Frankfurt am Main - Manchmal sind es kleine Signale, die für Kursausschläge sorgen. So auch am Dienstag: Börsenhändler machen die vorsichtige Annäherung zwischen US-Präsident Barack Obama und den Republikanern im Haushaltsstreit als Grund für den Anstieg der Kurse an vielen Märkten aus.
Der deutsche Leitindex Dax
stieg gegen Mittag um 0,3 Prozent, nachdem er zeitweise ein neues Fünfjahreshoch erreicht hatte. Seit Januar hat der Index damit um fast 30 Prozent zugelegt. Auch andere europäische Börsen haben zum Handelsauftakt profitiert. Nach zuletzt vier Tagen mit mehr oder weniger stagnierenden Kursen legte der EuroStoxx 50
im frühen Geschäft 0,52 Prozent zu. Der Leitindex der Euro-Zone erreichte damit den höchsten Stand seit August vergangenen Jahres. In Paris rutschte der CAC 40
nach Gewinnen am Morgen zeitweise leicht ins Minus, der britische FTSE 100
tendierte mit plus 0,2 Prozent freundlich.
Schon am frühen Morgen hatte die Börse in Tokio
deutlich im Plus geschlossen, auch das wurde auf den Kompromissvorschlag Obamas zurückgeführt: "Der US-Haushaltsstreit bleibt das beherrschende Thema. Jede Meldung um eine Annäherung wird als positives Signal gewertet - auch die 7700 Punkte im Dax sind nicht mehr fern", sagte ein Börsianer in Frankfurt am Main.
Zuvor gab es Berichte, wonach die von Obama im Wahlkampf geforderten Steuererhöhungen für Reiche nun erst ab einer Einkommensgrenze von 400.000 Dollar greifen sollen. Bisher hatten die Demokraten auf eine Grenze von 250.000 Dollar gepocht.
Ruhiger Handel in der Vorweihnachtszeit
Eine Einigung in letzter Minute sei den Anhängern von Republikanern und Demokraten einfach besser zu verkaufen als eine Blockade, sagten die Devisenexperten der Commerzbank
. Laut Investmentanalystin Antje Laschewski von der Landesbank Baden-Württemberg könnte eine Beilegung des Streits nochmals für deutliche Impulse sorgen. Ansonsten jedoch dürfte der Handel in der vorweihnachtlichen Woche ruhig verlaufen, da die meisten Bücher inzwischen geschlossen seien.
Die Analysten der National-Bank warnen allerdings vor zu viel Optimismus: Bis zu einer Einigung sei es noch ein weiter Weg, schrieben sie in einem Kommentar. "Dass dies noch in diesem Jahr erfolgen wird, wird trotz der Annäherungsversuche von Tag zu Tag unwahrscheinlicher." Demokraten und Republikaner müssen bis Jahresende einen Kompromiss finden, sonst treten automatische Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen im Volumen von rund 600 Milliarden Dollar in Kraft. Dies könnte die USA laut Experten in eine Rezession stürzen.
Zu den größten Gewinnern im Dax
zählten die Finanzwerte. Nach den jüngsten Negativschlagzeilen erholten sich Deutsche-Bank-Aktien
von einem Teil ihrer Kurseinbußen und stiegen um bis zu 2,2 Prozent. Seit vergangenem Mittwoch hatten die Papiere angesichts einer Gewinnwarnung und Ermittlungen wegen Steuerbetrugs gut fünf Prozent an Wert verloren. Die Titel der Commerzbank zogen ebenfalls an und notierten 1,9 Prozent höher.
nck/dpa/Reuters
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