Anleihenkäufe Euro-Retter riskieren Inflation

Das nächste Tabu ist gebrochen. Die Europäische Zentralbank will jetzt auch italienische Staatsanleihen aufkaufen. Mit dieser Politik nähert sie sich immer weiter ihrem amerikanischen Pendant, der Fed, an. Die Gefahr dabei: Die Inflation könnte steigen.

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EZB-Präsident Jean-Claude Trichet: Unter dem Druck der Politik
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EZB-Präsident Jean-Claude Trichet: Unter dem Druck der Politik


Hamburg - Der Sündenfall liegt schon 15 Monate zurück. Im Mai 2010 ist die Europäische Zentralbank (EZB) erstmals eingeknickt. Nach wochenlangem Streit mit der Politik stimmte sie zu, Anleihen europäischer Krisenstaaten am Markt aufzukaufen - und verlor damit ihre Unabhängigkeit. So sehen es zumindest die Kritiker des EZB-Kurses.

Dass die Zentralbank nun nicht mehr nur griechische, portugiesische oder irische Anleihen kauft, sondern auch spanische und italienische, ist für die Kritiker eine Bestätigung ihrer Zweifel. "Damals wurde behauptet, der Anleihenkauf sei eine einmalige Ausnahme", sagt Joachim Scheide, Leiter des Prognose-Zentrums am Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel. "Jetzt hat man es doch wieder getan."

Mehr noch: Indem die Zentralbank ihr Aufkaufprogramm auf Spanien und Italien ausweitet, zündet sie eine neue Stufe der Krisenbekämpfung. Bis zur vergangenen Woche hatte sie Staatsanleihen im Wert von rund 76 Milliarden Euro in ihre Bücher genommen. Bei relativ kleinen Volkswirtschaften wie Griechenland, Portugal oder Irland konnte sie damit schon etwas bewegen. Doch im Falle Italien werden andere Größenordnungen fällig, wenn die Aktion dauerhaft Erfolg haben soll.

Das gesamte Volumen der ausstehenden italienischen Staatsanleihen beträgt mehr als eine Billion Euro. "Wenn die EZB mit so geringen Beträgen wie bisher operiert, kann sie höchstens kurzfristig die Märkte beruhigen, aber nicht den Trend bei den Zinsen ändern", sagt Experte Scheide.

Die EZB lässt sich von der Politik treiben

Kritiker sehen in der Politik der EZB gleich mehrere Probleme: Eines davon ist, dass die Zentralbank damit ihre Unabhängigkeit stark gefährdet. Laut EU-Vertrag sind die EZB und die nationalen Notenbanken der Euro-Staaten vor allem dem Ziel verpflichtet, die Preisstabilität zu gewährleisten. Um sie unabhängig von politischen Begehrlichkeiten zu machen, wurde zudem festgehalten, dass weder die EZB noch eine nationale Zentralbank "Weisungen von Organen oder Einrichtungen der Gemeinschaft, Regierungen der Mitgliedstaaten oder anderen Stellen einholen" darf.

Seit Beginn der Finanzkrise sieht die Praxis jedoch anders aus. Die Zentralbanker um ihren Präsidenten Jean-Claude Trichet sind zu Getriebenen der Politik geworden. Immer wieder üben die Regierungen der Euro-Zone Druck auf die Zentralbank aus, an den Märkten einzugreifen. Und immer wieder knicken die Männer in Frankfurt ein.

In der Bankenkrise 2008 ging es dabei nur darum, den Banken unbegrenzt Geld zur Verfügung zu stellen, weil sie sich gegenseitig keines mehr leihen wollten. Seit Beginn der Staatsschuldenkrise im Frühjahr 2010 soll die EZB zusätzlich auch noch Anleihen kaufen, um deren Marktzinsen niedrig zu halten.

Indem sie dem Druck nachgibt, macht sich die EZB zur politischen Zentralbank - und wird damit ihrem amerikanischen Pendant, der Federal Reserve (Fed), immer ähnlicher.

Die Fed hat seit jeher einen anderen Auftrag als die EZB. Sie soll sich neben der Geldwertstabilität auch darum kümmern, die Arbeitslosigkeit und die langfristigen Zinsen niedrig zu halten. Deshalb hat sie auch weit größere Anleihenkaufprogramme gestartet als die Europäer. Das letzte, im Volumen von 600 Milliarden Dollar, ist im Juni ausgelaufen. Doch Fed-Chef Ben Bernanke hat schon ein neues angedeutet.

"Die Fed ist nicht mehr unabhängig", sagt Scheide. "Geldpolitik und Finanzpolitik sind in den USA vermischt worden. Das ist genau das, was Europa nicht will. Denn das würde das Vertrauen in die EZB untergraben."

Die Erwartung schürt die Inflation

Das zweite Problem der Ankaufprogramme sind die Risiken, die sich die Zentralbanken damit in die Bilanz holen. Galten europäische und amerikanische Staatsanleihen noch bis vor drei Jahren als supersicher, sind mittlerweile Zweifel aufgekommen, ob die Regierungen ihre Schulden auch zurückzahlen können - das gilt besonders mit Blick auf die hochverschuldeten Staaten der europäischen Peripherie. Einige Experten fürchten deshalb bereits, dass die Europäer nach Banken und Staaten irgendwann auch ihre Zentralbank retten müssen.

