefan.heitmann 20.12.2018
1. wieso gibt es die Bank eigentlich noch....
... und warum steckt man da nicht alle in den Bau? Das ist eine krimineller Vereinigungen und sollte auch so behandelt werden.
pnegi 20.12.2018
2. Lustig...
Die Deutsche Bank rechnet nicht mit einer Bestrafung. Warum wohl? Weil man einem nackten Mann nicht in die Tasche greifen kann. Aktueller Aktienkurs: 7,13?. Year-to-date: Minus 52.56%. Noch Fragen, Kienzle?
mantrid 20.12.2018
3. Noch Bank oder schon kriminelle Vereinigung?
Bei so vielen Strafverfahren wie gegen diese Bank laufen und schon gelaufen sind, muss man sich fragen, ob der Verstoß gegen Gesetze nicht schon zum Geschäftsmodell gehört.
nic 20.12.2018
4.
Eigentlich müssten Banken verstaatlicht werden, ansonsten hören diese korrupten Geschäfte wohl nie auf. Wobei wohl auch in Staatshand einige korrupte Geschäfte laufen werden.
jk1! 20.12.2018
5. Proaktiv?
Das liest sich nach, das die Frankfurter erstens wieder mittendrin waren in der Schweinerei und zweitens eine Selbstanzeige gestellt haben. Vielleicht wird es tatsächlich mal die erste Bank, die mehr Rückstellungen für Strafzahlungen als Umsatz in der Bilanz aufweisen muss...
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