Miese Quartalsbilanz Apples Entzauberung

Trostpflaster von Apple: Die Quartalszahlen enttäuschen, nun schüttet der Konzern hundert Milliarden Dollar an vergrätzte Aktionäre aus. Nach den fetten Zeiten des Smartphone-Booms steckt der Konzern in der Midlife-Crisis. Da ist der nüchterne Vorstandschef Cook gerade der Richtige an der Spitze.

Von , New York


Totgesagte leben länger, erst recht an der Wall Street. Da hatten viele den Apple-Chef Tim Cook schon angezählt, wenn nicht ausgezählt. Cook sei "cooked" (gar), hatten sie orakelt, eine "Belastung", so gut wie weg vom Fenster. "Cook muss gehen", scholl es von den Barrikaden, befeuert wurden die Unkenrufe von Apples trudelndem Aktienkurs.

Nicht so schnell. Timothy Donald Cook, 52, Nachfolger des Apple-Gründers Steve Jobs, ist quicklebendig und dürfte es, aller Kritik zum Trotz, auch wohl noch etwas bleiben. Das jedenfalls ist das Fazit des wohl wichtigsten Tages seit langem für Cook - und den Konzern.

Am Dienstag präsentierte Cook nach US-Börsenschluss die jüngsten Apple-Quartalszahlen, erst schriftlich, dann in einer Telefonkonferenz mit Wall-Street-Analysten. Düster würden die Zahlen aussehen, hatten sie gemunkelt. Der Anfang vom Ende für Cook.

In der Tat, keine tollen Zahlen. Zwar leicht besser als die Prognosen der Kaffeesatzleser, doch kein Vergleich zum alten Höhenrausch:

• 9,5 Milliarden Dollar Quartalsgewinn (minus 17,9 Prozent), der erste Gewinnrückgang in fast zehn Jahren;

• 43,6 Milliarden Dollar Umsatz (plus 11,2 Prozent);

• 37,4 Millionen verkaufte iPhones (etwas mehr als vor einem Jahr);

• 19,5 Millionen verkaufte iPads (viel mehr);

• knapp vier Millionen verkaufte Macs (etwas weniger).

Noch mauer aber der Ausblick aufs nächste Quartal: nur 33,5 bis 35,5 Milliarden Dollar Umsatz, spürbar unterhalb der Analysten-Hoffnung. Und vor allem weiter schrumpfende Gewinnspannen (36 bis 37 Prozent). "Lausig", mäkelte das US-Börsenblog Business Insider.

Vorbei die Zeiten des ewigen Booms

Lausig, aber: Das sind Apples neue Realitäten. Sie gehen vorbei, die Zeiten des reflexartigen Jubels, des Hypes ums nächste Produkt, des ewigen Booms. Apple krankt am gleichen Phänomen wie die meisten Tech-Konzerne, ob Microsoft, Google, Facebook: Es geht inzwischen normaler zu.

Für Apple, das bisher von Geheimniskrämerei und Drama zehrte, ist das eine Identitätskrise. Es steckt in den Wechseljahren. Für Tim Cook dagegen ist es eine gute Nachricht: Er ist der beste normale Mann für ein normales Unternehmen - uncharismatisch und nüchtern, ein MBA-Manager, kein Visionär.

Mehr als ein halbes Jahr ist es her, dass Apple ein neues Produkt lanciert hat. Wann es wieder was gebe, wurde Cook nun gefragt. Der wich aus: "Unsere Teams sind hart bei der Arbeit", Hardware, Software, Dienste. Wann? "Im Herbst und 2014." Kein Wort von einer iWatch, einem neuen Apple-TV-System, einem größeren iPhone. Sie bohrten. Cook blieb hart.

Stattdessen versucht er nun, die Aktionäre abzufinden - mit hundert Milliarden Dollar. Shareholder-Skepsis hatte die Aktie in den Sturzflug getrieben und in einem halben Jahr fast 300 Milliarden Dollar Marktwert ausradiert.

