Geheimabsprachen über Abwerbeverbot Apple, Google, Intel und Adobe zahlen 415 Millionen Dollar

Du nimmst mir keinen Mitarbeiter weg, dafür nehme ich dir auch keinen weg: Vier Hightech-Konzerne hatten ein Abwerbeverbot vereinbart. Dagegen klagten die Angestellten, jetzt stimmten Apple, Google, Intel und Adobe einem Millionenvergleich zu.

Hightech-Mekka Silicon Valley: Lukrativer Anwerbestopp der Top-Konzerne
Corbis

Hightech-Mekka Silicon Valley: Lukrativer Anwerbestopp der Top-Konzerne


San Francisco - Sie hatten eine Art Geheimpakt geschlossen, die Chefs der US-Hightech-Konzerne Apple, Google, Intel und Adobe: Sie versprachen sich gegenseitig, keine Mitarbeiter abzuwerben. So konnten die Firmen verhindern, dass Wissen abfließt - und dass die Gehälter zu stark steigen. Rund 64.000 Angestellte hatten im Jahr 2011 eine Sammelklage gegen die Unternehmen eingereicht und jetzt recht bekommen.

Die US-Konzerne wollen insgesamt 415 Millionen Dollar bezahlen, wie aus Gerichtsdokumenten hervorgeht. Einen ersten Vergleich in Höhe von 324,5 Millionen Dollar hatte die zuständige Richterin Lucy Koh im vergangenen Jahr als zu niedrig zurückgewiesen und mitgeteilt, sie müssten insgesamt mindestens 380 Millionen Dollar zahlen.

In der Sammelklage war den Unternehmen vorgeworfen worden, den Verzicht auf gegenseitige Jobangebote auf höchster Ebene vereinbart zu haben. So veröffentlichte Richterin Koh eine E-Mail des ehemaligen Google-Chefs Eric Schmidt an den mittlerweile verstorbenen Apple-Gründer Steve Jobs. Darin verspricht er, einen Angestellten der Personalabteilung zu feuern, der einen Apple-Mitarbeiter abgeworben hatte.

In der Sammelklage hatten die Anwälte Schadensersatz in Höhe von drei Milliarden Dollar gefordert, sich später aber für einen Vergleich entschieden. Offenbar wäre es schwierig gewesen, die Geheimabkommen zu beweisen. Wenn das Gericht dem aktuellen Vergleich zustimmt, werden die Konzerne einem möglicherweise peinlichen Verfahren entgehen. In einem Prozess hätten Apple, Google und Co. möglicherweise offenlegen müssen, wie das angebliche Abwerbeverbot in den Jahren 2005 bis 2009 vereinbart wurde.

nck/Reuters/AP

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 12 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
rumloler 16.01.2015
1. der Markt
Ich bin immer wieder fasziniert davon, wie gut dieser Markt, in dem Fall der Arbeitsmarkt doch funktioniert. Naja, der Konsument hat es in der Hand.
Ein_denkender_Querulant 16.01.2015
2. Übliche Vorgehensweise
Genau solche Vereinbarungen gibt es in Deutschland zuhauf z.B. zwischen großen Automobilherstellern und Zeitarbeitsfirmen. Insbesondere im osteuropäischem Ausland gehen diese Übereinkünfte sehr weit, auch, um die Lohnkosten niedrig zu halten. Man sollte allerdings zwischen aktiver und passiver Abwerbung unterscheiden. Natürlich bekommt man einen Job, wenn man sich selber aktiv wegbewirbt aber es gibt von den Unternehmen selber keine Anstrengungen der Abwerbung. Ob diese Art Gentlemen Agreement wirklich gesetzeswidrig ist, würde ich bezweifeln. Was viele Zeitarbeiter nicht wissen, sind fällige Vermittlungsprovisionen, wenn man innerhalb einer bestimmten Zeit von dem Unternehmen, an welches man vermittelt wurde, übernommen wird. Zeitarbeitsfirmen arbeiten auch als Arbeitsplatzvermittler und lassen sich diese Dienstleistung natürlich bezahlen. Das Jobsuchende auf diesen Tatbestand von Zeitarbeitsfirmen nicht hingewiesen werden und die Höhe einer fälligen Vermittlungsgebühr nicht im Arbeitsvertrag definiert wird, ist allerdings ein schnellst möglich zu ändernder Tatbestand. Diese Gebühren reduzieren die Wahrscheinlichkeit einer Übernahme massiv und sind meiner laienhaften Meinung nach nicht rechtens.
brdistmist 16.01.2015
3. nicht Überraschend
Das Problem der einigung ist aber kein Amerikanisches Problem. Hier in Deutschland heist sowas Kooperation. Komischerweise machen Bewerbungen bei Betrieben die untereinander Kooperrieren keinen Sinn. Die Absprachen Untereinander in unserer freien Marktwirtschaft sehen meißt so aus, dass es keine einladung zum Vorstellungsgespräch kommt, und wenn ja, wissen diese genau wie dein arbeitsumfeld aussieht, was du verdienst.....Ich habe sowas sehr offt miterleben dürfen.
Bärthold 16.01.2015
4. Auch bei uns
Raum Ingolstadt, namhafte Ingenieursdienstleister, gesteuert vom ortsansässigen Autobauer. Natürlich nicht offiziell. Es geht sogar soweit, dass nicht mal eingestellt werden darf, wenn jemand aus eigenem Antrieb wechseln möchte. Mit deutlichen Auswirkungen auf Jahresgespräche und Gehaltsverhandlungen. Aber offiziell gibt es diese Verordnung natürlich nicht.
spon-facebook-10000216344 16.01.2015
5. das ist
Hier seit Jahrzehnten gängige Praxis, wer bei BASF ist, geht nicht zu BAYER. Abwerben schickt sich nicht, wussten alle Personaler.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.