Das dritte Argument der Kritiker betrifft den eigentlichen Auftrag der EZB: die Geldwertstabilität. Auch die werde durch die Anleihenkäufe gefährdet. "Kauft die EZB Anleihen am Kapitalmarkt, so steigt die Basisgeldmenge", erklärt Thorsten Polleit, Volkswirt beim britischen Finanzkonzern Barclays Capital. "Sollte die Geldmenge letztlich in der Privatwirtschaft ankommen, würde sie sich, so lehrt die Erfahrung, früher oder später in steigenden Preisen entladen."

Noch ist dieser Effekt in Europa überschaubar. Zu gering war bisher das Volumen der Anleihenkäufe. Zudem hat die EZB stets versucht, das neu geschaffene Geld dem Markt an anderer Stelle wieder zu entziehen. Dieses "Neutralisieren" wird jedoch umso schwieriger, je größer die Beträge werden.

Es gibt zudem noch einen anderen Mechanismus, der zur Geldentwertung führen kann: "Wenn der Eindruck entsteht, die EZB verfolge eine weiche Geldpolitik, erhöht das die Inflationserwartungen der Verbraucher - und damit am Ende auch die Teuerungsraten", sagt IfW-Experte Scheide.

Dahinter steckt, wie so oft in der Wirtschaft, Psychologie: Wenn Verbraucher steigende Preise erwarten, neigen sie dazu, selbst auch mehr Geld auszugeben, um einer Entwertung zuvor zukommen. Womöglich verlangen auch die Gewerkschaften höhere Gehälter, um die erwarteten Einkommenseinbußen auszugleichen. Die Unternehmen schließlich sehen eine steigende Nachrage der Verbraucher und höhere Gehaltsforderungen der Arbeitnehmer - und erhöhen daraufhin die Preise für ihre Produkte.

All diesen Risiken steht eine Frage gegenüber: Was ist die Alternative? Bisher haben die Regierungen der Euro-Länder noch keine Antwort gefunden, die die Märkte überzeugt. Und solange sie dies nicht schaffen, wird die EZB wohl immer mehr zur Fed werden müssen. Einziger Trost für die europäischen Währungshüter: Der stolzen Bank of England und der japanischen Notenbank geht es nicht anders. Auch sie kaufen längst in großem Stil Staatsanleihen auf.



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Perkins1975 08.08.2011
1. Inflation ist das kleinste aller Übel
Alle Alternativen würden zu weit größeren Verwerfungen führen als Inflation in einem gewissen Umfang. Zehn Jahre lang 5 % Inflation und die Probleme wären gelöst, die Schulden wären weitestgehend weginflationiert.
thomas l. 08.08.2011
2. Sperrt sie weg!!
Sperrt endlich diese Wahnsinnigen Soziopathen weg, die uns alle in den Untergang führen!! Das ist ein künstlich hervorgerufener Crash, alles seit Jahren belegt. Recherchiert Bilderberg, CFR, Trilaterale Kommission! Dort sitzen die Verantwortlichen!! Ich fordere die Menschen auf sich zu informieren und den Verantwortlichen die Macht aus den Händen zu reißen! Stellt sie vor ein Bürger-Gericht! Sie sind korrupt und wahnsinnig! Wenn ihr glaubt das hier nur Müll steht, dann widerlegt es und erkennt dabei, dass es die Realität ist!
einfachgerecht 08.08.2011
3. Es gibt eine Lösung, nur keiner sagt es !!!
Raus mit den schwachen Euroländern!! Wir können und wollen nicht für alle mitarbeiten. Jahrelang wurden in den südeuropäischen Ländern nicht gespart, im Gegenteil , und nun sollen wir die Zeche zahlen. Mal anders rum, wenn Deutschland nicht mehr könnte, wer würde denn für uns eintreten... niemand!!!
ragout 08.08.2011
4. Lösung
Eurozone endlich auflösen, meinetwegen auch ein Nord- und ein Südeuro. Den NOrdeuro aber bitte nur mit den Niederlande, Österreich, Luxemburg und Finnland. Alles andere wird auch weiterhin nicht funktionieren. Und ausserdem sollte die EU endlich eine Insolvenz für Staaten vorsehen.
avollmer 08.08.2011
5. Geldmengen sind groß genug
Die Geldmenge M4 ist in den letzten 5 Jahren derart geschrumpft, dass die EZB ein Volumen von 40 Milliarden Euro jeden Monat neu in den Markt fließen lassen könnte ohne die Geldmenge stärker als das GDP wachsen zu lassen. Damit würde die EZB zu keiner zusätzlichen substantiellen Inflation beitragen. Dass sich die Verbraucherpreisindizes erhöhen können ist davon unabhängig. Ob sich diese gefühlte und gelebte Inflation einstellt hängt nicht von den EZB-Aktionen ab, sondern von deren psychologischer Wirkung. Wenn SpOn und andere Medien oft genug ein Inflationsrisiko als Menetekel an die Wand malen, dann kommen vielleicht tatsächlich ein paar Torfköpfe auf die Idee präventiv ihre Preise zu erhöhen, da sich das in einem derartigen Umfeld besser verkaufen lässt.
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