Früherer Deutsche-Bank-Chef Anshu Jain berät Bankenkonkurrenten im Silicon Valley

Von der Traditionsbank zum Bankenschreck: Anshu Jain wechselt wenige Monate nach seinem Abgang bei der Deutschen Bank zu einem Start-up, das Geldhäusern Kunden abjagen will.

Von manager-magazin.de-Redakteurin

Ex-Deutsche-Bank Chef Anshu Jain
AFP

Ex-Deutsche-Bank Chef Anshu Jain


Der ehemalige Co-Chef der Deutschen Bank, Anshu Jain, hat einen neuen Job. Wie das "Wall Street Journal" und die Nachrichtenagentur Bloomberg berichten, wird Jain Berater des Start-ups "Social Finance" (SoFi) in San Francisco.

Nach einigen Monaten der Beratertätigkeit könnte Jain bei dem noch jungen Finanzdienstleister auch in den Vorstand aufrücken, heißt es in den Berichten.

Bei SoFi handelt es sich um ein 2011 in Stanford gegründetes Fintech-Unternehmen, das sich an Absolventen von US-Eliteuniversitäten richtet und diesen neben Darlehen auch Vermögensverwaltungsdienste anbietet.

Seine Attraktivität unter möglichen Kunden steigert das Start-up, das nach eigenen Angaben seit 2014 profitabel ist, indem es für seine "Mitglieder" Networking-Events organisiert. Und für Kunden, die ein Unternehmen gründen wollen, Kontakte zu Wagniskapitalgebern herstellt.

Von Jain verspricht sich das Unternehmen Hilfestellung bei der strategischen Ausrichtung, der Unternehmensführung sowie Kontakte zu anderen Akteuren auf dem Kapitalmarkt. Schließlich ist SoFi seit seiner Gründung vor fünf Jahren sprunghaft gewachsen und hantiert den Angaben zufolge mittlerweile mit einem Volumen von mehr als eine Milliarde Dollar monatlich.

Der Kontakt zu Jain sei bereits vor mehreren Monaten entstanden, hieß es bei SoFi, das zuletzt im September über eine Series E-Finanzierung eine Milliarde Dollar eingesammelt hatte. Einer der führenden Investoren damals war die japanische Softbank. Dessen COO Nikesh Arora gilt als enger Freund Jains.

Auch andere Manager heuerten bei Start-ups an

Jain hatte 1995 bei der Deutschen Bank angeheuert und dort zunächst das äußerst lukrative Investmentbanking geführt, bevor er 2012 zusammen mit Co-Chef Jürgen Fitschen den scheidenden Bankchef Josef Ackermann beerbte.

Doch die Ära Jain/Fitschen währte nicht lange. Angesichts schlechter Zahlen, schwelender Skandale und dem sinkenden Vertrauen der Investoren, löste der Brite John Cryan Jain im Juni an der Spitze des größten deutschen Geldhauses ab.

Mit seinem Wechsel in die Fintech-Branche schlägt der früherer Deutsche-Bank-Vorstand einen Weg ein, den vor ihm bereits andere Topmanager führender Banken gewählt haben. Unter anderen der frühere Morgan-Stanley-CEO John Mack oder Ex-Citigroup-Chef Vikram Pandit, die es beide nach ihrer Karriere in traditionellen Bankhäusern ins Fintech-Geschäft zog.

Pandit, von 2007 bis 2012 Chef der Citigroup hat seit seinem Ausscheiden bei der Bank mehrere Fintech-Start-ups, darunter den auf Studenten fokussierten Kreditgeber CommonBond finanziert. Mack sitzt im Board von LendingClub, einem Online-Kreditmarktplatz.

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