Streit über Gehaltskartell Apple und Google zahlen Mitarbeitern Millionen

Im Silicon Valley sind IT-Spezialisten heiß begehrt. Um die Gehälter nicht höher zu treiben, sollen Google, Apple und andere Konzerne einen Abwerbestopp vereinbart haben. Ein Gerichtsverfahren wenden sie nun mit einer Millionenzahlung ab.

Google-Campus in Mountain View: Begehrte Fachkräfte
DPA

Google-Campus in Mountain View: Begehrte Fachkräfte


San Francisco - Es hätte ein unangenehmes Gerichtsverfahren für die Tech-Größen im Silicon Valley werden können. Rund 64.000 Mitarbeiter hatten gegen die Firmen Apple, Google, Intel und Adobe geklagt, weil diese mit einem gegenseitigen Abwerbestopp angeblich die Löhne in der Branche künstlich drücken wollten.

In vorgerichtlichen Anhörungen waren unter anderem E-Mails von Spitzenmanagern wie dem ehemaligen Apple-Chef Steve Jobs und dem früheren Google-Chef Eric Schmidt aufgetaucht. Nachdem eine Mitarbeiterin von Googles Personalabteilung per E-Mail einen Apple-Entwickler angesprochen hatte, beschwerte sich Jobs bei Schmidt. Die Reaktion fiel hart aus: Google versicherte, dass die Frau sofort gefeuert werde und so etwas nicht wieder vorkommt. Jobs quittierte dies beim internen Weiterleiten der Mail mit einem Smiley.

Um ein langwieriges Verfahren und eine damit verbundene öffentliche Debatte zu verhindern, haben sich die Konzerne nun mit den Angestellten geeinigt. Laut der Nachrichtenagentur Reuters zahlen sie dazu 324 Millionen Dollar.

Kelly Dermody, Anwältin der Kläger, sprach von einer "exzellenten Lösung des Falls". Sprecher von Apple, Google und Intel wollten sich nicht zu der Einigung äußern. Ein Vertreter von Adobe sagte, sein Unternehmen habe sich nichts zu Schulden kommen lassen. Dennoch habe man dem Vergleich zugestimmt, "um Unsicherheiten, Kosten und Störungen durch einen Prozess zu vermeiden".

Bereits 2010 hatten sich die Firmen mit dem US-Justizministerium darauf geeinigt, künftig keine Anti-Abwerbeabsprachen mehr zu treffen. Kurz danach hatten die Angestellten ihre Zivilklage eingereicht und Schadensersatz von drei Milliarden US-Dollar gefordert. Nach US-Kartellrecht hätte diese Summe auf neun Milliarden verdreifacht werden können.

Weiteren Gehaltssteigerungen der IT-Spezialisten im Silicon Valley steht nun nichts mehr im Wege. Die Gegend zwischen San Francisco und San Jose ist für sie zum Eldorado geworden. Die großen Konzerne locken schon junge Talente mit üppigen Handgeldern und Aktienoptionen. Der Geldsegen verändert den Charakter der gesamten Region: In San Francisco liegen die Mietpreise mittlerweile schon höher als in Manhattan.

stk/Reuters/dpa



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insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
schmusel 25.04.2014
1. Aber natürlich
Kelly Dermody, Anwältin der Kläger, sprach von einer "exzellenten Lösung des Falls" Aber natürlich ist es das! Die Anwälte kassieren die üblichen 30%, macht flockige 97 Millionen und jeder einzelne der "Kläger" kriegt mickrige 3500 Dollar. Wenn Rechtsprechung zum monetären Selbstzweck wird...
toubib 25.04.2014
2. Kartellrecht
In den USA werden solche Absprachen als Kartellverstoß angesehen. Hat jemand eine Idee, wie es in Deutschland/EU aussieht?
logabjörk 25.04.2014
3. dafür zahlen sie ja auch so gut wie keine Steuern
zumindest in Deutschland.
dhs 25.04.2014
4. Der Flächentarifvertrag...
in Deutschland führt für Informatiker und Ingenieure in Deutschland zum gleichen Effekt wie die Absprachen im Silikon Valley. Mit dem Hinweis auf die starre Eingruppierung im ERA (Entgeltrahmenabkommen) sind Gehaltssteigerungen durch Jobwechsel weitgehend ausgeschlossen.
Crom 25.04.2014
5.
Flächentarif? Spitzenkräfte sind sowieso im AT-Bereich angesiedelt. Ich wurde noch nie nach einem Tarifvertrag bezahlt.
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