Cupertino - Apple-Chef Tim Cook setzt im Streit über Mobilfunkpatente auf Deeskalation. Der iPhone-Konzern und der Smartphone-Spezialist HTC haben ihren Streit beigelegt. Es sei eine Vereinbarung auf zehn Jahre abgeschlossen worden, teilten die Unternehmen mit. Sie umfasse nicht nur bisherige, sondern auch künftige Patente. Die gegenseitigen Klagen werden fallengelassen.
Die Aktien von HTC legten am Montag deutlich zu. Der Kurs stieg um fast sieben Prozent. Zuletzt war das taiwanische Unternehmen unter Druck, da der Konzern im Wettbewerb mit Apple
und Samsung
nicht mithalten konnte. Im jüngsten Geschäftsquartal brachen die Gewinne um 79 Prozent ein.
HTC teilte mit, dass es durch die Einigung mit Apple keine bedeutende Belastung für die Finanzen geben werde. Weitere Bedingungen des Deals wurden zunächst nicht bekannt. Experten gehen aber davon aus, dass unterm Strich HTC an Apple zahlen wird.
Außer der Frage, wie viel Geld wohin fließt, ist auch nicht bekannt, ob Apple seine Multitouch-Patente in die Einigung eingebracht hat. Diese Schutzrechte auf die typische Bedienung des iPhone-Touchscreens gelten als das Kronjuwel in Apples Patentportfolio und blieben von bisherigen Vereinbarungen ausgespart.
Apple-Chef Cook und HTC-Boss Peter Chou teilten mit, dass sie sich über das Ende des Streits freuten und sich auf Innovationen konzentrieren wollen. Keines der beiden Unternehmen hatte in dem juristischen Streit den entscheidenden Sieg erringen können. Allerdings wurde die teure Auseinandersetzung vor allem für HTC immer mehr zur Belastung. Der Start mehrerer wichtiger Modelle in den USA verzögerte sich wegen Prüfungen durch die Behörden. Das führte auch zu schlechteren Geschäftszahlen.
Keine der Parteien errang bisher einen entscheidenden Sieg
Zuletzt musste aber auch Apple die Erfahrung machen, dass die langwierigen Gerichtsverfahren nicht in der Lage sind, mit der Dynamik des Konkurrenzsystems Android mit seinen vielen Herstellern und unzähligen Modellen mitzuhalten. Apple konnte zwar einzelne Geräte ausbremsen, Funktionen entfernen lassen oder Herstellern das Leben schwerer machen, aber besiegen konnte der Konzern die Konkurrenz nicht. Im dritten Quartal liefen 75 Prozent der Smartphones mit dem Google-Betriebssystem Android.
HTC galt im Patentkrieg noch als der einfachste Gegner. Der Streit zwischen den Hauptrivalen Apple und Samsung geht hingegen weiter. Die Südkoreaner wehren sich weiterhin gegen die Entscheidung kalifornischer Geschworener, die Apple im August über eine Milliarde Dollar Schadenersatz zusprachen.
Apple-Chef Cook hatte im Frühjahr bereits seine Vorstellungen umrissen, wie Friedensabkommen aussehen könnten: "Wir wollen, dass die anderen selber ihre Sachen erfinden. Wenn wir eine Vereinbarung erzielen könnten, bei der wir sicher wären, dass es so ist, wäre mir eine Einigung viel lieber als ein Kampf."
mmq/dpa-AFX
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