Nach langem Drängen öffnet Apple deshalb seinen Tresor und wird bis Ende 2015 rund hundert Milliarden Dollar über die Aktionäre regnen lassen, über Dividenden und 60 Milliarden Dollar Aktienrückkäufe. Dies ist, wie Finanzchef Peter Oppenheimer prahlte, das größte Buy-Back-Programm in Apples Geschichte: "Wir verdienen weiter mehr Geld, als wir brauchen."

"Wir haben enorm viel erreicht"

Die Wall Street schluckte den Köder aber nur halb. Apples Kurs stieg nachbörslich erst an, flachte dann aber ab. Auch die Analysten waren in ihren ersten Reaktionen gespalten.

Zweifel bleiben also. Das erkennt auch Cook: "Der Verfall des Apple-Kurses ist für uns alle sehr frustrierend", sagte er. "Wir räumen ein, dass unsere Wachstumsrate sich verlangsamt hat und unsere Margen gesunken sind." Doch die Fans dürften nicht vergessen: "Wir haben enorm viel erreicht. Wir haben eine beispiellose Zahl an Produkten eingeführt."

Die Gerüchteküche um Cook dürfte das kaum beruhigen. Hedgefonds-Manager Doug Kass twitterte vor den jüngsten Zahlen, Cook sei am Ende. Anschließend legte er nach, wenn auch milder: "Apple ist nur eine weitere Aktie, die drei Prozent bringt und bei profitablem Gewinn vor fundamentalen Herausforderungen steht."

Cook lässt sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Er weiß, dass die Branche mal wieder an einer Schwelle steht, am Ende der schrillen Aufbruchära der Smartphones. Dieser Markt sei seit Dezember um 30 Prozent geschrumpft, berichtete er am Dienstag - für Apple aber nur um 15 Prozent: "Wenn sich das hält, geht es uns viel besser als dem Markt." Alles eine Frage der Perspektive - und der neuen Realitäten.



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insgesamt 163 Beiträge
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Seite 1
awoth 24.04.2013
1. Na dann
Halt wieder alle Augen auf PC und Windows (8?)!
Hagbard 24.04.2013
2.
Zitat von sysopAPTrostpflaster von Apple: Die Quartalszahlen enttäuschen, nun schüttet der Konzern 100 Milliarden Dollar an vergrätzte Aktionäre aus. Nach den fetten Zeiten des Smartphone-Booms steckt der Konzern in der Midlife-Crisis. Da ist der nüchterne Vorstandschef Cook gerade der Richtige an der Spitze. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/apple-gewinnrueckgang-milliarden-ausschuettung-an-aktionaere-a-896153.html
Dann haben ja alle die, die seit 10 Jahren erzählen, das Platzen der Apple-Blase stünde unmittelbar bevor, endlich recht.
bertelsmann-spiegel 24.04.2013
3. Das kommt halt davon,
wenn man seine Ideale, vor allem die seiner treuen Fans, mit Fuessen tritt. Ideale und 150% er Kapitalismus gehen nun mal schwer einband. Dann ist die Ernuechterung um so größer...
aldamann 24.04.2013
4. was'n Käse
Apple wurde in den 90er schon mal für tot erklärt. Und der Tenor des Artikels: "Normalität" kehrt ein, IST für die Technologiebranche ein Todesurteil. Wenn Apple überleben will, braucht es den Hype, es braucht die Innovation und damit braucht es einen Visionär an der Spitze und daher gerade eben NICHT Cook.
gesternwarheutenochmorgen 24.04.2013
5. Entsetzlich....
Nur 9,5 Mrd. Quartalsgewinn. Wie konnte das nur passieren. Die müssen sofort halb China in die Kurzarbeit schicken. Völlig marode Marke. Geht gar nicht. Da hat mal wieder das Management total versagt.
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