Apple-Konkurrent Samsung: Attacke aus Korea
Im heiß umkämpften Handy-Markt verschieben sich die Kräfte: Während Apple die Anleger enttäuscht, meldet Samsung Rekordgewinne. Je mehr Smartphones zum Massenprodukt werden, desto stärker bauen die Koreaner ihre Marktanteile aus. Die Konkurrenten im Vergleich.
Hamburg - Als Tim Cook am Dienstag die neuesten Zahlen von Apple präsentierte, geschah etwas Seltsames. 26 Millionen iPhones hatten die Kalifornier von April bis Juni verkauft. Normalerweise wäre das ein Grund zu feiern. Doch die Aktie fiel um sechs Prozent. Die erfolgsverwöhnten Anleger hatten mit noch höheren Absätzen gerechnet. Apple wurde seinem Überflieger-Image nicht mehr ganz gerecht.
Erzrivale Samsung bricht währenddessen alle Rekorde: 52 Millionen Handys verkauften die Südkoreaner im vergangenen Quartal, schätzen Marktforscher. Das wären doppelt so viele wie Apple. Die Samsung-Aktie stieg zeitweise um fünf Prozent.
Die Zahlen sind der neueste Hinweis darauf, wie sich in der IT-Branche die Kräfte verschieben. Es war der Apple-Konzern, der internetfähige Handys mit berührungsempfindlichen Bildschirmen überhaupt erst alltagstauglich machte, der mit dem iPhone 2007 eine neue Geräteklasse erfand und die Geschäftsgrundlage von Nokia
und dem Blackberry-Hersteller Research in Motion
zerstörte. Jetzt aber ist das Smartphone-Segment zum globalen Massenmarkt geworden, und in diesem baut Samsung seine Marktanteile immer mehr aus - und damit seine Stellung vor Apple.
Die Entwicklung war absehbar. Denn Apple verfolgt im Smartphone-Segment dieselbe Strategie wie auf dem PC-Markt. Der Konzern fokussiert sich sowohl bei seinen Rechnern als auch bei seinen Handys auf wenige hochpreisige Produkte. Vom iPhone existieren in puncto Design gerade zwei Modelle - von denen es wiederum nur wenige technische Varianten gibt. Das iPhone 4 etwa ist ein Edel-Gerät, das im Laden rund viermal so viel kostet wie in der Herstellung. Die hohen Margen bescheren dem Konzern eine außergewöhnliche Rendite. Insgesamt machte Apple im vergangenen Quartal an jedem Dollar Umsatz beachtliche 25 Cent Gewinn.
Handy-Galaxie gegen das iPhone
Das ist hocheffizient, aber keine Strategie für den Massenmarkt. Apple hatte nur in den ersten Jahren hohe Marktanteile, als es kaum Konkurrenzprodukte gab, und denen war das iPhone technologisch noch voraus. Inzwischen hat die Konkurrenz Apple technologisch teilweise überholt. Das gilt vor allem für Samsung.
Das S III, Samsungs neuestes Handy aus der Galaxy-Baureihe, gilt vielen Fachleuten als Maßstab für die Branche. Großer Display mit hoher Auflösung, superschneller Prozessor, Gesichts- und Spracherkennung: Apples iPhone 5, das im Herbst vorgestellt werden dürfte, wird sich am Galaxy S III messen müssen.
Nicht nur technologisch hat Samsung eine steile Kurve nach oben hingelegt, sondern auch beim Design. Vor zehn Jahren noch war das Unternehmen als koreanischer Billigkrämer verschrien, als Massenproduzent schlecht verarbeiteter Plastikprodukte. Inzwischen trimmt Samsung seine Geräte auf westliche Design-Standards. Dazu gibt es die Galaxy-Handys in zahlreichen Passformen, vom Mini- bis zum Maxi-Screen. Apple bietet diesen Service nicht.
Je größer das Volumen des Smartphone-Markts wird, desto mehr zieht Samsung Apple davon. Dieselbe Entwicklung vollzieht sich, mit einiger zeitlicher Verzögerung, auch beim Geschäft mit Tablet-Computern. 2010 hatte Apple noch einen Marktanteil von 87 Prozent; derzeit sind es noch 68,3 Prozent. Auch auf diesem Markt ist Samsung, neben Amazon
, der größte Wettbewerber von Apple.
Hoffen auf das nächste große Ding
Samsung wandelt nicht zufällig auf Apples Spuren. Die Devise des 70-jährige Konzern-Patriarchen Lee Kun Hee lautet: Suche eine Technologie, die erprobt, aber noch teuer ist. Lenke das Geld und die geballte Wissenskraft deines Megakonzerns in diese Sparte und greife den Trendsetter an.
Apple wehrt sich erbittert gegen den Konkurrenten. Die Kalifornier werfen den Koreanern vor, sie würden Apple-Produkte einfach kopieren. Apple versucht, Samsung Patentverletzungen nachzuweisen - und den Vertrieb der Galaxy-Handys und -Tablets in mehreren Ländern zu blockieren. Teils mit Erfolg: Das kleine Samsung-Tablet 7.7 etwa darf in Europa bis auf weiteres nicht vertrieben werden. Samsung zieht seinerseits mit Patentklagen gegen Apple vor Gericht.
Der globalen Trend aber wird sich durch Patentklagen nicht aufhalten lassen. Die Märkte, die Apple geschaffen hat, wachsen rasant, und in einem ausdifferenzierten Markt purzeln die Preise. Das bedeutet, dass Apples Gewinne mittelfristig schmelzen. Ein Blick in eine nicht allzu ferne Vergangenheit zeigt, wie rasch das gefährlich werden kann.
Im dritten Geschäftsquartal 2007, dem letzten vor dem iPhone-Verkaufsstart, machte Apple einen Gesamtumsatz von 5,4 Milliarden Dollar - fast die Hälfte davon verdiente Apple mit Notebooks und Desktop-Computern. Inzwischen machen iPads und iPhones ungefähr zwei Drittel des Konzernumsatzes aus. Apple muss kontinuierlich neue Märkte revolutionieren, sonst stottert die Wachstumsmaschine.
Anleger hoffen auf das iPhone 5 - und auf den Apple-Fernseher, den der Konzern angeblich bald vorstellen will. Konzernchef Tim Cook gab sich am Dienstag bei der Vorstellung der Konzernzahlen entsprechend Mühe, die Erwartungen zu schüren. "Die Leute wollen das nächste Ding", sagte er. "Und darüber bin ich superfroh."
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