30. April 2013, 17:14 Uhr

Trotz riesiger Cash-Reserven

Apple macht Milliardenschulden

145 Milliarden Dollar Cash-Reserven besitzt Apple - trotzdem leiht sich der Konzern nun massiv Geld am Kapitalmarkt. Berichten zufolge könnte die Anleihe ein Volumen von bis zu 15 Milliarden Dollar haben. Es wäre eine der größten Emissionen der Wirtschaftsgeschichte.

New York - Auf den ersten Blick wirkt die Aktion absurd: Trotz gewaltiger Cash-Reserven zapft Apple den Kapitalmarkt an. Der IT-Konzern hat am Dienstag begonnen, Anleihen an den Markt zu bringen, wie aus einem Dokument hervorgeht, das der Konzern bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht hat. Die Nachfrage ist nach Angaben von Insidern groß.

Das genaue Volumen der Anleihe steht noch nicht fest. Dem "Wall Street Journal" zufolge könnte es rund zehn Milliarden Dollar betragen. Laut der Nachrichtenagentur Reuters und der "Financial Times" könnten es gar 15 Milliarden sein.

Die Apple-Anleihe - iBond genannt - könnte damit eine der größten Emissionen sein, die eine Nicht-Bank bislang je begangen hat. Die größte Unternehmensanleihe habe Roche Holdings begangen, berichtet das "Wall Street Journal" unter Berufung auf den Datendienst Dealogic. Das Unternehmen habe im Februar 2009 Bonds im Volumen von rund 16,5 Milliarden Dollar angeboten.

Im Falle Apples stellt sich allerdings die Frage: Wozu das Ganze? Immerhin verfügt der iPhone-Bauer über Barmittel in Höhe von 145 Milliarden Dollar. Wozu muss sich ein Konzern, der mal eben mehr als ein Drittel der griechischen Staatsschulden tilgen könnte, überhaupt Geld leihen?

Es gibt dafür zwei Gründe:

Damit könnten weitere Anleihen-Emissionen folgen. Denn insgesamt muss Apple in den kommenden drei Jahren etwa 60 Milliarden Dollar auftreiben.

Die Anleihen-Aktion vom Dienstag war in der vergangenen Woche auf der Bilanzpressekonferenz schon angekündigt worden. Sie stellt einen Bruch mit bisherigen Werten des Konzerns da. Zuletzt hatte Apple 1996 Schuldpapiere ausgegeben. Nach der Rückkehr von Steve Jobs wurden die Schulden dann komplett abgebaut. Der inzwischen verstorbene Visionär hatte viel Wert darauf gelegt, das Unternehmen schuldenfrei zu halten.

Der neue Chef Tim Cook geht andere Wege. Doch so recht überzeugen konnte er die Anleger bislang nicht. Aktionäre fürchten, dass Apple bald die Grenzen seines Wachstums erreicht. Dass iPhone und iPad ihren Glanz verlieren und zu austauschbaren Gebrauchsgegenständen werden.

Im vergangenen Quartal war der Gewinn erstmals seit zehn Jahren zurückgegangen. Die Aktionäre warten auf das nächste große Ding, mit dem der Konzern, wie schon so oft, die Tech-Welt revolutioniert, einen neuen Markt erschafft und auf Jahre dominiert. Doch eine derartige Neuerung ist nicht in Sicht. Bei der nächsten absehbaren Neuerung - einer internetfähigen Uhr - konkurriert Apple unter anderem mit Samsung . Auf dem Zukunftsmarkt der internetfähigen Brillen hat derzeit offenbar Google einen technologischen Vorsprung.

An der Börse fiel die Reaktion auf die Apple-Anleihe eher verhalten aus. Im US-Technologieindex Nasdaq stieg die Apple-Aktie um etwa zwei Prozent.

ssu/Reuters


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