Anleihetausch Griechen-Rettung könnte Schnäppchen für Banken werden

Verkommt der Bankenanteil zur Rettung Griechenlands zur Farce? Laut "Süddeutscher Zeitung" müssen sich die Finanzinstitute deutlich geringer an den Hilfen beteiligen als angekündigt. Grund sei der jüngste Anstieg europäisch besicherter Schuldverschreibungen.

Frankfurter Bankenviertel: Bis zu 21 Milliarden Euro weniger?
dpa/dpaweb

Frankfurter Bankenviertel: Bis zu 21 Milliarden Euro weniger?


Hamburg - Das Opfer der Banken zur Rettung Griechenlands klang groß: Einen Wertverlust von 21 Prozent sollten die internationalen Geldhäuser schultern, um dem Schuldenland eine Zukunft zu ermöglichen. Doch nun könnte der Betrag auf nur noch 8,3 Prozent geschrumpft sein, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" ("SZ") unter Berufung auf Berechnungen des finanzpolitischen Sprechers der Grünen, Gerhard Schick. Das Opfer der Banken droht so zu einem Opferchen zu verkommen.

Grund: Die Kurse europäisch besicherter Anleihen sind seit Mitte Juli deutlich gestiegen. Diese emittiert der europäische Rettungsfonds EFSF bereits, etwa zur Finanzierung Griechenlands. Diese Papiere exakt der gleichen Qualität sollen auch die Banken im Tausch für ihre Griechenland-Anleihen erhalten. Durch den Anstieg bekommen die Institute Schick zufolge inzwischen viel wertvollere Anleihen als damals gedacht. Demnach dürften die Banken nun bis zu 21 Milliarden Euro weniger zur Rettung Griechenlands beisteuern.

Die Beteiligung der Banken an der Rettung Griechenlands erscheint so in einem neuen Licht: Noch im Juli hatte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann vollmundig erklärt, wie hart der Beitrag die Häuser treffe. Für den Grünen-Politiker Schick ist das ein Witz. Er forderte die Bundesregierung auf, eine solch "lächerliche" Form der Gläubigerbeteiligung zu stoppen. Stattdessen solle der Euro-Hilfsfonds EFSF den Banken ihre Griechenland-Anleihen zu den aktuell niedrigen Marktkursen abkaufen.

Finnland rechnet nicht mit rascher Lösung im Pfand-Streit

An diesem Freitag kommen die europäischen Finanzminister im polnischen Breslau (Wroclaw) zusammen, um über die Euro-Rettung zu beraten. Wegen des weltweiten Ausmaßes der Krise wird auf Einladung der polnischen EU-Ratspräsidentschaft auch US-Ressortchef Timothy Geithner an dem informellen Treffen teilnehmen.

Die zweitägige Konferenz wird mit einer Runde der Euro-Finanzminister beginnen. Sie wollen an das krisengeschüttelte Griechenland appellieren, seine Sparverpflichtungen einzuhalten. Über eine neue, milliardenschwere Auszahlung aus dem alten Hilfsprogramm von 110 Milliarden Euro können sie noch nicht entscheiden, da erst Experten die Fortschritte in Athen überprüfen müssen. Die Lage in Griechenland ist so angespannt, dass an den Finanzmärkten über eine mögliche Pleite spekuliert wird.

Die offene Frage der Sicherheiten für Finnland bei Griechenland-Krediten wird nach den Worten der finnischen Finanzministerin Jutta Urpilainen beim Treffen noch nicht geklärt. Finnland fordert zur Beteiligung am zweiten Hilfspaket für Griechenland Garantien von dem hochverschuldeten Mittelmeerland. "Ich glaube, wir werden darüber verhandeln, aber ich sehe leider nicht, dass wir eine Lösung heute Abend finden", sagte Urpilainen. Sie sei jedoch optimistisch, dass eine für alle akzeptable Lösung möglich sei.

yes/dpa/Reuters



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 92 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
deus-Lo-vult 16.09.2011
1. ...
Schnäppchen für die Banken. Und für die Bürger?
katerramus 16.09.2011
2. ist ja schön, dass die Grünen auch langsam wach werden
das läßt hoffen! liebe Abgeordnete, so ist das, wenn man einer nicht kontrollierbaren Institution Generalvollmacht erteilt, dann kann man nicht sagen, hört auf damit, das ist falsch ! Der Zug ist abgefahren. Also, ich würde an Eurer Stelle noch mal gründlich darüber nachdenken, ob Ihr nochmal über 100 Milliarden auf die Art und Weise versenken wollt!
enrico3000 16.09.2011
3. Ein Witz
Wieder vollkommen klar die Banken kommen ungeschoren davon und der ungefragte Steuerzahler bezahlt wieder mal die Zeche. Solche risikofreien Geschäfte würde ich auch gerne abschließen, bei denen ich immer nur der Gewinner bin. Vollkommen egal was auch passiert. Da können die Champagnerkorken ja wieder knallen und die Millionen per Bonizahlungen wieder fließen.
karsten112 16.09.2011
4. Wen wundert das jetzt?
Zitat von sysopVerkommt der Bankenanteil zur Rettung Griechenlands zur Farce? Laut "Süddeutscher Zeitung" müssen sich die Finanzinstitute deutlich geringer an den Hilfen beteiligen als angekündigt. Grund sei der jüngste Anstieg europäisch besicherter Schuldverschreibungen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,786568,00.html
Jeder der sich nun wundert bitte Hand heben? Ich sehe keine Hände....
wilde Socke 16.09.2011
5. Finanz-Geier
Die kriminellen Finanz-Geier werden sich an der Landes-Leiche laben. Was hilft eigentlich gegen Geier?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.