Skandal-Bank Barclays beruft neuen Chef aus den eigenen Reihen

Der Zins-Skandal rund um die Bank Barclays kostete Ex-Vorstandschef Diamond den Job. Nun soll Antony Jenkins das kriselnde Institut führen. Er war dort bisher für das Privatkundengeschäft zuständig.

Barclays-Chef Antony Jenkins: Amtsantritt in der Krise
REUTERS / Barclays

Barclays-Chef Antony Jenkins: Amtsantritt in der Krise


London - Die britische Bank Barclays setzt bei der Besetzung des Chefpostens auf einen Manager aus den eigenen Reihen. Der bislang für das Privatkundengeschäft zuständige Antony Jenkins werde das Unternehmen künftig führen, teilte Barclays am Donnerstag mit. Sein Vorgänger Bob Diamond war im Juli im Zuge des Libor-Manipulationsskandals zurückgetreten.

Jenkins bringt zwar kaum Erfahrung im Investmentbanking mit, er galt aber dennoch als aussichtsreichster Kandidat für die Diamond-Nachfolge. "Antony hat sich durch seine bisherige Laufbahn und seine Vertrautheit mit dem Barclays-Portfolio für diese Aufgabe empfohlen", teilte Verwaltungsratschef Marcus Agius mit. Er wird seinen Job nicht mehr lange behalten. Denn auch im Verwaltungsrat steht bei Barclays infolge des Libor-Skandals ein Wechsel an der Spitze an. Dort soll David Walker im November von Agius den Chefposten übernehmen.

Für die neue Führung wird es vor allem darauf ankommen, die Bank wieder in ruhigeres Fahrwasser zu bringen. Zunächst sieht es aber nicht danach aus. Denn wie bekannt wurde, wird wegen mutmaßlich fragwürdiger Milliardengeschäfte mit Investoren im Nahen Osten erneut gegen die Bank ermittelt. Die Bank hatte auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 in der Region Milliarden beschafft, um zu vermeiden, vom Staat gerettet werden zu müssen. Der Aktienkurs von Barclays Chart zeigen gab am Donnerstagmorgen nach.

Diamond war zurückgetreten, nachdem bekanntgeworden war, dass Händler von Barclays in den Jahren 2005 bis 2009 den Libor-Referenzzinssatz, eine weltweit relevante Richtschnur, mit zu niedrigen Zinsmeldungen manipuliert hatten. An den Manipulationen sollen auch andere Banken beteiligt gewesen sein. Die Aufsichtsbehörden in den USA und Großbritannien hatten Barclays als erste Bank ins Visier genommen. Ende Juni hatten die Behörden in Großbritannien und den USA gegen Barclays eine Geldstrafe in Höhe von 453 Millionen Dollar verhängt.

Fotostrecke

5  Bilder
Grafikstrecke: So funktioniert die Zinsmanipulation
Zudem ist Barclays Teil einer Untersuchung der britischen Finanzaufsicht. Die Bank soll kleinen Unternehmen komplexe Finanzprodukte verkauft haben, die sie nicht brauchten.

"Wir haben in den vergangenen Jahren ernste Fehler gemacht und sind eindeutig dabei gescheitert, die Erwartungen unserer Aktionäre zu erfüllen", sagte der 51-jährige Jenkins. Er tritt sein Amt mit sofortiger Wirkung an.

mmq/Reuters/dpa



zum Forum...
Sagen Sie Ihre Meinung!

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.