Trotz riesiger Cash-Reserven: Apple macht Milliardenschulden

145 Milliarden Dollar Cash-Reserven besitzt Apple - trotzdem leiht sich der Konzern nun massiv Geld am Kapitalmarkt. Berichten zufolge könnte die Anleihe ein Volumen von bis zu 15 Milliarden Dollar haben. Es wäre eine der größten Emissionen der Wirtschaftsgeschichte.

Apple Store in New York: Gigantisches Anleihenprogramm Zur Großansicht
AFP

Apple Store in New York: Gigantisches Anleihenprogramm

New York - Auf den ersten Blick wirkt die Aktion absurd: Trotz gewaltiger Cash-Reserven zapft Apple den Kapitalmarkt an. Der IT-Konzern hat am Dienstag begonnen, Anleihen an den Markt zu bringen, wie aus einem Dokument hervorgeht, das der Konzern bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht hat. Die Nachfrage ist nach Angaben von Insidern groß.

Das genaue Volumen der Anleihe steht noch nicht fest. Dem "Wall Street Journal" zufolge könnte es rund zehn Milliarden Dollar betragen. Laut der Nachrichtenagentur Reuters und der "Financial Times" könnten es gar 15 Milliarden sein.

Die Apple-Anleihe - iBond genannt - könnte damit eine der größten Emissionen sein, die eine Nicht-Bank bislang je begangen hat. Die größte Unternehmensanleihe habe Roche Holdings begangen, berichtet das "Wall Street Journal" unter Berufung auf den Datendienst Dealogic. Das Unternehmen habe im Februar 2009 Bonds im Volumen von rund 16,5 Milliarden Dollar angeboten.

Im Falle Apples stellt sich allerdings die Frage: Wozu das Ganze? Immerhin verfügt der iPhone-Bauer über Barmittel in Höhe von 145 Milliarden Dollar. Wozu muss sich ein Konzern, der mal eben mehr als ein Drittel der griechischen Staatsschulden tilgen könnte, überhaupt Geld leihen?

Es gibt dafür zwei Gründe:

  • Apple will seine Anleger ruhigstellen. Der Aktienkurs ist nach dem Tod des legendären Konzernlenkers Steve Jobs von mehr als 700 Dollar auf zwischenzeitlich unter 400 Dollar gesunken. Um ihn zu stabilisieren, plant Apple bis Ende 2015 eine Kapitalausschüttung von insgesamt 100 Milliarden Dollar an seine Aktionäre. Dafür braucht der Konzern nun Geld.
  • Seine Cash-Reserven will Apple dafür nicht anzapfen. Denn es sind nur etwa 45 Milliarden Dollar in den USA verfügbar. Der Rest ist in Steuerparadiesen im Ausland angelegt. Würde das Geld zurück in die Vereinigten Staaten transferiert, müsste Apple Steuern in Milliardenhöhe nachzahlen.

Damit könnten weitere Anleihen-Emissionen folgen. Denn insgesamt muss Apple in den kommenden drei Jahren etwa 60 Milliarden Dollar auftreiben.

Die Anleihen-Aktion vom Dienstag war in der vergangenen Woche auf der Bilanzpressekonferenz schon angekündigt worden. Sie stellt einen Bruch mit bisherigen Werten des Konzerns da. Zuletzt hatte Apple 1996 Schuldpapiere ausgegeben. Nach der Rückkehr von Steve Jobs wurden die Schulden dann komplett abgebaut. Der inzwischen verstorbene Visionär hatte viel Wert darauf gelegt, das Unternehmen schuldenfrei zu halten.

Der neue Chef Tim Cook geht andere Wege. Doch so recht überzeugen konnte er die Anleger bislang nicht. Aktionäre fürchten, dass Apple bald die Grenzen seines Wachstums erreicht. Dass iPhone und iPad ihren Glanz verlieren und zu austauschbaren Gebrauchsgegenständen werden.

Im vergangenen Quartal war der Gewinn erstmals seit zehn Jahren zurückgegangen. Die Aktionäre warten auf das nächste große Ding, mit dem der Konzern, wie schon so oft, die Tech-Welt revolutioniert, einen neuen Markt erschafft und auf Jahre dominiert. Doch eine derartige Neuerung ist nicht in Sicht. Bei der nächsten absehbaren Neuerung - einer internetfähigen Uhr - konkurriert Apple unter anderem mit Samsung Chart zeigen. Auf dem Zukunftsmarkt der internetfähigen Brillen hat derzeit offenbar Google Chart zeigen einen technologischen Vorsprung.

An der Börse fiel die Reaktion auf die Apple-Anleihe eher verhalten aus. Im US-Technologieindex Nasdaq Chart zeigen stieg die Apple-Aktie um etwa zwei Prozent.

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ssu/Reuters

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insgesamt 116 Beiträge
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1. Irreführend und irrelevant
Conflock 30.04.2013
Die reißerisch aufgemachten Meldungen über Apple in den letzten Wochen bei SPON finde ich schon etwas merkwürdig. Als Leser könnte man anhand der Überschriften den Eindruck erhalten Apple wäre ein Unternehmen am Rande der Insolvenz. Dass es sich nach wie vor um einen hochprofitablen Konzern handelt der einen für Hochtechnologie ziemlich voraussagbaren Zyklus durchläuft wird nicht wirklich deutlich. Diese Randnotiz als Topmeldung zu verkaufen zeugt nicht gerade von Sachverstand.
2. Ziemlich beunruhigend, das hier:
westerwäller 30.04.2013
Zitat von sysopWozu muss sich ein Konzern, der mal eben mehr als ein Drittel der griechischen Staatsschulden tilgen könnte, überhaupt Geld leihen?
... bedeutet ja wohl, dass Apple, Google, Samsung, HP, IBM und Intel zusammen die Schulden Deutschlands nicht stemmen könnten ...
3. Das mit den Brillen..
rainer_d 30.04.2013
ist so eine Sache. Ob das ein Markt wird oder immer ein Zukunftsmarkt bleiben wird steht noch offen. Im Artikel müsste noch darauf hingewiesen werden, dass die Aktion anscheinend mindestens "steuerneutral" ist. Die Zinsen auf die Schulden können sie wohl von der Steuer abziehen...
4. Kann doch nicht sein.
ceroc 30.04.2013
Ich kann das ganze nicht nachvollziehen. Das hört sich für einen Leien, der von Aktien keine Ahnung hat, nur verrückt an. Nicht nur das man einfach mal 100 Milliarden auf die Straße schmeißt damit der Aktienkurs wieder nach oben geht. Nein, Apple zahlt keine Steuern auf sein Milliarden Vermögen.
5. Blender?
wind_stopper 30.04.2013
Vielleicht sind die Bar-Reserven ja gar nicht so gross? Wenn diese in Steuerparadiesen liegen, dann sind es doch auch keine Bar-Reserven, oder gibt es auf den Bahamas etwa riesige iHallen voll mit 100$-Noten? Ich denke eher, dass man hier den Anfang vom Ende Apples sehen kann.
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